Pressemitteilung vom 29. Oktober 2026
Neue Perspektiven auf naive Kunst: Sonderausstellung "Freundschaftsspiel. Nizza : Freiburg" im Museum für Neue Kunst
Mit der Ausstellung „Freundschaftsspiel. Nizza : Freiburg“ lädt das Museum für Neue Kunst ab Freitag, 30. Oktober, zum deutsch-französischen Austausch ein: Werke der sogenannten naiven Kunst aus dem Musée international d’art naïf Anatole Jakovsky treffen auf moderne und zeitgenössische Arbeiten aus der Sammlung des Museums für Neue Kunst. Bis Sonntag, 28. Februar 2027, eröffnen 131 Werke von über 70 Künstler*innen in überraschenden Begegnungen neue Perspektiven und motivieren, genau hinzuschauen.
Mit seinem Fokus auf naiver Kunst und Art Brut besitzt das Musée international d’art naïf Anatole Jakovsky (MAN) einen einzigartigen Sammlungsschwerpunkt. Ursprünglich von Kunstkritiker Anatole Jakovsky und dessen Frau Renée zusammengetragen, wird die Kollektion heute von Direktorin Frédérique Olivier-Ghauri und ihrem Team erweitert und in die Zukunft geführt.
Viele naive Künstler*innen haben keine akademische Ausbildung und wurden daher lange von der klassischen Kunstgeschichte der Moderne ausgegrenzt. Das Zusammenspiel der Werke aus beiden Sammlungen stellt diese Hierarchie infrage und bietet alternative Lesarten. Unterscheiden sich Themen, Bildsprache und Techniken? Wer entscheidet über die Qualität eines Werkes? Und wie entstehen die Maßstäbe, nach denen wir Kunst beurteilen?
Die naive Kunst bricht mit den akademischen Regeln der Moderne. Werke von Henri Rousseau, Louis Vivin, Danielle Jacqui oder Germain van der Steen zeigen die leuchtenden Farben, akribische Detailgenauigkeit und Alltags-Motive, die so typisch für diese Kunstform sind. Doch die Ausstellung zielt gerade nicht auf eine reine Gegenüberstellung von naiv und modern, von autodidaktisch und akademisch ab. Vielmehr sind die Besuchenden eingeladen, die Kunst abseits solcher Kategorisierungen zu betrachten und den Blick zugleich auf die einzelnen Werke als auch auf ihr Zusammenwirken zu lenken.
So zeigt ein Raum voller Blumenbilder, wie individuelle Bedingungen künstlerischen Schaffens im selben Motiv verarbeitet werden können. Ein weiterer Raum widmet sich verschiedenen Kunstwerken Bruno Epples aus beiden Sammlungen, die Fragen nach Professionalität und Amateurstatus aufwerfen. Besuchende können außerdem die Materialvielfalt der Arbeiten bestaunen und entdecken, wie stilistisch unterschiedliche Werke dennoch auf unerwartete Weise in Beziehung treten. Wer mag, kann selbst Teil der Ausstellung werden: An einer Mitmachstation gestalten große und kleine Künstler*innen eigene Bilder mit wasservermalbaren Aquarellstiften und entscheiden frei, ob sie diese im Museum aufhängen möchten.
Ein vielfältiges Programm begleitet die Ausstellung, darunter zwei Gespräche mit den Freiburger Künstler*innen Herbert X. Maier und Annette Merkenthaler, die beide in der Ausstellung vertreten sind. Ungewöhnliche Blickwinkel bietet die Veranstaltung „Verborgene Talente“, bei der Aufsichten des Museums im Rampenlicht stehen. Der Kammerchor Freiburg erkundet auf einer musikalischen Spurensuche, wie sich Naivität und Sentimentalität in Musik, Texten und Tönen zeigen. Mit ihren farbenfrohen, fantasievollen Werken lädt die Ausstellung aber auch Familien mit Kindern zum spielerischen Entdecken und Kreativsein ein. Ob in der Malwerkstatt, beim Gestalten glitzernder Masken oder Erfinden von Bildergeschichten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alle aktuellen Veranstaltungen gibt es unter www.museen.freiburg.de/mnk/sonderausstellungen-mnk. Ende November erscheint ein Katalog zur Ausstellung.
Lisa Bauer-Zhao, Christine Litz und Camille Rey haben die Ausstellung kuratiert. Beate Reutter hat das Begleitprogramm erarbeitet.
Das Museum für Neue Kunst, Marienstraße 10a, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Unter 27 Jahren, für Mitglieder des Fördervereins, mit Freiburg-Pass und mit Museums-PASS-Musées ist er frei. Tickets gibt es an der Museumskasse oder unter www.museen-freiburg.de/shop.