"OB vor Ort" in Vauban

Paradies mit kleinen Schönheitsfehlern

Eine autofreie Straße; im Vordergrund Blümchen, links und rechts von der Straße ist viel Begrünung. Jemand fährt Fahrrad.
Vauban ist bekannt für seine autofreien Zonen und viel Begrünung, aber auch hohe Mieten

Nach sieben Jahren kam Oberbürgermeister Martin Horn in der zweiten Runde seiner Gesprächsreihe "OB vor Ort" wieder in den Stadtteil Vauban. Ein Thema des Abends war die Klimaanpassung – zur Sprache kamen aber auch viele andere kleine und größere Sorgen der Bewohner*innen: von nervenden Krähen bis hin zum verdreckten Aufzug in einer Quartiersgarage.

80 Interessierte waren ins Haus 37 gekommen, darunter auch Michael Schubert vom Vorstand des Stadtteilvereins Vauban. "Ganz klar: Wir leben hier in einer sehr vorteilhaften Situation, etwa in ökologischer Hinsicht", sagte er zur Begrüßung. "Hier wurde vieles gut gemacht." Nicht so gut seien hingegen die hohen Mieten. "Hier hat sich der Stadtteil durch seinen guten Ruf zum Negativen hin entwickelt."

Was die Ökologie angeht, pflichtete ihm der Leiter der Umweltschutzamts, Klaus von Zahn, bei. Zwar ist auch in Freiburg die Jahresdurchschnittstemperatur in den letzten Jahrzehnten angestiegen, aber: "Der intensiv durchgrünte Stadtteil Vauban ist kein Hitze-Hotspot" – so ein Fazit seiner kurzen Präsentation zum Thema Klimaanpassung. Hinzu kämen der Dorfbach als "kühler Erholungsraum am Wasser für heiße Tage" und der Trinkbrunnen auf dem Alfred-Döblin-Platz – der allerdings aktuell nicht funktioniert. Das jedoch soll laut OB schnellstmöglich behoben werden. 

Auch das in Freiburg zum ersten Mal eingesetzte "Mulden-Rigolen-System" – sprich die durch den Stadtteil laufenden Versickerungsgräben – funktioniere gut und ganz im Sinne einer Schwammstadt, so von Zahn. "Sie fangen nahezu das gesamte Regenwasser auf und versickern es vor Ort."

Krähen und ein Dauerton

Also alles gut im grünen Quartier? "Wir wohnen hier wirklich nahezu im Paradies", meldete sich ein Anwohner zu Wort. "Aber die Krähenproblematik möchte ich doch mal ansprechen." Die Wege rund um sein Haus seien voller Kot der vielen in den Platanen nistenden Vögel, was schlimm für ihn sei, er leide an einer Lungenkrankheit. "Wäre Krähenvergrämen eine Möglichkeit? Oder wenigstens die Wege unter den Bäumen regelmäßig reinigen? Das wäre super."

Vergrämen helfe oft nicht wirklich, antwortete der Leiter des Umweltschutzamts. Und sei auch nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt, etwa aus hygienischen Gründen rund um die Uniklinik. Wege reinigen sei hingegen eine Option, meinte der OB – und freute sich darüber, dass der Fragesteller immer wieder mal den Mängelmelder auf der städtischen Website nutzt, um auf die Verschmutzung aufmerksam zu machen – und dass dann auch etwas passiere.

Anwohnende des vor Kurzem erweiterten und mit einem neuen Kamin versehenen Blockheizkraftwerks klagten über einen seit fünf Wochen anhaltenden Dauerton, der "durch Mark und Bein" gehe. Es fehle jeglicher Schallschutz. "Das nehmen wir mit", versprach der OB. "Sie bekommen eine Antwort von der Badenova."

Weiteres Thema: die von der Seelsorgeeinheit St. Georgen-Hexental genutzten Kirchenräume Oase. Die Kirche wolle sich aus dem Stadtteil zurückziehen, berichtete eine Anwohnerin. Doch die Räume würden auch von den Pfadfindern genutzt. "Ich fände es schade, wenn da jetzt beispielsweise ein Zahnarzt reinkäme. Vielleicht könnte sich die Stadt verantwortlich fühlen?" Auch die Quartiersarbeit möchte gerne dorthin umzuziehen. Wichtig sei ein Nutzungskonzept für Räume, betonte der OB. "Ich glaube, dann kriegen wir da etwas Gutes hin. Das sollte bis Ende des Jahres gelöst sein." Eine Antwort, die viel Applaus erntete.

Die Ökotoilette

Und dann war da ja noch die Sache mit der Ökotoilette. Diese sollte im Juli 2024 auf einer der Grünspangen aufgestellt werden – direkt neben dem Denkmal für Georg Elser, einem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Lautstarker Protest der Anwohner*innen war die Folge, inzwischen steht die Toilette am Seepark. "Das lief ohne Kontakt zum Stadtteilverein und ohne jegliches Fingerspitzengefühl", kritisierte Michael Schubert – und machte gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer Toilette für die vielen Besuchsgruppen im Stadtteil aufmerksam. "Sie werden für Ihren Protest nicht dauerbestraft", versprach der OB augenzwinkernd. Beim zweiten Anlauf werde man den Verein miteinbeziehen. Dass es eine Lösung brauche, sei klar.

Dreckiger Aufzug

Die brauche es auch für den immer wieder defekten und verdreckten Aufzug der Quartiersgarage an der Merzhauser Straße, sagte ein "Anwohner der ersten Stunde". "Ich finde das Konzept Quartiersgarage wirklich supergut", betonte er. "Es bedeutet einen Riesengewinn an Wohnqualität." Aber der Aufzug sei einfach nur "eklig" – eine Einschätzung, die der OB teilte. Auch hier versprach er nachzuhaken. "Das werden wir weiterleiten." In diesem Fall an die dafür zuständige Freiburger Stadtbau.

Bis zum Schluss blieb die Diskussion sachlich und konstruktiv. Sie endete mit einem Appell von Martin Horn: "Immer wieder heißt es: Früher war alles besser. Und ja, es gibt Trump, Gaza, den Ukraine­krieg. Aber lassen wir uns von den Rechtspopulisten nicht einreden, dass alles mies sei. Sondern lassen Sie uns unsere Stadt gemeinsam ein bisschen besser machen."

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 893 vom 9. August 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 08. August 2025