Pressemitteilung vom 29. Juni 2026

Geschlechtsspezifische Gewalt: Freiburg startet Kampagne „Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld.“

  • Stadt setzt gemeinsam mit großem Netzwerk Istanbul-Konvention um
  • Neue Kampagne macht auf Gewalt aufmerksam und zeigt Hilfsangebote auf
  • Acht Maßnahmen des Freiburger Aktionsplans bereits auf den Weg gebracht

Die Stadt Freiburg verstärkt ihr Engagement gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Gemeinsam mit einem breiten Netzwerk aus Fachstellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen setzt sie die Istanbul-Konvention auf kommunaler Ebene um. Mit der Kampagne „Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld.“ wird diese Arbeit nun auch im öffentlichen Raum sichtbar.

Gewalt gegen Frauen, Kinder und queere Menschen gehört auch in Freiburg für viele Betroffene zum Alltag. Häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung, digitale Gewalt oder Übergriffe im öffentlichen Raum sind keine Einzelfälle. Mit der Istanbul-Konvention haben sich Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, geschlechtsspezifische Gewalt konsequent zu bekämpfen und Betroffene besser zu schützen.

Die Stadt Freiburg setzt diese Verpflichtung gemeinsam mit Fachstellen, sozialen Einrichtungen, Vereinen, Bildungsträgern, Beratungsstellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen um. Mehr als 70 Akteur*innen arbeiten inzwischen an der Umsetzung des Freiburger Aktionsplans zur Istanbul-Konvention mit.

Ein sichtbarer Baustein dieser Arbeit startet nun im öffentlichen Raum und auf Social Media: Mit der Kampagne „Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld.“ macht Freiburg auf verschiedene Formen geschlechtsspezifischer Gewalt aufmerksam, informiert über Hilfsangebote und möchte Menschen ermutigen hinzuschauen, Unterstützung anzunehmen und Betroffene nicht allein zu lassen.

Die Kampagne zeigt Alltagssituationen, die viele Menschen kennen. Zahlen und Fakten machen deutlich, wie verbreitet Gewalt und Diskriminierung noch immer sind und wie wichtig es ist, Gewaltschutz voranzubringen. Die Motive greifen unterschiedliche Themen auf – von Gewalt gegen Frauen oder gegen trans* Personen und queere Menschen über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bis hin zu sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Auch Partnerschaftsgewalt, Bedrohungen von Frauen im öffentlichen Raum oder sexualisierte Gewalt im Nachtleben sind Themen. Alle Motive verweisen auf konkrete Hilfsangebote für Betroffene sowie deren Angehörige und Umfeld.

Die Kampagne wird in den kommenden Monaten mit Plakaten, digitalen Formaten auf Social Media und weiteren Aktionen im Stadtgebiet sichtbar sein. Start der Kampagne ist jetzt, sie wird über mehrere Monate laufen und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Auch die vielen Netzwerkpartner*innen werden ihre Social-Media-Kanäle für die Kampagne nutzen. Möglich wird die Kampagne auch durch die Unterstützung der Mekriba Stiftung. Die Stiftung fördert in Freiburg die Umsetzung der Istanbul-Konvention und engagiert sich insbesondere für Prävention, Aufklärung und den Schutz von Betroffenen.

OB Martin Horn: „Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein Thema, dass leider noch immer sehr viele Menschen betrifft. Mit der Kampagne wollen wir Sichtbarkeit schaffen, Betroffenen Mut machen und deutlich zeigen: Freiburg schaut nicht weg. Gleichzeitig ist die Kampagne nur ein Baustein einer umfassenden Strategie, die wir gemeinsam mit vielen engagierten Partnerinnen und Partnern in unserer Stadt umsetzen.“

Frauenbeauftragte Simone Thomas: „Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Sie zeigt sich in vielen Formen – im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im Internet. Die Kampagne soll sensibilisieren, informieren und dazu beitragen, dass Betroffene schneller Unterstützung finden. Gleichzeitig wollen wir alle Menschen ermutigen, hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen.“

Friederike Holland, Gründerin und Stifterin der Mekriba Stiftung: „Ein gewaltfreies und geschlechtergerechtes Miteinander gehört zu den zentralen Anliegen der Mekriba Stiftung. Ich unterstütze die Kampagne und die Umsetzung der Istanbul-Konvention, weil sie das Thema Gewalt in seinen unterschiedlichen Aspekten adressiert und die Menschen motiviert, über diese schweren Themen ins Gespräch zu kommen. Sexualisierte Gewalt hat schwere und langfristige Folgen für die Betroffenen und für unsere Gesellschaft. Die Initiative der Stadt Freiburg ist ein starkes Zeichen mit Vorbildcharakter. Sie macht Mut und zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn engagierte Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

Die Kampagne ist Teil des Freiburger Aktionsplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, den der Gemeinderat im Februar 2025 beschlossen hat. Ziel ist es, Gewalt vorzubeugen, Betroffene besser zu schützen und bestehende Hilfsstrukturen weiter auszubauen.

Bereits heute laufen alle acht priorisierten Maßnahmen des Aktionsplans:
  • Mit „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ engagieren sich Ehrenamtliche in Freiburg-Weingarten gegen häusliche Gewalt und informieren über Hilfsangebote.
  • Die sozialpädagogische Arbeit mit Jungen* und jungen Männern wird ausgebaut, um Geschlechterrollen zu reflektieren und Gewaltprävention zu stärken.
  • Das Präventionsprogramm Pugs+ wird in Kindertageseinrichtungen eingesetzt, um Kinder, Eltern und Fachkräfte für häusliche und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren.
  • Bei der Fachstelle Intervention gegen häusliche Gewalt (FRIG) entsteht eine Kompetenz- und Fortbildungsstelle für Fachkräfte und Multiplikator*innen die auch öffentliche Veranstaltungen und Fortbildungen anbietet.
  • Fachtage und Dialogveranstaltungen stärken die Zusammenarbeit zwischen Fachstellen, Gesundheitswesen, Polizei, Justiz und Zivilgesellschaft.
  • Gemeinsam mit dem SC Freiburg findet am 21. Juli ein großer Schulaktionstag gegen Gewalt für Freiburger Schüler*innen statt.
  • Die Täter*innenarbeit wird durch neue Angebote zu Stalking und sexualisierter Gewalt erweitert. Zudem wird die Zusammenarbeit mit Polizei und Beratungsstellen ausgebaut.
  • Die Kampagne, die den dringenden Handlungsbedarf für mehr Gewaltschutz öffentlich macht und Hilfsangebote kommuniziert.

Die Maßnahmen wurden in einem umfangreichen Beteiligungsprozess gemeinsam mit Fachstellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen entwickelt. Die Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention im Referat für Chancengerechtigkeit begleitet die Umsetzung und wird die Fortschritte regelmäßig evaluieren.

Weitere Informationen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Freiburg gibt es unter www.freiburg.de/istanbulkonvention.

Veröffentlicht am 29. Juni 2026