Pressemitteilung vom 25. Juni 2026
Marcel van Eeden präsentiert seinen Werkzyklus "6. August 1870"
- Neue Ausstellung ab Samstag, 27. Juni, im Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum
Die Geschichte eines nordafrikanischen Kolonialsoldaten führt von den Schlachtfeldern des Deutsch-Französischen Krieges über Algerien und Tunesien bis ins Freiburg der Gegenwart. Diesem Kapitel europäischer und kolonialer Geschichte widmet sich der niederländische Künstler Marcel van Eeden (*1965 in Den Haag) in seinem 70-teiligen Werkzyklus „6. August 1870“. Das Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum zeigt die Ausstellung ab Samstag, 27. Juni, bis Sonntag, 18. Oktober.
Marcel van Eeden, dem 2023 der Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg (seit 2024: Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg) verliehen wurde, setzt sich in seinem Werkzyklus mit den Verflechtungen von Nationalismus, Kolonialismus und Rassismus auseinander. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Forschung ist das Schicksal des aus Nordafrika stammenden Abdel Kader Ben Lahcen (früher geschrieben: Abdel Kader Ben Ladsche). Dieser kämpfte im Deutsch-Französischen Krieg auf französischer Seite, wurde am 6. August 1870 in der Schlacht von Wœrth/Frœschwiller verwundet und starb wenige Monate später an den Folgen seiner Verletzungen in einem Lazarett in Schwetzingen. Van Eeden rekonstruiert nicht nur die letzten Monate seines Lebens, sondern verfolgt auch dessen Herkunft.
Für seine Recherchen reiste der Künstler vom Elsass über Baden bis nach Tunesien und Algerien. Aus zeitgenössischen Fotografien und historischen Texten entstand ein vielschichtiger Werkzyklus, der historische Ereignisse mit aktuellen Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und gesellschaftlichen Machtstrukturen verbindet. Van Eeden arbeitet mit einem alten Objektiv und nutzt für seine Aufnahmen das historische Gummidruckverfahren. Die handwerklich bearbeiteten Abzüge verleihen den Bildern eine besondere Bildsprache, die sich zwischen Fotografie und Malerei bewegt.
Ein besonderer Bezug zur Stadt Freiburg ergibt sich durch den unrechtmäßig angeeigneten Leichnam des Verstorbenen Abel Kader Ben Lahcen, der sich heute im kolonialen Verantwortungsbestand der Universität Freiburg befindet. Die Ausstellung beginnt mit Fotografien einer Stele vor dem Anatomischen Institut der Universität Freiburg. Bis 2021 trug sie die Büste des Anatomen und Anthropologen Alexander Ecker (1816–1887). Er hatte die koloniale Wissenschaftssammlung begründet, in die auch der Verstorbene Ben Lahcen überführt wurde. Im Zuge der Black Lives Matter-Bewegung geriet das Denkmal in den Fokus öffentlicher Debatten über rassistische Wissenschaftsgeschichte. Die Universität Freiburg arbeitet ihren historischen Verantwortungsbestand aktuell auf – auch in Kooperation mit Herkunftsgesellschaften – und setzt sich für einen respektvollen Umgang ein.
Weitere Stationen des Werkzyklus führen nach Wœrth/Frœschwiller im Elsass, auf das ehemalige Schlachtfeld des Deutsch-Französischen Krieges, nach Schwetzingen sowie nach Tunis, Algier, Oran und Mostaganem.
Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten von Studierenden der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, an der van Eeden als Rektor und Professor für Malerei tätig ist. Sie setzen sich in eigenen Werken mit van Eedens Recherche und den behandelten Themen auseinander.
Die Ausstellung wurde von Isabel Herda vom Museum für Neue Kunst erarbeitet. Sie knüpft an aktuelle Forschungen zu kolonialen Wissenschaftssammlungen an und verbindet kunsthistorische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Perspektiven. Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unterstützte das Projekt fachlich. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Online-Shop und an der Museumskasse 20 Euro.
Das Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum, Salzstraße 32/34, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und freitags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Unter 27 Jahren, für Mitglieder des Freundeskreises Augustinermuseum und des Fördervereins Museum für Neue Kunst, mit Freiburg-Pass, Familien-Card und Museums-PASS-Musées ist er frei. Weitere Informationen gibt es unter www.museen.freiburg.de/museen/am/sonderausstellungen-am.