Ausgezeichnete Stadtplanung

Otto-Borst-Preis 2026

Freiburger Stadtbau und Stadt Freiburg erhalten Otto-Borst-Preis für die Knopfhäusle-Siedlung

Preis für herausragende Maßnahmen der Erhaltung, Sanierung, Umnutzung und des Weiterbauens

Würdigung für eine vorbildliche Sanierung: Die Knopfhäusle-Siedlung wurde diese Woche bei der internationalen Städtetagung vom „Forum Stadt - Netzwerk historischer Städte e.V.“ in Trier mit dem Otto-Borst-Preis 2026 in der Kategorie „Quartier“ ausgezeichnet. Das Netzwerk historischer Städte vergibt alle zwei Jahre den Preis für Stadterneuerung, der Leistungen in Erhaltung, Sanierung, Umnutzung und Weiterbau auszeichnet. In diesem Jahr erhalten ihn der Freiburger Stadtbau Verbund (FSB) und die Stadt Freiburg. Insgesamt waren 17 Beiträge in den Kategorien Freiraum, Quartier, Einzeldenkmal, Besonderer Ort, Stadtbaustein und Ensemble für den Otto-Borst-Preis nominiert.
 
„Da hat sich unsere Liebe zum Detail ausgezahlt“, so der Erste Bürgermeister Martin Haag nach Bekanntwerden der Auszeichnung. „Ich freue mich für alle, die mit so viel fachlicher Expertise, aber auch mit Kreativität, Pragmatismus und Begeisterung an der Sanierung mitgewirkt haben. Vor allem aber freue ich mich mit den Mieterinnen und Mietern über ihr ‚ausgezeichnetes‘ Zuhause“, so Erster Bürgermeister Martin Haag. 
 
Seit 2020 saniert die FSB die Knopfhäusle-Siedlung denkmalgerecht. So erfüllt die historische Arbeitersiedlung die heutigen Anforderungen und behält gleichzeitig ihren ursprünglichen Charakter. Auch der Wohnkomfort hat sich deutlich verbessert und ein Stück Freiburger Bau- und Sozialgeschichte ist erhalten geblieben.
 
„Die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung stellt den denkmalgeschützten Ensemblecharakter konsequent in den Mittelpunkt. So zeigt das Projekt, wie Denkmalschutz, Baukultur und sozialer Wohnungsbau dauerhaft vereinbar sind“ betont Magdalena Szablewska, technische Geschäftsführerin der FSB.
 
Matthias Müller, kaufmännischer Geschäftsführer der FSB ergänzt: „Ein Projekt dieser Größenordnung wäre ohne Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ von Bund, Land und Stadt nicht möglich. Die Städtebauförderung sowie KfW-Mittel schaffen die Grundlage dafür, dass wir historische Gebäude modernisieren und gleichzeitig faire Mieten sichern können“.
 
Vor der Sanierung haben Bauhistoriker*innen die Gebäude untersucht und ein zukunftsfähiges Erhaltungskonzept entwickelt. Auch die Mieter*innen haben sich beteiligt. Wichtig waren bei der Sanierung die Bedürfnisse der Bewohner*innen sowie der Denkmalschutz.
 
Die Knopfhäusle Siedlung war die erste badische Arbeitersiedlung, die zwischen 1869 und 1886 für die damals an der Kartäuserstraße ansässige Knopffabrik erbaut wurde. Zu den kleinen Reihenhäusern in der heutigen Oberwiehre gehörten Gärten sowie die Sonderbauten „Meisterhäuser“, „Mädchenwohnheim“, „Kleinkindbewahranstalt“ und ein Verwaltungsgebäude. Nachdem die Produktion in Freiburg aufgegeben wurde, veräußerte die Firma Risler das gesamte Areal an die Stadt Freiburg. Seit 2013 gehören die Gebäude der Freiburger Stadtimmobilien (FSI), die zum Freiburger Stadtbau Verbund gehört. Mehr Informationen zur Knopfhäusle-Siedlung gibt es unter www.freiburg.de/knopfhaeusle und https://www.wohneninfreiburg.de/bauensanieren/sanierungsprojekte/knopfhaeusle-siedlung.
 

Auszug aus dem Juryprotokoll

Sanierung der Knopfäusle-Siedlung, Freiburg 

P: Stadtplanungsamt Freiburg; Freiburger Stadtbau GmbH; Amt für Wohnraum; Entwicklung und Vermessung, Sutter³ GmbH & Co. KG, Freiburg  |  B: Freiburger Stadtimmobilien GmbH & Co. KG 

Kategorie: Quartier 

Die Knopfhäusle-Siedlung entstand im 19. Jahrhundert als Arbeiterwohnanlage mit kleinen Reihenhäusern und Gärten. Aufgrund ihrer städtebaulichen und sozialgeschichtlichen Bedeutung steht sie unter Denkmalschutz. 

Im Rahmen der Sanierung werden die Gebäude denkmalgerecht instandgesetzt, technisch modernisiert und energetisch verbessert. Dazu gehören unter anderem neue Heizsysteme, modernisierte Sanitäranlagen sowie teilweise angepasste Grundrisse. Gleichzeitig soll der Wohnraum weiterhin bezahlbar bleiben. Die Sanierung zeigt typische Zielkonflikte historischer Gebäude. Einerseits müssen denkmalpflegerische Vorgaben eingehalten werden, andererseits sind energetische Verbesserungen notwendig.

Da Fassaden und Bauformen weitgehend erhalten bleiben müssen, sind energetische Maßnahmen teilweise eingeschränkt. Trotz dieser Herausforderungen bietet die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung sehr positive Perspektiven. Aus gestalterischer Sicht trägt das Projekt dazu bei, ein bedeutendes historisches Wohnensemble zu bewahren und seine städtebauliche Identität langfristig zu sichern. Die behutsame Modernisierung ermöglicht es, den historischen Charakter der Siedlung sichtbar zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäße Wohnqualität zu schaffen. Auch sozial besitzt das Projekt eine wichtige Bedeutung: Durch die Sanierung bleibt ein Teil des historischen, kommunalen Wohnungsbestands erhalten und kann weiterhin als bezahlbarer Wohnraum genutzt werden. 

Insgesamt kann die Sanierung der Knopfhäusle-Siedlung als gelungenes Beispiel dafür betrachtet werden, wie sich die Themen Denkmalschutz, bezahlbarer Wohnraum und energetische Sanierung miteinander verbinden lassen. Das Projekt zeigt, dass historische Wohnanlagen durch eine behutsame Modernisierung und Eingriffe an die Anforderungen der heutigen Zeit angepasst werden können, ohne ihren städtebaulichen und sozialen Charakter zu verlieren.

Jurybewertung der eingereichten Arbeiten

2026 wird der Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung seit 2006 zum 11. Mal durch die Arbeitsgemeinschaft Forum Stadt – Netzwerk historischer Städte e.V. verliehen. Es werden damit alle zwei Jahre herausragende Maßnahmen ausgezeichnet, mit denen durch Erhaltung, Sanierung, Umnutzung und Weiterbau die Entwicklung von lebendigen historischen Städten gefördert wird.  
 
Hierbei sind keine Grenzen gesetzt hinsichtlich der Maßstäblichkeit oder der Kategorie von Projekten: Von einer regionalplanerischen Koordination, über Maßnahmen auf der Ebene von Stadtentwicklungskonzepten mit eher qualifizierenden prozessualen Vorgehensweisen, über Stadtquartiere und Freiraumsysteme, bis zu Stadtbausteinen sowie prägnanten Einzelobjekten und Freianlagen ist der Preis für Beiträge offen – realisiert oder noch als verbindliches Projekt. 
 
In seiner Wirkung zielt der OBP auf die Umsetzung von herausragenden Beispielen des kommunalpolitisch und zivilgesellschaftlich verantworteten Weiterbauens von Ensembles im Bestand, womit aber – wie gesagt – nur ein Fokus und nicht ein Umgriff möglicher Projekte definiert ist. Der Preis erinnert an den Gründer der Arbeitsgemeinschaft Die alte Stadt e.V. (seit September 2010 Forum Stadt - Netzwerk historischer Städte e.V.), den Stuttgarter Landeshistoriker Prof. Dr. Otto Borst. Die eingereichten Arbeiten stellen regelmäßig einen repräsentativen Querschnitt von unterschiedlichen Maßnahmen der Stadtsanierung, Stadterneuerung und des Weiterbauens im Bestand im weitesten Sinn dar. In ihnen zeigt sich die ganze Bandbreite der typischen aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung in und mit 
dem Bestand. 
 
Der Jury gehören ehrenamtliche, qualifizierte Fachleute an, die vom Vorstand Forum Stadt e.V. unbefristet aus dem Kreis der Mitgliedsstädte berufen wurden: 
 
- Helmuth Caesar, Leiter Gebäudewirtschaft, Stadt Schwäbisch Gmünd 
- Christian Kuhlmann, Baubürgermeister a.D., Biberach 
- Julius Mihm, Baubürgermeister a.D., Schwäbisch Gmünd (Vorsitz) 
- Christian Plöhn, Leiter Stadtplanungsamt, Stadt Heidelberg 
- Susanne Schreiber, Baubürgermeisterin, Stadt Herrenberg 
- Hans-Georg Sigel, Baubürgermeister, Stadt Esslingen 
- Iris Wiemann-Enkler, Amtsleiterin Stadt- und Verkehrsplanung, Stadt Trier 
 
2026 hatte die Jury die Aufgabe, Preise und Anerkennungen unter 39 eingereichten Arbeiten aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich und Italien zuzusprechen. Dazu gab es nach gründlicher Vorinformation, Recherche und Vorberichten der Mitglieder, und, wenn möglich, vorheriger Inaugenscheinnahme der Projekte vor Ort, eine Jurysitzung am 27. Februar 2026 auf Einladung der Stadt Esslingen am Neckar im Technischen Rathaus der Stadt Esslingen am Neckar. 
 
Alle eingereichten Maßnahmen wiesen eine sehr hohe Qualität auf, keine Arbeit musste aus formalen Gründen ausgeschieden werden.  
 
Die Arbeiten betrafen Bauaufgaben vieler Art folgender Baugattungen:  
 
- Verwaltungen 
- Theater und Kulturzentren 
- Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe 
- Schulen und Bildungszentren 
- Gemeinde- und Quartierszentren 
- Sport- und Freizeiteinrichtungen 
- Museen 
- Freianlagen und Parks 
- Mobilitätsinfrastruktur 
 
sowie Mischformen daraus. 
 
Aktuell für die Stadtentwicklung relevante Strukturtypen waren vertreten: Die Projekte traten überwiegend in Erscheinung in Form von Umbau und Neubau, erhaltender Konversionen, als weiterbauende Transformation. Bestand wird in seiner Gestalt und Atmosphäre weiterverwendet und qualifiziert. Neue, ergänzende Elemente verändern behutsam den baulichen Kontext aus der vorgegebenen Syntax heraus. Mit innovativen Programmen entstehen ortstypische, organische Quartiersentwicklungen. 
 
Um den unterschiedlichen Baugattungen, Strukturtypen und Wirkprinzipien der Projekte, aber auch ihrer unterschiedlichen Maßstäblichkeit im Sinn der Auslobung gerecht zu werden, hat die Jury – wie auch bei den vorangegangenen Prämierungen – Kategorien gebildet. Im Spektrum der eingereichten Projekte sollen dabei folgende Merkmale herausgearbeitet werden: Maßnahmen mit einer über ihren Ort deutlich hinausgreifenden Wirkung und Bedeutung, epochale strukturelle Veränderungen sowie die verschieden mögliche individuelle Charakteristik und Motivation von Einzelobjekten. Die Jury würdigt sehr, dass alle vorgelegten Arbeiten von einem hohen 
Verantwortungsbewusstsein der einreichenden Planer und Bauherren gegenüber den baukulturellen Zielen und Maßstäben des OBP sprechen, insofern alle Arbeiten als Vorbilder gelten können. Ausschlaggebend für eine Prämierung war dann auch die jeweilige kommunalpolitische Relevanz als Paradigma für vergleichbare Orts- und Städtekontexte. Aufgrund der großen Bandbreite und hohen Qualität der Arbeiten hat deshalb die Entscheidung der Jury auch dieses Mal breite Anerkennung geleitet. 
 
Um den vielen wichtigen, miteinander konkurrierenden Aspekten gerecht zu werden, hat die Jury wiederum die auch bisher etablierten fünf Kategorien gebildet: 
 
a) Stadtbaustein 
b) Ensemble  
c) Freiraum 
d) Quartier  
e) Besonderer Ort  
f) Einzeldenkmal 
 
Nach einem Informationsrundgang und zwei wertenden Rundgängen wurden alle Arbeiten der engeren Wahl mit Anerkennungen und Preisen ausgezeichnet. Es wurden insgesamt neun Preise vergeben und acht Anerkennungen

Städtebaupreis und Staatspreis Baukultur

Modernisiertes Passivhochhaus
Das Projekt Weingarten West mit seinen Passiv-Hochhäusern wurde gleich zwei Mal ausgezeichnet. (Bild: Seeger/Stadt Freiburg)

Gleich zwei Mal wurde das Projekt Weingarten West 2023 und 2024 ausgezeichnet. Es gewann den Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2024 und holte beim Deutschen Städtebaupreis 2023 den zweiten Platz. Bei beiden Auszeichnungen war jeweils auch ein anderes Freiburger Projekt unter den ausgezeichneten Vorhaben: beim Städtebaupreis das Klimaanpassungskonzept Hitze der Stadt und beim Staatspreis das Stadtbau-Projekt Quartier Belchenstraße.

Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2024

Menschen mit Auszeichnung
Jurymitglied Christa Reicher (links) übergab zusammen mit Landesentwicklungsminisertin Nicole Razavi den Preis an Mario Seibold (2.v.l.) und Gabi Lebherz (Mitte) und Roland Jerusalem (rechts) vom Stadtplanungsamt. (Foto: Martin Stollberg)

Gleich zwei Projekte wurden beim renommierten Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2024 geehrt: Das Projekt Weingarten West wurde mit dem Staatspreis und das Quartier Belchenstraße mit einer Auszeichnung für ihre innovativen und beispielhaften Lösungen für planerische und bauliche Herausforderungen gewürdigt.

Der Staatspreis Baukultur wird alle vier Jahre verliehen und würdigt herausragende Bauwerke und städtebauliche Projekte, die sich durch eine hohe gestalterische Qualität, eine nachhaltige Bauweise und eine gelungene Integration in das Umfeld auszeichnen. Es sind besonders innovative und übertragbare Lösungen für die Weiterentwicklung von Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg.

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27 von 235 Projekten nominiert

Insgesamt wurden 235 Projekte eingereicht, davon 27 für den Staatspreis nominiert. Die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Nicole Razavi, betonte die Bedeutung des Um- und Weiterbaus für die Entwicklung lebendiger Städte und Gemeinden in Zeiten des großen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum. Die nominierten Projekte setzen wichtige baukulturelle Impulse und tragen dazu bei, eine neue Umbaukultur im Land zu fördern. Mit dem Staatspreis Baukultur sollen diese Impulse verstärkt und in die Breite getragen werden.

Stolz auf konstruktive Zusammenarbeit

Die Stadt Freiburg ist stolz darauf, mit gleich zwei Projekten zu den Preisträgern zu zählen und bedankt sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement und ihre kreativen Ideen.

Die beiden ausgezeichneten Projekte zeigen, dass es möglich ist Quartiere im Sinne der sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit zu erneuern. Dies ist jedoch kein Selbstläufer, sondern Ergebnis einer konstruktiven Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure aus der Bürgerschaft, der Wohnungswirtschaft und Stadtverwaltung. Hier wurden finanzielle und personelle Ressourcen zielgerichtet gebündelt mit dem Ziel eine hohe Qualität und damit ein gutes Miteinander in den Quartieren zu erreichen.

Baubürgermeister Martin Haag

Weingarten mit Vorbildfunktion

Das Projekt Weingarten beeindruckte die Jury durch die hochwertige Sanierung der Gebäude aus den 1960er Jahren in Verbindung mit sensibel eingefügten Neubauten. Über den Rahmenplan Weingarten West wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, welches besonders die Aspekte bezahlbarer Wohnraum, Aufwertung der Freiflächen sowie Ergänzung der sozialen Infrastruktur und Sicherung der Nahversorgung beinhaltetet und konsequent Baustein für Baustein in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde. Die nachhaltige Gestaltung und die Einbindung des öffentlichen und privaten Freiraums wurden von der Jury als besonders vorbildlich bewertet. Aus der Jury: „Das Projekt steht Pate für einen Next-Level Umgang mit Großwohnsiedlungen und den vielerorts anstehenden Bauaufgaben im Kontext des Erbes der Moderne.“

Auch Freiburger Stadtbau wird ausgezeichnet

Die Belchenstraße - ein Projekt der Freiburger Stadtbau - überzeugte die Jury durch ihre gelungene Integration von moderner Architektur in einer gewachsenen Umgebung. Die bestehenden 72 Wohnungen wurden saniert und aufgestockt. Dadurch konnten 24 zusätzliche Wohnungen ohne Flächenversieglung geschaffen werden. Das Ensemble wurde durch fünf Punkthäuser mit insgesamt 113 Wohnungen ergänzt. Das Projekt besticht durch seine nachhaltige Bauweise in städtebaulich und gestalterisch hoher Qualität am Eingang zur ebenfalls neu gestalteten Brandelanlage. Überzeugt hat auch der Mix an Trägerschaften. Heute gibt es im Quartier 142 geförderte Mietwohnungen, 24 freifinanzierte Mietwohnungen sowie 42 Eigentumswohnungen.

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Städtebaupreis 2023

Gruppenbild mit zweiFrauen und drei Männern.
Preisverleihung Deutscher Städtebaupreis Sonderpreis 2023 der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) (Foto v.l. Stadtplanungsamt Stadt Freiburg: Roland Jerusalem, Amtsleitung; Hanna Denecke, Leiterin Abteilung Stadtentwicklung; Susanne Knospe, Projektleiterin Klimaanpassungskonzepte. Prof. Dr. Martin Berchtold, Büroinhaber berchtoldkrass space&options Karlsruhe; Prof. Dr. Martin Haag, Baubürgermeister Stadt Freiburg. Foto: Stadt Freiburg)
Bürgermeister Haag, Stadtplanerin Lebherz und Stadtplanungsamtsleiter Jerusalem mit der Urkunde
Freuen sich über die Auszeichnung: Baubürgermeister Martin Haag, Stadtplanerin Gabi Lebherz und der Leiter des Stadtplanungsamts Roland Jerusalem

Gleich zwei Mal ist Freiburg beim Deutschen Städtebaupreis 2023 ausgezeichnet worden: für den Beitrag "Lebenswertes Weingarten – Wohnen für alle" in der Kategorie "Städtebaupreis" und für das Klimaanpassungskonzept Hitze in der Kategorie Sonderpreis "Klimaanpassung gestalten".

Der Preis zeichnet städtebauliche Projekte aus, die einen nachhaltigen und innovativen Beitrag zur Stadtbaukultur leisten. „Mit der Doppelnominierung und der doppelten Auszeichnung zeigt sich, dass in Freiburg die Weichen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Stadtentwicklung richtig gestellt wurden“, freute sich Baubürgermeister Martin Haag über die Preise, die Ende Mai in der Akademie der Künste in Berlin verliehen wurden.

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Sieger der Herzen

Freiburg erreichte beide Male den zweiten Platz, hatte laut Jury den ersten Platz aber nur knapp verpasst und wurde als „Sieger der Herzen“ betitelt. Der von der Wüstenrot Stiftung geförderte Preis wird alle zwei Jahre durch die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung verliehen. Da bei stehen zeitgemäße Lebensformen, die Gestaltung des öffentlichen Raums, ein sparsamer Verbrauch von Ressourcen und Verpflichtungen gegenüber der Orts- und Stadtbildpflege im Mittelpunkt. Der parallel zum Städtebaupreis vergebene Sonderpreis würdigt dringliche Handlungsfelder im Städtebau und in der Stadtplanung.

Freiburg hatte sich mit dem Wettbewerbsbeitrag „Lebenswertes Weingarten – Wohnen für alle“ für die Kategorie „Städtebaupreis“ und mit dem Klimaanpassungskonzept Hitze in der Kategorie Sonderpreis „Klimaanpassung gestalten“ beworben und wurde von der Jury in beiden Kategorien nominiert und ausgezeichnet. Der Städtebaupreis ging an München für das Werksviertel, Freiburg erreichte mit Weingarten den mit 1000 Euro dotierten zweiten Platz. Die Auszeichnung stellt eine große Wertschätzung für die städtebauliche Aufwertungsstrategie sowie das hohe Engagement in und für den Stadtteil Weingarten dar.

Unter dem Titel „Wohnen für alle – nachhaltiger und zukunftsweisender Umgang mit einer Großwohnsiedlung“ präsentierte das Stadtplanungsamt einen zukunftsfähigen Stadtteil. „Heute ist Weingarten ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort“, betonte Bürgermeister Haag. Hier sei gezeigt worden, „was mit Städtebauförderung, aktiver Bürgerbeteiligung, einem Gemeinschaftsbeitrag von Stadtverwaltung und freien Akteuren sowie guter Baukultur möglich ist“.

Ökologie plus Wohnqualität

Baumaßnahmen im Stadtteil folgten dabei immer dem Grundsatz eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden. So wurden etwa neue Gebäude auf untergenutzten Flächen und fünf- bis acht geschossige Häuser errichtet. Die bestehenden Hochhäuser wurden außerdem konsequent zu Passivhäusern modernisiert.

Auch Schulen und Kinder gärten wurden modernisiert, erneuert oder neu gebaut. Freiräume wurden als Plätze und Wegeverbindungen genutzt, Einkaufsmöglichkeiten gesichert – wie etwa am kürzlich fertiggestellten Holzbau am Else-Liefmann-Platz zu sehen ist. Dank Fördermitteln bleiben die Kosten der Mietenden auch nach der Modernisierung bezahlbar. Damit ist es der Stadt in Weingarten gelungen, die großen sozial-ökologischen Herausforderungen zu meistern und gleichzeitig eine gute Wohn- und Aufenthaltsqualität zur erreichen.

Anpassen an die Hitze

In der Kategorie Sonderbaupreis gewann das Klimaanpassungskonzept Hitze (KLAK Hitze) den zweiten, ebenfalls mit 1000 Euro dotierten Platz. Ein wichtiges Auswahlkriterium war der Innovationscharakter. So dient das vom Stadtplanungsamt erarbeitete Konzept für den Umgang mit zunehmender Hitzebelastung bei allen städtischen Vorhaben als Grundlage, aktuell etwa beim Bebauungsplan Wiehre Nord, und trägt damit zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. „Wenn wir über eine resiliente Entwicklung unserer Städte nachdenken, wird die Klimaanpassung eine Schlüsselrolle einnehmen“, so Haag. Die notwendige Anpassung an die Folgen des Klimawandels spiegele sich in allen Belangen der Stadt wider und werde das Aussehen der Städte maßgeblich verändern.

Ein Plan für die ganze Stadt

„Das KLAK Hitze zeigt auf, wo sich Hitze staut und wo sie auf besonders sensible städtische Bereiche trifft“, brachte es Roland Jerusalem, Leiter des Stadtplanungsamts, auf den Punkt. „Das sind Orte, an denen sehr viele Menschen auf einandertreffen und in denen es zu wenig Grünflächen gibt.“ Das Konzept stelle Maßnahmen vor, mit denen die Stadt und Grünstruktur an den Klimawandel angepasst werden könnten. Kernstück sei ein gesamtstädtischer Plan, welcher Hinweise zur Anpassung der städtebaulichen und freiräumlichen Strukturen gibt. Beide Projekte zeichnen sich durch einen besonders beispielhaften, zukunftsweisenden und experimentellen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel aus und haben deutschlandweit Vorbildcharakter.

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