Pressemitteilung vom 13. Juli 2026

Reinhold-Schneider-Preis 2026

  • Die Tänzerin und Choreografin Emi Miyoshi wird mit dem Kulturpreis der Stadt Freiburg ausgezeichnet
  • Die Stipendien erhalten das feministische Künstler*innenkollektiv Storytelling Engines und der Regisseur und Produktionsleiter Sascha Flocken
  • Mit dem Ehrenpreis würdigt die Jury das Lebenswerk des Operndirektors, Regisseurs und Schauspielers Gerd Heinz

Die elfköpfige Kulturpreis-Jury, bestehend aus Gemeinderät*innen und externen Expert*innen, hat unter dem Vorsitz von Kulturbürgermeister Roland Meder die Preisträger*innen des Reinhold-Schneider-Preises 2026 in der Sparte Darstellende Kunst bekannt gegeben.

Die in Japan geborene und in Freiburg lebende Tänzerin und Choreografin Emi Miyoshi erhält den mit 15.000 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt Freiburg. Miyoshi war ab 2005 Mitglied der legendären Pretty Ugly Dance Company unter der Leitung von Amanda Miller. Im Jahr 2013 gründete sie das Shibui Kollektiv und produziert seitdem an der Schnittstelle zwischen Tanz, Musik und Bildender Kunst. Dabei verhandelt sie grundlegende Fragen wie Identität, Zugehörigkeit und Vergänglichkeit. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch enorme Präzision und konzeptionellen Reichtum aus und sind neben Freiburg auch in der Schweiz, in Taiwan und in Japan zu sehen. Miyoshi ist eine wichtige Vermittlerin des Tanzes: Sie leitet Workshops am Theater Freiburg oder im Kunstverein und an der Pädagogischen Hochschule mit professionellen Künstler*innen, mit an Parkinson erkrankten Menschen und mit Kindern. Darüber hinaus engagiert sie sich für die Freiburger Tanzszene, beispielsweise als Beirätin bei Tanznetz Freiburg.

Das mit 6.000 Euro dotierte Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis wird zu gleichen Teilen von je 3.000 Euro vergeben. Das Performancekollektiv Storytelling Engines mit den drei Schauspieler*innen Isabella Bartdorff, Tjadke Biallowons und Lucy Wirth besticht seit seiner ersten Produktion durch intensiv-bedingungslose, humorvolle Auftritte, in denen Sparten- und Zuschreibungsgrenzen durchlässig werden. Seit 2021 verarbeitet das feministische Kollektiv in gemeinsamer Autor*innenschaft verschiedene Themen zu politischen Theaterabenden. Das Kollektiv zieht immer wieder ein großes, diverses Publikum an. Neben Gastspielen an Freiburger Institutionen traten sie beispielsweise in den Münchner Kammerspielen und beim Comicfestival München auf.

Ebenfalls ein Stipendium geht an den seit 2009 in Freiburg lebenden Regisseur und Produktionsleiter Sascha Flocken. Seine Arbeiten greifen gesellschaftliche und politische Themen auf. Sie wurden zu renommierten Festivals eingeladen und zeichnen sich durch ihre Vielschichtigkeit, Musikalität und Liebe zum Detail aus. Flocken changiert scheinbar mühelos: Er bringt Kinder- und Jugendstoffe ebenso auf die Bühne wie Produktionen für ein erwachsenes Publikum. Er entwickelt Stücktexte selbst, bearbeitet Romanvorlagen oder klassische Dramen. Neben eigenen Regiearbeiten ist Flocken zudem als Produktionsleiter für das internationale Festival der Darstellenden Künste „Performing Democracy“ tätig und leistet auch hier wichtige Arbeit, um relevante Themen künstlerisch-ästhetisch erfahrbar zu machen.

Mit dem (undotierten) Ehrenpreis würdigt die Jury den renommierten Schauspieler und Regisseur Gerd Heinz. Er hat die Kulturstadt Freiburg in vielerlei Hinsicht geprägt und bereichert. Der 1940 in Aachen geborene Heinz arbeitete zunächst als Schauspieler und parallel als Regisseur an verschiedenen Theatern. Seine Schaffenszeit in Freiburg begann 1993 am Theater Freiburg als leitender Regisseur des Musiktheaters und Mitglied der Operndirektion. 1997 übernahm Heinz die Leitung des Opernstudios an der Hochschule für Musik und baute das Institut für Musiktheater bis 2008 zu einem profilierten Ausbildungsort auf. Er setzte sich für die kulturpolitischen Entwicklungen und den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft der Stadt Freiburg ein – insbesondere in den 2000er-Jahre, als massive Sparmaßnahmen im Kulturbereich im Raum standen. Zudem war er lange Mitglied im Theaterausschuss. Karriere gemacht haben auch viele, die von Gerd Heinz ausgebildet wurden und mit ihm zusammengearbeitet haben, wie die Sänger*innen Julian Prégardien oder Maria Bengtsson, der Schauspieler Christoph Waltz oder die Filmregisseurin und Drehbuchautorin Caroline Link. Gerd Heinz war bekannt und beliebt für seine empathische, akribische und leidenschaftliche Art der Regiearbeit, die er durch seinen unerschöpflichen Wissens- und Erzählschatz bereicherte. Seine Inszenierungen fanden bundesweit große Beachtung.

Den Reinhold Schneider-Preis der Stadt Freiburg gibt es seit 1960; bis 2018 wurde abwechselnd in den Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik vergeben. Ab 2020 wurde die Preisvergabe um die beiden Bereiche Darstellende Kunst und Film/ Fotografie/ Neue Medien erweitert Der städtische Kulturpreis wird seit 2024 jährlich in einer der fünf Sparten verliehen. Turnusgemäß wird der Kulturpreis 2026 nun zum zweiten Mal in der Sparte Darstellende Kunst ausgelobt.

Oberbürgermeister Martin Horn übergibt die Preise im Rahmen eines Festakts am Freitag, 20. November, um 19.30 Uhr im Historischen Kaufhaus.

Weitere Informationen zum Reinhold-Schneider-Preis gibt es unter www.freiburg.de/reinhold-schneider-preis.

Veröffentlicht am 13. Juli 2026