Briefesammlung von Erich Wickersheim

Es misst zirka 60 mal 30 Zentimeter, ist 20 Zentimeter dick und randgefüllt mit Liebespost: das Postkartenbuch von Sammler Erich Wickersheim. Es enthält Hunderte von kunstvoll gestalteten, historischen Karten eines Textilzeichners an seine Frau, die er von 1888 bis 1904 auf den Weg schickte.

Wickersheim sammelt seit über fünfzig Jahren alles, was mit Papier zu tun hat – ein Badisches Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert beispielsweise gehört zu seinen Schätzen. Doch Postkarten, Briefe und Briefmarken bilden den Schwerpunkt seiner Sammlung. Sozialphilatelie nennt der Ruheständler aus Ebnet sein Sammelgebiet: Er versucht stets, die gesammelten Stücke in den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen.

Etliche Briefe, säuberlich in große Ordner geheftet, hat Erich Wickersheim in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen. Schlägt er einen dieser Ordner auf, so fällt ihm zu beinahe jedem Sammelstück eine Geschichte ein. Eine Karte beispielsweise wurde vormittags von einem Mann an seine Frau gesandt, um ihr mitzuteilen, dass er zum Mittagessen zuhause sein würde – „In dieser Zeit wurde die Post fünf- bis siebenmal täglich zugestellt“, erklärt Wickersheim. So lassen sich aus den Briefen sehr häufig auch historische Hintergründe rekonstruieren. Besonders wichtig sind hierfür die Poststempel: Anhand derer können Rückschlüsse auf die Postgeschichte gezogen werden. Etwa, wann ein bestimmter Brief unter welchen Umständen aufgegeben wurde. Die Postzensur aus den Weltkriegen zum Beispiel ist dokumentiert: „Geprüft Überwachungsstelle Konstanz“ besagt ein Stempel auf einer Karte aus dem Ersten Weltkrieg. Eine spezielle Ansichtskarten und Stempel - Sammlung ist den Freiburger Lazaretten beider Weltkriege gewidmet.

Erich Wickersheim wählt die Briefe, die er sammelt, mehr nach ästhetischen, als nach thematischen Kriterien aus. Gefällt ihm eine Karte oder die Gestaltung eines Briefes, so nimmt er ihn in seine Sammlung auf. Seine Objekte ersteht der Ruheständler vor allem auf Flohmärkten und bei Auktionen wie auch im Internet. „Als Rentner hat man Zeit zu sammeln“, so Wickersheim. „Leider landen heute sehr viele Kostbarkeiten im Altpapier“, erklärt er. „Früher hob man Briefe viel länger auf. Ich habe schon das ein oder andere vor der Tonne gerettet.“

Besonders versiert ist Erich Wickersheim beim Sammeln und Sortieren von Briefmarken. Wie viele Andere seiner Generation hat er damit schon in der Kindheit begonnen. In zahlreichen Ordnern dokumentiert er systematisch alle Besonderheiten des Briefmarkendrucks: verschiedene Farbabstufungen, Druckfehler, Unregelmäßigkeiten in der Breite. Wie lernt man, solche Besonderheiten festzustellen? „Jahrelange Erfahrung“, antwortet Wickersheim, in dessen Bibliothek diverse Briefmarkensammler-Handbücher zu finden sind. Dass seine Sammlung nie vollständig sein kann, findet der Ebneter, der sich auch der Geschichte seines Stadtteils umfassend widmete, nicht schlimm: „Das ist doch gerade das Schöne am Sammeln!“.

Gespräch: Erich Wickersheim mit Sonja Thiel Text: Lisa Blitz Fotos: Lisa Blitz


Ein altes Album mit farbigen Bildern oder Postkarten von Freiburg.
Foto: Lisa Blitz
Ein altes Album mit farbigen Bildern oder Postkarten von Freiburg.
Foto: Lisa Blitz

Ein Bücherregal mit alten Büchern, eng nebeneinander.
Foto: Lisa Blitz

Das Cover eines alten Postkartenalbums aus der Region.
Foto: Lisa Blitz

Veröffentlicht am 19.01.2018
 
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