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Propolis – Wunderwaffe der Natur?

Foto: Wikipedia.de, wikimedia commons, User: Abalg

Juckt es in der Nase? Kratzt es im Hals? Die Tage werden wieder kälter und die Zeit der Erkältungen naht. Um das Immunsystem zu stärken, greifen viele Naturheilkunde-Fans zu Propolis. Doch was ist das eigentlich? Die Bezeichnung Propolis stammt aus dem Griechischen, bedeutet frei übersetzt „vor der Stadt“ und steht im Sinne einer Abwehr zur Verteidigung der Stadt. Was das mit unseren fliegenden Lieblingsinsekten zu tun hat, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Illustration: Joana Kelén, in: Tod einer Königin, Franckh-Kosmos-Verlag (2016), S. 27.

Nicht ansehnlich, aber wirksam

Es ist gelblich bis dunkelbraun, klebrig, duftet markant und schmeckt bitter: Die Masse ist weder ansehnlich noch ein Gaumenschmaus. Propolis, auch Kittharz genannt, ist ein Gemisch aus Wachs, Pollen, ätherischen Ölen und Harz. Es wird von den Honigbienen produziert, die das Harz verschiedener Pflanzen sammeln, verarbeiten und mit anderen Bestandteilen vermischen. So entsteht eine Mixtur, die mehr als 300 verschiedene Komponenten in sich vereint und dadurch ein wirksamer Allrounder ist – zumindest im Inneren des Bienenstocks.

Da die kleinen Fluginsekten in ihrem zu Hause auf engem Raum bei etwa 35°C und hoher Luftfeuchtigkeit zusammenleben, herrschen dort ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Propolis wird deshalb von den Bienen als Allround-Schutz eingesetzt: zum Auskleiden und Abdichten von kleinen Öffnungen im Bienenstock, zum Desinfizieren der Zellen und zum Mumifizieren toter Eindringlinge. Schleichen sich zum Beispiel kleinere Tiere wie Mäuse in den Bau ein, werden sie getötet und dann mit Propolis bedeckt. Der Verfall schreitet daraufhin sehr langsam und nur im Inneren dieser Hülle voran. Mit der Wunderwaffe Propolis verteidigen die Bienen also ihr Zuhause gegen unwillkommene Gäste.

Die klebrige Mixtur dient unseren fliegenden Arbeiterinnen gleichzeitig dazu, in den Stock eingeschleppte oder vorhandene Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen in ihrer Entwicklung zu hemmen oder abzutöten. Kurz vor der Eiablage überziehen die Bienen ihre Wabenzellen hauchdünn mit Propolis und machen sie damit keimfrei. Unsere summenden Arbeiterinnen gelten als nahezu einzige Insektenart, auf deren Körper sich keine Parasiten finden lassen und in deren Bau es trotz des Lebens auf engstem Raum kaum zu Krankheiten und Infektionen kommt.

Was gut für die Bienen ist, könnte doch auch dem Menschen nützen?

Ob als Lutschtabletten, Spray, Tinktur oder Granulat: Wer auf Wochenmärkten, in Apotheken oder in Drogerien die Augen offen hält, entdeckt Propolis-Produkte in verschiedensten Ausführungen. Tatsächlich hat die Substanz im Bienenstock eine nachgewiesene bakterien-, viren und pilzhemmende Wirkung. Doch hat der Allround-Schutz für die Bienen tatsächlich auch einen Nutzen für den Menschen?

Die Wissenschaft geht diesem Phänomen derzeit auf den Grund und Propolis wird im Rahmen verschiedener Studien auf seine Wirksamkeit geprüft. Einige Untersuchungen fanden ausschließlich im Labor oder an Tieren statt, sodass die Ergebnisse nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind und eine Wirkung bisher nicht bewiesen ist. Im Beitrag „Propolis für ein stärkeres Immunsystem?“ fasst die Verbraucherzentrale die wichtigsten Ergebnisse, insbesondere im Hinblick auf die Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel, zusammen.

Eine Wunderwaffe der Natur ist Propolis allemal, zumindest für unsere fliegenden Lieblingsinsekten. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es jedoch keine Beweise für die gleiche Wirkung auf den menschlichen Organismus.

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Veröffentlicht am 19.10.2018
 
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