Freiburger Radverkehrskonzept 2020

Radverkehr an der Dreisam in Höhe der Ochsenbrücke

Eine Steigerung des Radverkehrsanteils auf über 30 Prozent und gleichzeitig eine deutliche Senkung der Fahrradunfälle – das sind die Ziele des "Radverkehrskonzepts Freiburg 2020", das der Gemeinderat im April 2013 beschlossen hat. Rund 3 Millionen Euro stehen in den Jahren 2013/2014 für den Ausbau der Radinfrastruktur zur Verfügung (Drucksache G-12/136).

Insgesamt listet das Radverkehrskonzept, das vom Garten- und Tiefbauamt unter Mitwirkung der Gemeinderatsfraktionen, der Fahrradverbände und der Polizei erarbeitet wurde, rund 150 Vorhaben auf. Dazu zählen beispielsweise kleinere Sanierungen und Umbauten, Vorfahrtsregelungen oder die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen, die das Nebenstraßennetz noch fahrradfreundlicher machen sollen.

Im Mittelpunkt des Radkonzepts steht der (Aus-)Bau neuer Rad-Vorrang-Routen nach dem Vorbild der niederländischen Radschnellwege. Oberstes Ziel ist es, den wichtigsten Radverkehrsströmen schnell und sicher befahrbare Verbindungen zu ermöglichen.



Zusammenfassung

1. Bestand und Herausforderungen

Freiburg versteht sich als Fahrradstadt. Eine fahrradbegeisterte Bevölkerung, günstige Randbedingungen und ein dichtes Radverkehrsnetz ermöglichen es, dass über ein Viertel (27%) der Wege innerhalb der Stadt mit dem Rad zurückgelegt werden, deutlich mehr als mit dem ÖPNV oder zu Fuß. Damit leistet das Fahrrad einen unverzichtbaren Beitrag zur Entlastung der Stadt von Stau, Lärm, Abgasen und zugeparkten Straßen und somit zur Gesundheit und Lebensqualität der Freiburger Bevölkerung.

Im Vergleich mit dem Ausbau des Radverkehrsnetzes in den 80er Jahren, zu anderen „Fahrradstädten“ oder zu den anderen Verkehrsmitteln waren die Investitionen in den Radverkehr aber längere Zeit eher moderat. Die früh angelegte Infrastruktur entspricht so zum Teil nicht mehr aktuellen Standards und weist Lücken im Netz auf.

Freiburg hat im Land Baden-Württemberg die meisten Verletzten im Straßenverkehr. Eine Rolle spielt dabei auch der hohe Radverkehrsanteil, da Radfahrer zwar nicht besonders oft an Unfällen beteiligt, im Falle eines Unfalles aber besonders gefährdet sind. Diese hohe Zahl der Verletzten ist unbedingt zu verringern.

Eine weitere Herausforderung ist der weltweite Klimawandel, an dem der Verkehr einen erheblichen Anteil hat und zu dessen Verlangsamung das emissionsfreie Fahrrad einen deutlichen Beitrag leisten kann. Herausforderung und Chance zugleich ist der stark wachsende Anteil elektrisch unterstützter Fahrräder. Damit können die großen Potenziale des Fahrrades auch über größere Wegelängen stärker genutzt werden, die Infrastruktur muss aber auch den höheren Geschwindigkeiten gerecht werden. Nicht zuletzt macht die zunehmende Verteuerung der motorisierten Mobilität eine Förderung des Radverkehrs auch aus sozialen Aspekten immer wichtiger.


2. Ziele des Radkonzeptes

Mit dem Radkonzept 2020 setzt sich die Stadt Freiburg zwei konkrete Ziele:

  • Den Anteil des Radverkehrs innerhalb der Stadt auf über 30% steigern
    und gleichzeitig
  • die Anzahl der Radverkehrsunfälle deutlich senken.

Diese beiden ehrgeizigen Ziele können nur mit großen Anstrengungen und einer ent-sprechenden finanziellen und personellen Ausstattung erreicht werden. Neben einem qualitativen Ausbau für höhere Attraktivität und mehr Sicherheit wird auch eine Ausweitung des Netzes durch den Bau neuer und den Ausbau der bestehenden Strecken nötig. So kann erreicht werden, dass der Verkehrszuwachs durch die wachsende und immer mobilere Bevölkerung zu großen Teilen durch das Fahrrad aufgefangen wird und der Kfz-Verkehr auf den Straßen möglichst sogar verringert wird.


3. Rad-Vorrang-Netz

Eine neue Qualität gegenüber der bisherigen Radverkehrsförderung ist das geplante Rad-Vorrang-Netz. Auf den 13 Routen dieses durchgängig miteinander verbundenen Netzes soll der Radverkehr besonders zügig, komfortabel und sicher geführt werden.

Merkmale der Vorrang-Routen sind eine besonders gute Qualität und wenig Verzögerungen durch einen möglichst durchgängigen „Vorrang“ gegenüber querenden Verkehren. Dies soll bei separat geführten Radwegen (z.B. Dreisamuferradweg) durch kreuzungsfreie Führung erreicht werden, bei Radwegen oder Radstreifen an Hauptverkehrsstraßen (z.B. Eschholzstraße) durch auf den Radverkehr abgestimmte Ampelschaltungen und bei Fahrradrouten in Nebenstraßen durch Fahrradstraßen mit Vorfahrt (z.B. Hindenburgstraße). Die Vorrangrouten sollen ein angenehmes Radfahren auch über längere Distanzen ermöglichen. Sie sollen auch den zunehmenden Pedelecs gerecht werden und die Pendler-Potenziale im Stadt-Umland-Verkehr mobilisieren.

In einem ersten Block sollen in den nächsten Jahren drei Pilotrouten des Rad-Vorrang-Netzes ausgebaut werden: Dreisamuferradweg, Güterbahnradweg und Zähringen - Stühlinger - Vauban (siehe 5. Kosten und Umsetzung)


4. Routen und Maßnahmen

Das Maßnahmenprogramm mit der Systematik der Routen, den Führungsformen, den Bewertungskriterien etc. wird in Teil B des Erläuterungsberichts (s.u.) erläutert. Die Routen und Maßnahmen selbst werden im Routen- und Maßnahmenplan sowie der Maßnahmenliste (s.u., Anhang 1 und 2) dargestellt. Die Maßnahmenliste umfasst rund 150 zum Teil umfangreiche Vorhaben, sie werden in den Maßnahmenbeschreibungen (s.u., Anhang 3) einzeln beschrieben. Die Maßnahmenliste ist eine Ideensammlung, die Vorschläge sind i.d.R. noch nicht durchgeplant. Sowohl die vorgeschlagenen Lösungen als auch die Kosten sind erste Annahmen und in der weiteren Planung zu prüfen.

Weitere Maßnahmen über bauliche Einzelprojekte hinaus, wie z.B. der wichtige Aspekt der Radabstellanlagen, werden ebenfalls im Erläuterungsbericht beschrieben. Dort werden auch Standards in Planung und Betrieb formuliert, so z.B. zum Stellenwert zum Winterdienst und der Instandhaltung der Radwege und zur Führung in Baustellen. Aussagen zu der zunehmend wichtiger werdenden Öffentlichkeitsarbeit, zur Abstimmung zwischen Politik, Verwaltung und Institutionen, zur intermodalen Verknüpfung, zum Service und Radtourismus runden das Maßnahmenprogramm ab.


5. Kosten und Umsetzung

Die investiven Maßnahmen des Radkonzeptes erreichen insgesamt einen Kostenumfang von etwa 30 Mio. €, sind z.T. aber auch erst nach dem Zieljahr 2020 umzusetzen. Vorraussetzungen für Investitionen in diesem Umfang sind zum einen die für drei Pilotrouten bereits zugesagte Förderung durch das Land, zum anderen aber auch, dass entsprechende Finanzmittel im städtischen Haushalt bereit gestellt werden können und die entsprechenden Personalkapazitäten vorhanden sind.

Es wird angestrebt, in den nächsten Jahren zunächst die drei wichtigsten Routen des Rad-Vorrang-Netzes als Pilotrouten zu realisieren. Der Ausbau dieser drei Routen, (Dreisamuferradweg, Güterbahnradweg und Zähringen - Stühlinger - Vauban) kostet rund 9,5 Mio. €. Da bis Anfang 2013 davon bereits sechs Maßnahmen realisiert werden, verbleiben ab Anfang 2013 noch Kosten von 8,0 Mio. €.

Die Dauer der Umsetzung richtet sich nach den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln. So könnten z.B. bei städtischen Mitteln für das Rad-Vorrang-Netz von 1,0 Mio. € pro Jahr (plus 50% Förderung durch das Land) die drei Pilotrouten in den nächsten beiden Doppelhaushalten, also bis zum Jahr 2016, umgesetzt werden.

Für Maßnahmen außerhalb der Vorrangrouten soll auch die Radpauschale in ausreichender Höhe weitergeführt werden, um im übrigen Radnetz Synergien z.B. bei Sanierungen nutzen oder um akute Maßnahmen der Verkehrssicherheit umsetzen zu können. Weitere Aufwendungen für das erforderliche Personal in Planung und Betrieb sind ebenfalls unerlässlich, um die gesetzten Ziele zu erreichen und zu sichern.

Bei Erreichung der Ziele des Radkonzeptes wäre der Radverkehr innerhalb der Stadt das Verkehrsmittel Nr. 1, mit seinem hohen Anteil des Umweltverbundes wäre Freiburg in Deutschland ganz weit vorn. Vor allem aber wird Radfahren für die Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Region noch angenehmer und sicherer als bisher.



Erläuterungsbericht

Im Erläuterungsbericht zum Radkonzept werden in Teil A Ausgangslage, Vorgehen und Ziele des Radkonzeptes ausführlich erläutert.

In Teil B wird das Maßnahmenprogramm mit Routen, Führungsformen etc. erläutert. Außerdem werden hier weitere Maßnahmen wie Radabstellanlagen, Standards in Planung und Betrieb sowie ergänzende Bausteine wie Öffentlichkeitsarbeit und intermodale Verknüpfung beschrieben.

Den Erläuterungsbericht finden Sie hier. (1,272 MB)



Routen- und Maßnahmenplan

Routen- und Maßnahmenplan

(Anhang 1 zum Erläuterungsbericht)
Ziel des Radkonzeptes ist es, ein zusammenhängendes, durchgängig gut befahrbares Radverkehrsnetz sicherzustellen. Im Routen- und Maßnahmenplan ist dazu in blau das Netz der Vorrang-, Haupt- und Nebenrouten dargestellt. Auf diesem Netz sind in rot die geplanten Maßnahmen dargestellt. Die dazu gehörige Bezeichnung verweist auf die Maßnahmenliste (unten).

Den Routen- und Maßnahmenplan finden Sie hier. (5,557 MB)



Maßnahmenliste

(Anhang 2 zum Erläuterungsbericht)

In der Maßnahmenliste sind die rund 150 zum Teil umfangreichen konkreten baulichen Maßnahmen stichpunktartig aufgelistet. Sie sind mit einer Bewertung des Nutzens, des Aufwandes und Zeitstufen der angestrebten Umsetzung versehen.

Zum leichteren Auffinden sind die Maßnahmen in Korridore gebündelt und sortiert. Zuerst kommen die in Ost-West-Richtung verlaufenden Korridore, dann die Nord-Süd-Korridore, dann die Innenstadt und sonstige Bereiche sowie zum Schluss räumlich nicht zu verortende Maßnahmen.

Die Maßnahmenliste finden Sie hier. (82,1 KB)



Rad-Vorrang-Netz

Maßnahmenbeschreibungen

(Anhang 3 zum Erläuterungsbericht)

In den zahlreichen Beschreibungen werden zunächst die Maßnahmenkorridore sowie dann die dazu gehörigen einzelnen, in Plan und Liste aufgeführten Maßnahmen beschrieben. Auch hier finden sich die Angaben über Nutzen, Aufwand und Zeitstufen der angestrebten Umsetzung.

Die Beschreibungen der Maßnahmen finden Sie hier (22,798 MB)



Systematik und Standards der Radrouten

(Anhang 4 zum Erläuterungsbericht)

In einer Tabelle sind die Systematik und angestrebte Standards wie Breite, Ausstattung etc. der Radrouten in den unterschiedlichen Kategorien übersichtlich und mit Beispielen zusammengefasst.

Die Tabelle Systematik und Standards finden Sie hier. (26,9 KB)



Hinweise Wirkungskontrolle Radverkehrsförderung

(Anhang 5 zum Erläuterungsbericht)

Das Land Baden-Württemberg hat 2009 den Stand des Radverkehrs in 14 Städten und Landkreisen systematisch untersuchen lassen, u.a. in der Stadt Freiburg. Dazu wurden zahlreiche Daten zum Radverkehrsnetz, Fahrradnutzung, Unfallzahlen etc. ausgewertet und eine Befragung der Bürgerschaft durchgeführt. Außerdem wurde die Infrastruktur vor Ort kritisch begutachtet.

Die umfangreichen Erkenntnisse der gesamten Untersuchung wurden von der Stadt ausgewertet und in das Radkonzept 2020 eingearbeitet.

Die zusammenfassende Bewertung für Freiburg finden Sie hier. (1023,2 KB)



Hinweise Prüfkommission "Fahrradfreundliche Stadt"

(Anhang 6 zum Erläuterungsbericht)

Das Land Baden-Württemberg hat Freiburg 2011 als „Fahrradfreundliche Stadt" ausgezeichnet. Gelobt wurden die teilweise vorbildlichen Radverkehrsanlagen und die große Anzahl an Radabstellplätzen. Aber auch kritische Hinweise wurden abgegeben, z.B. zur teilweise veralteten Infrastruktur, den fehlenden Radmitnahmemöglichkeiten in Stadtbahnen etc.

Die Stadt sieht die Auszeichnung als Ansporn, die Förderung des Radverkehrs auch in Zukunft verstärkt fortzuführen und hat die Hinweise in das Radkonzept 2020 eingearbeitet.

Die Hinweise der Prüfkommission finden Sie hier. (197,3 KB)


Kontakt

Garten- und Tiefbauamt

Konzeptionelle Planung
Konzeptionelle Planung
Berliner Allee 1
79114 Freiburg
Fax (07 61) 2 01-46 79
Telefon:
Fax: 0761 / 201-4679

Radkonzept 2020
Herr Gutzmer
Tel. 0761/ 201-4684
Bernhard.Gutzmer
@stadt.freiburg.de

Fuß- und Radverkehrsbeauftragter


Amtsblatt

Amtsblatt: Ein Quantensprung für den Radverkehr (1,164 MB)
Die wichtigsten Infos zum Radverkehrskonzept 2020 auf einen Blick