Drei Fragen an...
Der Freiburger Norden ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mit dem Rahmenplan Zähringen möchte das Stadtplanungsamt die weitere …
Das Amtsblatt der Stadt Freiburg erscheint alle 14 Tage samstags in einer Auflage von 111.000 Exemplaren. Es wird als Beilage der Wochenzeitung "Der Sonntag" kostenlos an alle Haushalte im Stadtgebiet verteilt.
Den formalen Rahmen für das Amtsblatt regelt das vom Gemeinderat beschlossene Redaktionsstatut (8,8 KB).
Deutlich länger ist die Pause, die die Fraktionen wegen der bevorstehenden Wahlen einlegen müssen. Wie von der Gemeindeordnung vorgeschrieben erscheinen erst nach der Oberbürgermeisterwahl wieder Fraktionsbeiträge – frühestens also am 9. Mai.

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Die vorbereitenden Arbeiten für das neue, gemeinwohlorientierte Quartier Kleineschholz sind fast abgeschlossen, im Frühjahr beginnt der …

Aktuell ist Eislaufen auf zugefrorenen Seen wegen des Tauwetters kein Thema mehr – aber der Winter dauert noch lange. Doch selbst bei klirrender Kälte sind Eisflächen oft nicht stabil. Wer sie trotzdem betritt, tut das auf eigene Gefahr, warnt Carl-Friedrich Koch vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz.… mehr...







Im Stadtwald kreucht und fleucht es – auf dem Boden, unter der Erde, auf Bäumen, in Gewässern und in der Luft. Manche Tiere hat man schon oft gesehen, andere wagen sich selten oder nur zu bestimmten Jahreszeiten ans Tageslicht. Ab sofort wollen wir einige dieser tierischen Waldbewohner in einer losen Serie vorstellen. Vanessa Tschöpe ist eine der beiden Waldnaturschutzbeauftragten des Forstamts und sorgt für die Koordination.
„Wir wollen den Leser*innen ein Stück unserer Arbeit näherbringen und sichtbar machen, welche mehr oder weniger scheuen tierischen Bewohner im Stadtwald Tür an Tür mit uns leben. Außerdem geht es uns darum zu zeigen, wie wir als Forstamt diese Tiere und ihre Lebensräume schützen und wo es „Berührungspunkte“ der Leser*innen zu den Waldbewohnern gibt.“
„Wir werden einerseits sehr bekannte Waldtiere vorstellen wie den Fuchs oder das Wildschwein, aber auch „heimliche“ und seltene Wald- und Waldrandbewohner wie die Spanische Flagge, den Steinkrebs oder den Badischen Riesenregenwurm. Das Tolle dabei ist: Wir wollen nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch Geschichten erzählen von den kuriosen, spannenden und abenteuerlichen Begegnungen mit den Waldbewohnern, die vor allem meine Kollegen im Revier fast täglich erleben.“
„Ehrlich gesagt begeistere ich mich weniger für eine bestimmte Tierart, sondern vielmehr überhaupt für die Vielfalt an Tieren und Lebensräumen, die es in den Wäldern rund um Freiburg gibt. Das zeichnet auch meine tägliche Arbeit als Waldnaturschutzbeauftragte aus: Von der Begleitung von Gewässersanierungen über die Pflege von Waldwegerändern und Wildwiesen bis hin zu ganz speziellen Konzepten für den Arten- und Lebensraumschutz.“
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 894 vom 13. September 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Wer heute in einem Freiburger Restaurant Flusskrebse bestellt, bekommt höchstwahrscheinlich nordamerikanische Signalkrebse statt der heimischen Schalentiere auf den Teller. Früher hingegen waren die „Hummer des Süßwassers“ in den Gewässern der Region so häufig, dass sie sogar als Armeleuteessen galten, bevor sie zur begehrten Delikatesse avancierten.
In den klaren Bächen und Weihern rund um Freiburg kämpfen die drei heimischen Flusskrebsarten einen unfairen Kampf: Unsichtbar für Spaziergänger erliegen sie der Krebspest und verlieren ihren Lebensraum an Signalkrebs, Kamberkrebs und Marmorkrebs, drei invasive Eindringlinge aus Nordamerika. Sie übertragen die Pilzkrankheit, die für sie selbst ungefährlich ist, für heimische Arten aber fast immer tödlich endet.
Der Steinkrebs und der Dohlenkrebs sind die ursprünglichen Bewohner der sommerkühlen Oberläufe unserer Fließgewässer. Als Allesfresser spielen sie eine zentrale Rolle im Ökosystem. Während der Steinkrebs in ganz Baden-Württemberg zu finden ist, kommt der Dohlenkrebs natürlicherweise nur in der Region vor – bis 2024: Damals wurden große Teile der noch verbliebenen Dohlenkrebspopulation durch die Masseneinwanderung des gebietsfremden Marmorkrebses völlig ausgelöscht. Die dritte in Freiburg vorkommende heimische Krebsart ist der imposante Edelkrebs. Mit bis zu 20 Zentimetern Länge ist er der Riese unter den heimischen Krebsen.
Alle drei heimischen Arten sind mittlerweile streng geschützt. An den relevanten Gewässern im Wald hat das Forstamt deshalb klare Regeln festgelegt und alle Mitarbeitenden für die Problematik sensibilisiert: Bei der Holzernte werden Gewässer nicht befahren, Maschinen zwischen Gewässereinsätzen gereinigt und naturnahe Gewässerstrukturen gesichert und falls möglich verbessert. Hoffnung macht auch die Wiederansiedlung in unbelasteten Gewässern.
Auch die Bevölkerung kann zum Schutz der heimischen Krebsarten beitragen. Mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich die weitere Verbreitung der Krebspest eindämmen. Weil schon ein einziger Wassertropfen zur Übertragung ausreicht, sollten Hunde nicht am selben Tag in verschiedenen Gewässern baden und Schuhe oder Fahrräder zwischen Gewässerbesuchen vollständig durchtrocknen.
Dieser Artikel von Hannah Sharaf erschien im Amtsblatt Nr. 894 vom 13. September 2025.

Wenn nachts auf dem Dachboden Getrappel zu hören ist, steckt vielleicht ein Siebenschläfer dahinter. Sein Name ist irreführend, da er nicht nur sieben, sondern sogar bis zu elf Monate lang Winterschlaf halten kann. Dabei rollt er sich eng in sein Erdversteck ein, um Energie zu sparen.
Faszinierend: Die Dauer seines Schlafs hängt von der Samenproduktion der Rotbuche ab. Bringt der Wald wenige Bucheckern hervor, verzichtet der Siebenschläfer in diesem „mageren“ Jahr auf Nachwuchs und verlängert seinen Winterschlaf. Wie er schon im Frühjahr erspürt, ob es im Herbst reichlich Nahrung gibt, ist eines der großen Rätsel der Forschung.
Neben dem Siebenschläfer leben mit der Haselmaus und dem Gartenschläfer noch zwei weitere Bilch-Arten rund um Freiburg. Alle drei Arten brauchen während ihres Schlafs absolute Ruhe. Wer im Winter auf ein Nest stößt, sollte die Tiere niemals stören – jede unnötige Aufwachphase kostet lebenswichtige Energiereserven. Kleine Rücksicht, große Wirkung!
Damit Bilche besser erforscht und geschützt werden können, setzen Wissenschaftler*innen kleine Spurtunnel ein: Die Tiere laufen hindurch und hinterlassen winzige Abdrücke auf Papierstreifen. Anhand der Form lassen sich die Arten unterscheiden. Solche Daten sind von großer Bedeutung, denn alle heimischen Bilche stehen unter Schutz, und der Gartenschläfer gilt sogar als stark gefährdet. Woher der Bestandsrückgang bei den Gartenschläfern rührt, ist nicht eindeutig geklärt – auch der Klimawandel könnte hier eine Rolle spielen.
Im Gegensatz zur Haselmaus leben Siebenschläfer und Gartenschläfer gerne in Siedlungsnähe und besiedeln hier unter anderem dichte Hecken zum Beispiel in Kleingartenanlagen oder alte Gebäude. So mancher Mensch verzweifelt, wenn die kleinen Nachtschwärmer im Sommer durch ihre Lebhaftigkeit den Schlaf rauben. Doch gerade ihre Fähigkeit, den größten Teil des Jahres friedlich schlummernd zu verbringen, macht Bilche zu faszinierenden Meistern der Anpassung.
Dieser Artikel von Lisa Marie Stahl (Trainee) und Klaus Echle (Revierleiter Günterstal) erschien im Amtsblatt Nr. 896 vom 11. Oktober 2025.

Bei einer Fahrt mit der Schauinslandbahn kann man regelmäßig in den „Stäpfelefelsen“ ziegenähnliche Wildtiere beobachten, die viele Besucher*innen hier nicht erwarten: Gämsen. Die Gams (Rupicarpa rupicarpa) ist ein Tier der europäischen Mittel- und Hochgebirge. Es gibt sie in mehreren Unterarten.
Die Schwarzwaldgams gehört zur Unterart der Alpengämse. Historisch war sie in kleinen Beständen im Schwarzwald heimisch, wurde aber überjagt und dadurch ausgerottet. Besonders gefragt waren die „Bezoar“ oder „Gamskugel“ genannten Magensteine, denen man wundersame Wirkung zuschrieb. Harry-Potter-Fans ist das vielleicht bekannt; auch in den Büchern kommen Bezoare mit ihrer heilenden Wirkung vor.
Ob die heutige Population der Schwarzwaldgämse heimisch ist oder nicht, darüber streiten sich die Fachleute. Fakt ist, dass die meisten Gämsen bei uns Nachkommen von 21 Gämsen sind, die nach 1935 in drei Wiederansiedlungsaktionen in der Steiermark eingefangen und im Zastlertal ausgesetzt wurden. Von dort ausgehend entwickelte sich eine stabile Population, die sich vom Feldberg aus in umliegende Bereiche (Belchen, Kandel, Schauinsland) ausbreitete. Weil es hier anders als in den Alpen kaum Winterverluste und auch keine Beutegreifer wie den Steinadler gibt, wuchs die Population in wenigen Jahrzehnten auf über 1000 Stück an. Das hat teilweise zu starken Verbissschäden geführt, weshalb die Gämsen seit 1955 zum Schutz des Waldes wieder bejagt werden. Heute leben am Schauinsland etwa 40 Tiere.
Gämsen leben in einem sozialen Verband, die angeführt werden von der „Leitgeiß“, einer älteren, erfahrenen Gamsgeiß. Die männlichen Tiere sind unterm Jahr eher Einzelgänger. Zur Brunft im Herbst und Winter stehen sie aber auch bei den Rudeln. Gämsen sehen sehr gut und sind deshalb tagaktiv. Meistens sind sie in gut einsehbarem, offenem Gelände unterwegs, damit sie bei Bedarf schnell flüchten können.
Seit einigen Jahren beobachten die Förster allerdings einige Verhaltensänderungen. Untertags sind die Tiere nur noch selten zu beobachten, zunehmend werden sie dämmerungsaktiv, wahrscheinlich, weil es ihnen tagsüber zu heiß ist und sie sich deswegen in kühle, schattige Bachtäler zurückziehen. Auch der ständig zunehmende Besucherdruck am Schauinsland lässt den Gämsen keine Chance mehr, untertags ungestört zu fressen. Besonders störend ist, dass Menschen regelmäßig in ihre geschützten Rückzugsorte eindringen. So gibt es am Schauinsland mehrere illegale Moutainbikestrecken, die durch solche Bereiche führen und nahezu ganzjährig befahren werden. Im Winter sorgen Schneeschuhläufer*innen und Variantenskifahrer*innen für Störungen. Deshalb wurde am Schauinsland ein Wildrückzugsgebiet ausgewiesen, in dem im Winter die bestehenden legalen Wege nicht verlassen werden sollen.
Dieser Artikel von Philipp Schell (Revierförster Schauinsland) erschien im Amtsblatt Nr. 898 vom 8. November 2025.

Im Südschwarzwald, so auch am Freiburger Hausberg Schauinsland, lebt ein außergewöhnliches Tier: der Badische Riesenregenwurm. Mit einer Länge von bis zu 50 Zentimetern und einem Gewicht von 25 bis zu 50 Gramm ist er die größte Regenwurmart Europas – und zugleich ein echtes Schwarzwälder Unikat. Denn: Lumbricus badensis ist ein Endemit, der weltweit nur in dieser Region vorkommt.
Der Riesenregenwurm lebt in den sauren, kalkarmen Böden der Hochlagen des Südschwarzwalds zwischen 1000 und 1400 Metern. Dort gräbt er bis zu zweieinhalb Meter tiefe Röhrensysteme in den Waldboden. Seiner Wohnhöhle bleibt er wenn möglich ein Leben lang treu, überdauert in der Tiefe auch strenge Frostwinter, ohne zu erfrieren, und kann bis zu 20 Jahre alt werden. Tagsüber bleibt er zumeist unter der Erde, nur bei feuchtem Wetter oder nachts wagt er sich an die Oberfläche.
Trotz seiner verborgenen Lebensweise spielen Riesenregenwürmer – wie auch andere Regenwurmarten – eine wichtige Rolle im Ökosystem: Sie ziehen Blätter und Pflanzenreste von der Oberfläche in ihre Gänge, fressen abgestorbene Pflanzenreste und Mikroorganismen. Pro Tag vertilgt ein Wurm etwa die Hälfte seines Eigengewichts und scheidet im Akkord Kothäufchen aus, die wichtige Pflanzennährstoffe enthalten – ein hochwirksamer, hochkonzentrierter Walddünger. Sein Kanalsystem durchzieht, lockert und durchlüftet den Boden, gibt ihm zugleich Struktur und lässt Regenwasser schneller versickern. Davon profitieren Pflanzenwurzeln und wichtige Bodenorganismen.
Die Partnersuche ist für Lumbricus badensis einfach, denn wie alle Regenwürmer ist er zwittrig, und jeder Wurm besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Das Liebesspiel allerdings ist gefährlich, denn es findet an der Oberfläche statt, wo Fressfeinde lauern. Wegen seiner Größe ist der Badische Riesenregenwurm ein begehrter und besonders nahrhafter Proteinsnack selbst für größere Tiere wie Eule, Dachs oder Wildschwein, umso mehr, wenn es ihn während der Paarung im Doppelpack gibt.
Dieser Artikel von Nicole Schmalfuß (Leiterin des Forstamts) erschien im Amtsblatt Nr. 900 vom 6. Dezember 2025.

Wer erstmals einen Dachs erblickt, könnte ihn für plump und schwerfällig halten. Doch weit gefehlt: Trotz seiner kurzen Beine erreicht er mit galoppartigen Sprüngen Geschwindigkeiten bis zu 30 Stundenkilometern, sodass ein Mensch im Gelände keine Chance hat, ihm zu folgen.
Die Tiere können auch überraschend gut schwimmen und sollen selbst Bäume erklettern können. Beim Spielen und in stressigen Situationen plustern sie sich auf und sehen aus wie eine Klobürste auf vier Beinen. Unterstrichen wird das Ganze von einem furchteinflößenden Fauchen.
Revierförster Klaus Echle hat das schon hautnah erlebt. Bei einer Fledermauskartierung in einem mittelalterlichen Bergwerksstollen kam er einem Dachs näher als gedacht: „Plötzlich stand ich neben dem Dachs in seinem warmen, mit allerlei Vegetation dick gepolsterten Bett“, erinnert sich der mehrfach ausgezeichnete Naturfotograf. Dass vom Dachs für viele Menschen eine große Faszination ausgeht, kann Echle gut nachvollziehen. „Sein Charisma und sein verborgenes Leben imponieren und beflügeln unsere Fantasie.“
Der Dachs gilt nicht als typischer Kulturfolger, aber auch große, geschlossene Wälder sind kein idealer Lebensraum. Optimal ist ein Mosaik aus Wald und Feld mit grabbaren Böden. Aber auch im städtischen Umfeld lässt sich Meister Grimbart ab und zu sehen.
Im urbanen Bereich wurden Dachspopulationen teils „umbaut“ und von menschlichem Wohnraum eingeschlossen. Überraschenderweise ist das für den tierischen Untermieter oft weniger problematisch als für die Menschen. Vor einiger Zeit musste Klaus Echle aber helfen: Ein Dachs hatte sich in einen metertiefen Schacht verirrt. Trotz seiner schlimmen Lage verhielt er sich ruhig und erleichterte dadurch die Rettung. „Als die Klappe hochging, verschwand er zügig in der Dunkelheit der Kirchstraße.“
Nicht so gut erging es den Dachsen in den 1960er-Jahren. Damals wären die Tiere fast ausgerottet worden – aus Unwissenheit. Der Grund: Um die Tollwut zu bekämpfen, die von Füchsen übertragen wird, wurden Fuchsbaue zwischen 1963 und 1974 systematisch begast. Da Füchse die Baue aber nur sporadisch nutzen, Dachse sich aber häufig darin aufhalten, tötete die behördlich angeordnete Begasung vor allem Dachse. In der Folge ging der Bestand bis 1974 in Baden-Württemberg um bis zu 90 Prozent zurück. Seit 2008 ist Deutschland dank Impfkampagnen offiziell tollwutfrei, und auch die Dachsbestände haben sich glücklicherweise erholt.
Dieser Artikel von Lisa Marie Stahl (Trainee) und Klaus Echle (Revierleiter Günterstal) erschien im Amtsblatt Nr. 902 vom 17. Januar 2026.

Eigentlich ist „Sus scofa“ ja der wissenschaftliche Name für das „Wild“schwein, doch am Forsthaus im Ottilienwald lebt auch eine zahme Vertreterin dieser Gattung: Rosalie. Seit mittlerweile über 15 Jahren ist sie eine kleine lokale Attraktion und vor allem bei Familien ein beliebtes Ausflugsziel.
Dass Rosalie bei Revierförster Dieter Thoma fast ein Familienmitglied ist, sieht man auch daran, dass seine Frau dem treuen Borstenvieh ein paar Kunststücke beigebracht
hat. Auf Kommando macht sie „Sitz“, stellt sich auf die Hinterläufe oder springt über einen Baumstamm. „Beschäftigungstherapie ist für dieses intelligente Tier sehr wichtig“, weiß Thoma. Das Gehege war übrigens auch schon zuvor bewohnt. Der Keiler Eberhard war wie Rosalie als verwaister Frischling zur Försterfamilie gekommen, hatte sich aber zur Fortpflanzungszeit, auch Rauschzeit genannt, nicht vom Zaun aufhalten lassen und das Weite gesucht.
Durch diese lange Zeit mit Wildschweinen als Haustiere hat Förster Thoma natürlich einen ganz besonderen Bezug zu dieser Wildart. Die jägersprachlich „Schwarzwild“ oder auch „Schwarzkittel“ genannten Tiere sind Paarhufer aus der Familie der echten Schweine und die Stammform des Hausschweins. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet reicht von Westeuropa bis Südostasien. Durch Aussetzen in Nord- und Südamerika, Australien sowie auf zahlreichen Inseln ist es heute nahezu weltweit verbreitet. Wer im Stadtwald mit offenen Augen unterwegs ist, sieht überall Spuren von Wildschweinen: Vor allem entlang der Wege durchwühlen sie den Grünstreifen auf der Suche nach Fressbarem.
Sie sind Allesfresser und sehr anpassungsfähig. Die Klimaerwärmung mit milden, schneearmen Wintern lässt sie auch in die Hochlagen des Schwarzwalds vordringen. Die Beschimpfung als „dummes Schwein“ ist übrigens weit von der Realität entfernt, denn Wildschweine sind überaus intelligent. Auch ihre Sinne sind sehr gut ausgeprägt, allen voran der Geruchsinn. Dank dieser guten Anpassung an ihre Lebensbedingungen weisen Wildschweine eine hohe Fortpflanzungsrate von 200 bis 300 Prozent pro Jahr auf.
Durch eine tierschutzgerechte, störungsarme Bejagung wird die Zahl der Wildschweine so reguliert, dass Schäden in der Landwirtschaft, städtischen Grünflächen und Parks minimiert werden. Auch Wildkrankheiten wie die Schweinepest können durch die Beprobung der erlegten Tiere früh erkannt und durch insgesamt niedrige Bestände in ihrer Ausbreitung begrenzt werden. Bejagt werden vor allem die jüngeren Wildschweine – auch um der hohen Vermehrungsrate entgegenzuwirken. Führende Bachen, also weibliche Elterntiere, sind aus Tierschutzgründen von der Jagd zu verschonen.
Doch die Jagd ist gar nicht so einfach, denn die eigentlich tagaktiven Tiere haben als weitere Anpassung auf unsere dicht besiedelte Landschaft ihre Aktivitäten in die Nacht verlegt. Daher hat der Gesetzgeber den Einsatz von Nachtzieltechnik für die Jagd auf Wildschweine freigegeben. „Für mich als Förster und Jäger ist die Jagd auf Wildschweine immer besonders spannend: Man kann versuchen, die Wildschweine mit etwas Mais anzulocken, und bei Schnee ihre Fährten bis zu den Einständen, also dem bevorzugten Aufenthaltsort, verfolgen“, erzählt Thoma. Am effektivsten seien aber winterliche Bewegungsjagden mit gut ausgebildeten Hunden, die versuchen, die Wildschweine mit ihren feinen Nasen aufzuspüren und in Bewegung zu bringen.
Die Jagd gehört für den Förster, der seit 1999 Chef im Revier Rosskopf ist, zur nachhaltigen Waldwirtschaft dazu. Außerdem ist das Wildbret, also das Fleisch der Tiere, ein hochwertiges Lebensmittel aus der Region, zu 100 Prozent „bio“, ohne Massentierhaltung und garantiert frei von Medikamentenrückständen. Jagd ist eben auch Landschaftspflege – mit Messer und Gabel. Wer also eigentlich gerne Fleisch isst, aber die klassische Tierhaltung für nicht vertretbar hält, kann bei Wildfleisch bedenkenlos zugreifen. Wer das tut, für den hat Dieter Thoma noch einen Rezept-Tipp aus Korsika: „Ragout de Sanglier“. Bon appétit!
Dieser Artikel von Dieter Thoma (Revierleiter Rosskopf) erschien im Amtsblatt Nr. 904 vom 14. Februar 2026.
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