Historisches Gebäude mit modernem Energiekonzept
Alte Stube in St. Georgen

Die Alte Stube im Freiburger Stadtteil St. Georgen ist gleichzeitig Studienobjekt und Schmuckstück. 2019 bis 2021 wurde sie denkmalgerecht generalsaniert und zu einem lebendigen Treffpunkt mit Café, Multifunktionssaal, Kellerbar und öffentlich zugänglicher Scheune umgebaut. Intensive städtebaulicher Entwicklungsplanung trafen auf aktive Bürgerbeteiligung und praxisnahes Energiekonzept. Fünf verschiedene Innendämmsysteme werden seit Sommer 2022 messtechnisch von der Universität Stuttgart überwacht. Der Gesamtenergieverbrauch liegt trotz Erweiterung um rund 1.000 Quadratmeter etwa 60 Prozent unter dem früheren Bedarf. Das Projekt wurde mit dem Hauptpreis im Innovationswettbewerb des Landes gewürdigt.
Ein Haus mit bewegter Geschichte
Das Gebäude ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung und ein zentraler Zeitzeuge der Geschichte. Seit 1574 diente es als Sitz des Vogts und des Ortsgerichts; ab 1831 war sie bis zur Eingemeindung St. Georgens 1938 Rathaus und Sitz des Bürgermeisters. Danach wurde das Gebäude vielfältig genutzt – unter anderem als Gasthaus, Festsaal, Gemeindesekretariat und Treffpunkt des örtlichen Vereinslebens.
Lebendiger Treffpunkt mit historischem Charakter
2019 bis 2021 wurde das gesamte Stubenareal denkmalgerecht generalsaniert. Grundlage war eine intensive städtebauliche Entwicklungsplanung unter aktiver Beteiligung des Bürgervereins sowie zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Ein zentraler Wunsch war, die Alte Stube als lebendigen Treffpunkt des Stadtteils neu zu beleben ohne ihren historischen Charakter zu verlieren.
Café, Bürgerraum und Kellerbar
Das Ensemble hat nun mehr Funktionen als zu vor: Im Erdgeschoss entstanden ein Café, ein Bürgerraum mit Büchertauschstube sowie Platz für Gewerbe. Neu ist eine Kellerbar; während die Wirtewohnung für das Gasthaus und Vereinsräume im Dachgeschoss erhalten blieben. Die historische Scheune von 1807 wurde grundlegend überarbeitet und ist nun öffentlich zugänglich. Herzstück ist der neue Multifunktionssaal im Dachgeschoss, der als Veranstaltungsort für Fachseminare und Bürgerveranstaltungen dient.
Innovatives Energiekonzept mit Überwachung
Ein zentrales Ziel war die energetische Sanierung bei gleichzeitigem Denkmalschutz. Da Außendämmungen an historischen Gebäuden meist ausscheiden, wurde die Dämmung hier innen ist angebracht, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Das Besondere: In der Wirtewohnung wurden exemplarisch fünf unterschiedliche Innendämmsysteme installiert, die seit Sommer 2022 messtechnisch überwacht werden.
Messungen
Im Zwei-Minuten-Takt erfassen Sensoren Temperatur und relative Luftfeuchte sowohl in der Raumluft, in der Dämmung als auch in den angrenzenden Bauteilen. Die Auswertung erstreckt sich über mehrere Heizperioden und ermöglicht eine detaillierte Analyse des hygrothermischen Verhaltens unter realen Nutzungsbedingungen. Die gewonnenen Daten dienen als Modell für weitere Sanierungsprojekte an erhaltenswerten Altbauten. Es wurden bewusst geläufige Systeme untersucht.
Untersuchte Dämmsysteme
- Ständerbauweise mit Hohlraumdämmung (Holzwolle)
- Ständerbauweise mit Hohlraumdämmung (Zellulosedämmstoff)
- Diffusionsoffene Mineraldämmplatten
- Dämmputz
- Hochleistungsdämmstoff
Bisherige Ergebnisse
Die Gutachter der Universität Stuttgart (Institut für Werkstoffe im Bauwesen) bestätigen für alle untersuchten Dämmsysteme:
- schadensfreie Funktion
- Reduzierung der Wärmeverluste der Außenwände um 60 bis 80 Prozent
- stabile, unkritische Feuchtewerte über mehrere Winter
- Verbesserung des thermischen Wohlbefinden durch spürbar wärmere Innenoberflächen.
Wärmeversorgung und Kühlung
Die Wärmeversorgung des gesamten Stubeareals übernimmt ein Holzpelletskessel; die Kühlung des Veranstaltungsraums erfolgt mittels natürlicher, passiver Kühlung. Ergänzt wird die Wärme- und Kälteversorgung durch Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach der Kegelbahn und auf dem Anbau der Scheune. Trotz der Erweiterung der Nutzungsfläche um rund 1.000 Quadratmeter liegt der Energieverbrauch des Ensembles etwa 60 Prozent unter dem früheren Bedarf. Verglichen mit einer Sanierung nach gesetzlichem Mindeststandard lassen sich mit dem vorliegenden Konzept etwa 90 Prozent der bisherigen CO₂-Emissionen vermeiden.
Zeigen, wie es funktioniert
Die Erfahrungen aus dem Monitoring wurden in Fachveranstaltungen im neuen Multifunktionssaal an Handwerk, Architektinnen, Planende und Hausbesitzerinnen weitergegeben. Das Projekt wurde auf der Homepage der Stadt Freiburg mit einem Image-Film präsentiert und durch Infotafeln am Gebäude erläutert. Die Alte Stube fungiert damit als regionales Demonstrationsobjekt für gelungene energetische Sanierung im Denkmalbestand.
Beteiligte
- Stadt Freiburg
- Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen – Bauherr und Gesamtprojektleitung
- Umweltschutzamt – Projektleitung Monitoring Innendämmung
- Generalsanierung
- Sutter3 GmbH & Co. KG – Planung, Sanierung und Bauleitung
- Steybe Controlling GmbH, Projektsteuerung und -controlling
- Energiekonzept / Gebäudeoptimierung und Bauphysik: Stahl+Weiß PartGmbB
- Monitoring Innendämmung / wissenschaftliche Begleitung: Universität Stuttgart, Institut für Werkstoffe im Bauwesen
- Sponsoren für die praktische Umsetzung verschiedener Verfahren zur Innendämmung
- ADT Aero Dämmtechnik GmbH
- Bestwood Schneider GmbH
- Sto SE & Co. KGaA
- Xella Deutschland GmbH
- ZBÖ Dämmtechnik GmbH
Förderung und Auszeichnung
- Das Monitoring wurde gefördert durch den Innovations- und Klimaschutzfonds der badenova.
- Der Vorbildcharakter des Projekts wurde durch die Auszeichnung der Stadt Freiburg mit dem Hauptpreis im Innovationswettbewerb des Landes gewürdigt.