Donnerstag, 22. Oktober 2026, 16 Uhr

Jahrestag der Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden nach Gurs

Mantel-Mahnmal auf der Wiwilibrücke
Foto: Seeger/Stadt Freiburg
Rosen liegen im Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge
Foto: Seeger/Stadt Freiburg

Der 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des jüdischen Laubhüttenfestes (hebräisch: Sukkot). In einer konzertierten Aktion der nationalsozialistischen Gauleiter Robert Wagner („Gau Baden“) und Josef Bürckel („Gau Saarpfalz“) wurden an diesem Tag über 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Polizisten verhafteten die Freiburger Jüdinnen und Juden. Mindestens 379 Freiburger jüdische Bürger*innen wurden dann vom Freiburger Bahnhof aus deportiert.

Viele der in Gurs Internierten starben aufgrund völlig unzureichender Nahrung, katastrophaler hygienischer Zustände und fehlender medizinischer Versorgung an Entkräftung, Hunger und Krankheit. Ab August 1942 wurden die noch Lebenden über das Sammellager Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

In den Jahren 1939 bis 1945 wurden im südfranzösischen Gurs an die 60.000 Menschen interniert: zunächst Soldaten der im Spanischen Bürgerkrieg geschlagenen republikanischen Armee, dann in Frankreich „unerwünschte“ Frauen und Kinder sowie „Politische“ und schließlich jüdische Männer, Frauen und Kinder. Zuletzt waren es Sinti*zze und Rom*nja, die als Unerwünschte inhaftiert waren, bevor das Lager Gurs nach Kriegsende geschlossen wurde.  

Gedenkfeier

Jährlich organisiert die Stadt Freiburg gemeinsam mit zahlreichen Gruppen, Institutionen und Vereinen eine Gedenkfeier zum Jahrestag der Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden nach Gurs. Im Folgenden finden Sie den Ablauf zur diesjährigen Veranstaltung.

Redebeiträge

Zu Beginn spricht Bürgermeisterin Christine Buchheit für die Stadt Freiburg. Es folgen Beiträge von Nicole Elias, Zweite Vorsitzende der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher, sowie von François Blum im Namen der Nachkommen, Verwandten und Freunde der Mitglieder der ehemaligen Israelitischen Gemeinde Freiburg.

Lesung aus den Briefen der Familie Nelson

Im Anschluss liest Joachim S. Nelson aus den Briefen seiner Großeltern Siegfried und Marie Nelson. Beide wurden im Oktober 1940 gemeinsam mit mehreren Familienmitgliedern und über 370 weiteren als jüdisch verfolgten Freiburger*innen nach Gurs deportiert. Marie Nelson arbeitete dort in der Krankenbaracke. Sie starb am 6. Februar 1942 im Alter von 53 Jahren im Lager Gurs infolge einer Krankheit.
 
Wenige Tage vor seiner Deportation von Gurs nach Auschwitz schrieb Siegfried Nelson am 29. Juli 1942 an seine in Zürich lebende Schwester: „Wir leben hier in der großen Hoffnung, dass wir die längste Zeit hier waren und hoffe, dass wir uns dann alle mal treffen, wenn es nur schon so weit wäre.“
 
Am 8. August 1942 wurde Siegfried Nelson nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 12. August 1942 ermordet. Er wurde 55 Jahre alt.

Gebete

Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust werden dann El Male Rachamim und Kaddisch von Moshe Hayoun, Kantor der Israelitischen Gemeinde Freiburg, gebetet.

Schweigemarsch

Im Anschluss findet ein Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke statt. Dort werden Kränze zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.

Die Stadt Freiburg lädt alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, an der Gedenkfeier teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Veranstalter​

Kulturamt der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit:

  • Israelitische Gemeinde Freiburg
  • Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher
  • Chabad Lubawitsch Freiburg
  • Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
  • Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Freiburg
  • Deutsch-Israelische Gesellschaft
  • DGB Stadtverband Freiburg
  • Dokumentationszentrum Nationalsozialismus
  • Freiburger Hilfsgemeinschaft/Arbeitskreis NS-Euthanasie und Ausgrenzung heute
  • Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo
  • Gegen Vergessen – Für Demokratie
  • Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
  • Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen israelitischen Gemeinde Freiburg
  • Roma-Büro Freiburg
  • Rosa Hilfe Freiburg
  • Sinti-Verein Freiburg
  • Stolperstein-Projekt Freiburg
  • SWR Studio Freiburg
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.