Dieser Beitrag ist aus dem Jahr 2025, möglicherweise gibt er nicht den aktuellen Stand wieder.

Unerwünschte Mitbewohner

Konzept zur Eindämmung der Rattenpopulation

Drei Ratten fressen aus einem aufgerissenen Müllsack
Menschen hinterlassen Müll und Ratten sind da, wo es Nahrung gibt. (Foto: Chanawat Phadwichit / istock.com)

Wie in allen Großstädten gibt es auch in Freiburg Ratten. Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, sind die unerwünschten Nager oft nicht weit. Warum? Menschen hinterlassen Müll und Ratten sind da, wo es Nahrung gibt. Mit unserem Müll laden wir die Nager zum Festmahl ein: ein Pizzakarton in der Hecke oder Essensreste, die über die Klospülung in die Kanalisation gelangen – für uns weg, für Ratten lecker.

Einzelne Hotspots in Freiburg

Ganz loswerden wird Freiburg seine Ratten nicht – das wäre auch die falsche Erwartungshaltung. Ein echtes Problem werden die Nager jedoch dort, wo sie in Scharen auftreten. Auch in Freiburg gibt es solche Hotspots. In den letzten Jahren kamen Beschwerden insbesondere aus Landwasser und Weingarten. Auch Mooswald, die Altstadt und Haid-Ost sind betroffen. Auf einen interfraktionellen Antrag aus dem Gemeinderat hin hat die Stadt unter Federführung des Amts für öffentliche Ordnung (AföO) in den letzten Monaten ein Konzept entwickelt, um die Rattenpopulation insbesondere in diesen Stadtteilen einzudämmen.

Es gibt kein Wundermittel

Dass Ratten und Müll unmittelbar zusammenhängen, steht fest – auf dieser Grundannahme basiert auch das städtische Konzept. Darin zeigt die Verwaltung Handlungsmöglichkeiten auf, aber auch die Grenzen des Machbaren. Die Erfahrungen anderer Städte zeigen: Es gibt kein Wundermittel. So setzt das Konzept nicht auf völlig neuartige Instrumente, sondern auf bewährte Strategien – verknüpft mit einer noch engeren Abstimmung aller Beteiligten, dem vorhandenen Expertenwissen und einer genauen Beobachtung der Hotspots.

Fachgruppe begleitet die Entwicklung

In diesem Sinne hat die Stadt eine zentrale Fachgruppe gegründet. Mit dabei sind neben dem AföO das Garten- und Tiefbauamt (GuT), die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) und die badenovaNETZE, die mit der Bekämpfung von Ratten in der Kanalisation beauftragt ist. Auch die Freiburger Stadtbau (FSB) und andere große Vermietergesellschaften sind in der Fachgruppe vertreten – denn außerhalb öffentlicher Flächen sind grundsätzlich die Eigentümer*innen für die Rattenbekämpfung verantwortlich. Die Gruppe trifft sich seit August 2024 einmal im Monat, zukünftig sollen die Treffen einmal im Quartal stattfinden. Entscheidungen treffen die Mitglieder gemeinsam auf Grundlage des neu eingerichteten Monitorings. Dafür hat die Stadt ein Erfassungstool entwickelt: Alle Akteure speisen ihre Erkenntnisse in eine digitale Karte ein. So lassen sich bestehende Hotspots engmaschig überwachen und neu entstehende Problembereiche frühzeitig erkennen. 

Prävention vor Ort

In den letzten Monaten hat die Gruppe bereits einige Maßnahmen beschlossen und umgesetzt – jeweils angepasst an die Situation vor Ort. So hat die ASF in den betroffenen Gebieten alle Müllsammelstellen überprüft und stellt Container für die Zwischenlagerung gelber Säcke bereit. Bodendecker, die als Versteck für Ratten und als Mülllager dienen können, haben FSB und GuT entfernt. Die Bemühungen zeigen Wirkung: In der Krozinger Straße wurden, seitdem die Kriechpflanzen verschwunden sind, auch deutlich weniger Ratten gesichtet. Die FSB hat bereits vor Konzepterstellung einiges unternommen, um dem Rattenproblem entgegen zu wirken: unter anderem Müllhäuser im Sockelbereich mit Blechen verkleidet und bei Neubauten und Sanierungen unterirdische Müllsammelbehälter installiert. Die Vonovia hat unter anderem Mieter*innen als Müllbeauftragte auf Mini-Job Basis angestellt. Außerdem werden Bewohner*innen laufend und umfassend informiert und sensibilisiert.

Mithilfe der Bewohner*innen gefragt

Das präventive Vorgehen gerät da an seine Grenzen, wo sich Bewohner*innen uneinsichtig zeigen – trotz Aufklärung und obwohl ASF und Eigentümer*innen es ihnen so einfach wie möglich machen, Müll ordentlich zu entsorgen. Ob sich durch die videobasierte Kontrolle der Müllsammelstellen das Verhalten beeinflussen lässt, testet die FSB nun in einem Pilotprojekt. Was sonst noch bleibt: unsachgemäß entsorgten Müll durch ASF oder externe Dienstleister schnell entfernen lassen. Doch das ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, die sich am Ende in den Mietnebenkosten niederschlagen können. Wer seinen Müll illegal ablädt, dem drohen zudem hohe Bußgelder.

Entsorgen Sie den Müll in den richtigen Behältern und lassen Sie Lebensmittelreste nicht einfach liegen! Ihr Verhalten ist entscheidend für die Eindämmung der Rattenpopulationen vor allem in den stark bewohnten Quartieren. Seien Sie Vorbild und zeigen Sie Engagement.

Bürgermeister Stefan Breiter

Köderstationen auf Grünflächen und in der Kanalisation

Neben den Bemühungen, die Rattenpopulation durch Beseitigung von Müll als Nahrungsquelle auf indirektem Weg einzudämmen, bleiben auch Köderboxen mit Gift weiterhin ein Baustein der Rattenbekämpfung. Das
Garten- und Tiefbauamt hat auf öffentlichen Grünflächen insgesamt 250 Köderstationen im Einsatz. Für Hunde und Katzen besteht keine Gefahr, sie kommen nicht an das Gift heran. Durch den von der badenovaNETZE beauftragten Schädlingsbekämpfer wurden in der Kanalisation über die Stadt verteilt 70 Köderstationen installiert.

Keine Gesundheitsgefahr

Sorgen um die Gesundheit müssen sich Freiburger*innen derweil nicht machen. Ratten können grundsätzlich zwar Krankheiten übertragen, so wie andere Tiere auch. Eine konkrete Gesundheitsgefahr geht, wie das Gesundheitsamt Breisgau-Hochschwarzwald bestätigt, von der Freiburger Rattenpopulation nicht aus.

Veröffentlicht am 30. April 2025