Pressemitteilung vom 24. März 2026
Gemeinderat verabschiedet Ulrich von Kirchbach als Ersten Bürgermeister der Stadt Freiburg aus dem städtischen Dienst
Wer in Freiburg über Kultur, Soziales und Integration spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Ulrich von Kirchbach. Ganze 24 Jahre lang hat er als zuständiger Dezernent und zuletzt als Erster Bürgermeister das soziale und kulturelle Gesicht der Stadt geprägt. Kurz vor seinem 70. Geburtstag trat er heute zu seiner letzten Gemeinderatssitzung auf diesem Posten an – und erhielt viel Applaus und Anerkennung für sein Wirken aus dem Plenum.
„Ulrich von Kirchbach hat in fast zweieinhalb Jahrzehnten die Sozial-, Kultur- und Integrationspolitik Freiburgs wie kein anderer geprägt. Mit seiner Überzeugung, dass Soziales und Kultur zusammengehören und sich gegenseitig stärken können, hat er auf beeindruckende Weise neue Maßstäbe gesetzt. Für sein unermüdliches Engagement, seine klugen Entscheidungen sowie besonderen persönlichen Einsatz und die vertrauensvolle Zusammenarbeit danke ich ihm von ganzem Herzen", so Oberbürgermeister Martin Horn.
Der gebürtige Schwabe studierte nach seinem Abitur 1975 in Esslingen Jura an der Universität Tübingen. Auf die beiden Staatsexamen folgten 1985 sieben Jahre als Leiter des Referats Wasser- und Schifffahrtsrecht beim Regierungspräsidium Freiburg und ein Jahrzehnt als Dezernent beim Landratsamt Rastatt – erst für Umwelt, dann für Schule und Soziales. Zwischen 1999 und 2001 saß Ulrich von Kirchbach zudem als Stadtrat für die SPD im Freiburger Gemeinderat. Im April 2002 wechselte er die Seite: Der Gemeinderat wählte ihn zum Bürgermeister für Soziales, Jugend, Integration und Senioren. Ein Jahr später kam der Kulturbereich dazu. 2010 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters von Freiburg und landete mit knapp 30 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter Amtsinhaber Dieter Salomon. Als Kultur- und Sozialbürgermeister wurde er hingegen noch im gleichen Jahr bestätigt. Eine zweite Wiederwahl folgte 2018, als er zugleich zum Ersten Bürgermeister und Stellvertreter des Oberbürgermeisters bestimmt wurde.
Sozialpolitik
Die Handschrift von Ulrich von Kirchbach zieht sich wie ein roter Faden durch die städtische Sozialpolitik der letzten 24 Jahre. Bereits 2003 setzte er sich für die Eröffnung des Kontaktladens der AWO-Drogenhilfe in der Rosastraße ein. Gut 20 Jahre später wurde dieser 2024 zum Drogenkonsumraum erweitert – und erhielt als zweiter dieser Art in Baden-Württemberg viel Beachtung. Ebenso die beiden Aufenthaltsplätze für
suchtkranke Menschen die im selben Jahr am Colombipark erneuert und an der Stefan-Meier-Straße neu eingerichtet wurden.
Daneben machte sich von Kirchbach für Menschen mit Behinderung stark: Er war Wegbereiter für den Aktionsplan Inklusion (2015) und setzte sich in den 2010er Jahren engagiert für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein. Seit 2008 leitete er die Sitzungen des damals gegründeten Beirats für Menschen mit Behinderungen, welcher die Interessen von rund 25.000 Betroffenen in Freiburg vertritt.
Unter der Regie des Sozialbürgermeisters eröffnete 2012 auch die OASE für wohnungslose Menschen in der Haslacher Straße – eine Anlaufstelle, die das zusammenführte, was zuvor verstreut war: Obdach, Erstberatung und Perspektive. Außerdem gehören der Kältebus und der Hitzebus, getragen vom städtischen Streetwork, dem DRK und Ehrenamtlichen, inzwischen fest zum Freiburger Stadtbild.
In der Psychiatrie- und Pflegepolitik hinterließ von Kirchbach ebenfalls seine Spuren: 2012 war er an der Gründung des Gemeindepsychiatrischen Verbunds beteiligt, der Träger, Leistungserbringer und Betroffene vernetzt. 2019 folgte die Einrichtung der Kommunale Pflegekonferenz, die sich der Infrastruktur im Alter und in der Pflege widmet. Während der Corona-Pandemie organisierte sein Dezernat ab 2021 gezielte Impfaktionen für Menschen mit geringer medizinischer Anbindung.
Die Neukonzeption des Jugendbüros (2004), der Freiburg-Pass (2007), das Sozialticket (2016) und die Neuausrichtung der Quartiersarbeit (2018) finden sich ebenfalls auf Kirchbachs Agenda für mehr soziale Gerechtigkeit. Unter seiner Mitwirkung entstand auch die erste Jugendberufsagentur Baden-Württembergs: 2015 eröffnete „Gleis 25" (heute: Jubag25) als multiprofessionelle Anlaufstelle für 15- bis 25-Jährige – eine Kooperation von Agentur für Arbeit, Jobcenter und Jugendhilfe unter einem Dach. 2024 folgte die Ombudsstelle Jobcenter als unabhängige Beschwerdeinstanz für Bürgergeldempfänger*innen.
Migration und Integration
Die Freiburger Migrations- und Integrationspolitik ist ein weiteres Feld, das Ulrich von Kirchbach in seiner Amtszeit maßgeblich geprägt hat: Um diese zu verbessern und neu auszurichten, übernahm er 2004 die Leitung einer gemeinderätlichen Projektgruppe. Zu den Ergebnissen zählten ein zentrales Leitbild, die Stärkung der Migrationsgremien, sowie die Einrichtung eines Büros für Migration und Integration im eigenen Dezernat. Aus diesem erwuchs 2016 ein eigenes Amt für Migration und Integration. Freiburg zählte damit zu den ersten deutschen Städten, die die Unterbringung, Versorgung, Integration und Ausländerbehörde zentral unter einem Dach bündelten. 2017 kam ergänzend das Kompetenz-Center zur Arbeitsmarktintegration für Zugewanderte hinzu.
Als im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2015/2016 immer mehr Menschen Schutz in Freiburg suchten, koordinierte von Kirchbach einen ämterübergreifenden Kraftakt: In kürzester Zeit sorgte die Stadt für 16 neue Unterkünfte für Geflüchtete. Auch die weitreichenden Herausforderungen des Ukraine-Kriegs mit neuen Flüchtlingszuzügen (ab 2022) und die Neuordnung der Ausländerbehörde (2025) fielen in die Verantwortung seines Dezernats. Sein langjähriges Engagement für geflüchtete Roma aus den Westbalkanstaaten brachten der Stadt 2012 internationale Anerkennung: Von Kirchbach erhielt den MERI-Preis der EU-Kommission für die vorbildliche Arbeitsmarktintegration von Roma. Freiburg war der einzige deutsche Preisträger.
Kulturpolitik
Was in zwei Jahrzehnten unter Ulrich von Kirchbach im Freiburger Kulturbereich gewachsen ist, hinterlässt eine beeindruckende Bilanz: An erster Stelle sind zwei Herzensprojekte des Kulturbürgermeisters zu nennen: Zum einen die Generalsanierung des Augustinermuseums, die von Kirchbach fast seine ganze Amtszeit lang begleitet hat und die nun pünktlich vor seinem Austritt aus dem städtischen Dienst feierlich vollendet wurde. Ein weiterer Meilenstein ist das NS-Dokumentationszentrum, das im vergangenen Jahr nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase eröffnet wurde. Beide Häuser stoßen bis weit über Freiburgs Grenzen hinaus auf großes Interesse und erleben einen anhaltenden Besucherzulauf.
Das 2012 eröffnete Zentrale Kunstdepot zählt ebenfalls zu einem Großprojekt aus der Amtszeit von Ulrich von Kirchbach. In dem hochmodernen Speicherort lagern die Kunst- und Kulturschätze der Städtischen Museen Freiburg, die zuvor über viele Standorte verteilt waren. Als Kulturdezernent hat von Kirchbach auch die Neustrukturierung der Museen initiiert. 2008 wurden die einzelnen Häuser unter einer gemeinsamen Museumsdirektion gebündelt und alle Standorte mit einer Tageskarte verbunden.
Neue Häuser und Formate wurden unter von Kirchbach auch an anderer Stelle eröffnet: 2012 das Ensemblehaus als Probedomizil, 2015 das Südufer als Spielstätte für Tanz und Theater des E-Werks und 2017 das Literaturhaus. In den Startlöchern stehen die neuen, schallgedämmten Bandprobe-Module, die im kommenden Mai im Eschholzpark eröffnen.
Besondere Herausforderungen brachte die Coronapandemie mit sich, in der die Kulturszene ihren Betrieb weitgehend einstellen musste: Ulrich von Kirchbach reagierte mit diversen Unterstützungsangeboten, darunter der Nothilfefonds, die Clubförderung und das Programm „Kunst auf Abstand“. Um die Nachtkultur-, Musik- und Clubszene langfristig zu unterstützen, verstärken inzwischen eine Nachtkulturbeauftragte und ein Popbeauftragter das Team im städtischen Kulturamt.
Daneben ist es Ulrich von Kirchbach gelungen, mit den neu eröffneten Morat-Hallen ein dauerhaftes Zuhause für die Städtische Galerie zu finden – kombiniert mit Angeboten der Freien Szene. Auch den Umzug des Stadtarchivs 2024 in seinen Neubau an der Messe – nach über 60 Jahren im beengten Haus zum Herzog – hat er maßgeblich vorangetrieben. Außerdem hat von Kirchbach auch zentrale kulturpolitische Konzepte unterstützt, darunter den Kulturentwicklungsplan, die Zukunftsstrategie für die Stadtbibliothek oder das Kulturlabor. Nicht zuletzt hob der Tanzpakt Stadt-Land-Bund (2019–2024) die freie Tanzszene auf ein neues Niveau.
Am Theater Freiburg begleitete von Kirchbach ganze fünf Intendanzen sowie die Gründung des Eigenbetriebs 2005. Als Kulturbürgermeister war er eng in die regelmäßigen Zielvereinbarungen eingebunden, die für Planungssicherheit bei Stadt und Theater sorgen. Und natürlich war von Kirchbach auch bei den Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum des Theaters 2010 mit von der Partie. Nicht zuletzt brachte er diverse Sanierungsprojekte auf den Weg, darunter die Bühnentechnik im Großen Haus sowie aktuell die Sanierung des Kleinen Hauses.
Auch abseits der großen Bühnen modernisierte von Kirchbach konsequent: 2010 erhielt die Stadtbibliothek barrierefreie Zugänge und Rückgabeautomaten und das Schulbibliotheksnetz wurde gegründet – heute kommt es auf 40 Standorte. Auch in Sachen Digitales ging es unter Ulrich von Kirchbach voran: Seit 2012 gibt es eine Online-Registrierung, seit 2018 eine Bibliotheksapp und seit 2024 die Möglichkeit, einzelne Stadtbibliotheken in Randzeiten ohne Personal zu nutzen.
Gremien
In seinen 24 Amtsjahren hat Ulrich von Kirchbach nicht nur auf unzähligen Kulturveranstaltungen seine Abende verbracht. Auch die Liste seiner Gremienzuständigkeiten liest sich beachtlich: von Kirchbach war Mitglied in diversen Ausschüssen des Städtetags Baden-Württemberg und Deutschland, im Kommunalverband KVJS sowie in Gremien von Arbeitsagentur, Jobcenter, Studierendenwerk und Stiftungsverwaltung. Außerdem war er im Aufsichtsrat der fqb Freiburg und Vorsitzender des Vereins Sicheres Freiburg, des Landesverbandes Deutscher Bühnenverein, des Centre Culturel Francais Freiburg und des Jugendbildungswerks.
Am 31. März 2026 räumt er nun nicht nur seinen Platz in diesen Gremien, sondern auch auf der Freiburger Bürgermeisterbank. Was bleibt, ist eine Stadt, die sozialer, kulturell vielfältiger und offener geworden ist – nicht zuletzt durch ihn.