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Borga Kantürk, Postcards from Summer Resort, 2011 (Filmstill)

19. Mai bis 30. Juni 2015​

Get Away From It All

Museum für Neue Kunst

Videoprogramm im Schau_Raum

Mit Laure Prouvost, Borga Kantürk, Ani Schulze

Würden Sie, aus Notwendigkeit oder zum Vergnügen, den Mut aufbringen, Ihre Komfortzone zu verlassen, um anderswo zu sein? Get Away From It All spielt als Redewendung darauf an, irgendwo hin zu gehen, wo es vollkommen anders ist als in der gewohnten Umgebung.

Das Videoprogramm im Schau_Raum feiert im Mai und Juni den Sonnenschein, den jahreszeitlich-mentalen Wechsel, entwirft einen Sinn dafür, eine Vorstellung davon an einem anderen Ort zu sein, und versucht, die Empfindungen zu übertragen, die in den gezeigten Videoarbeiten präsent sind. Es geht um die ambivalenten Gefühle in der Kleinstadt, um die Trübsal, die nach der Saison in Ferienorten zurückbleibt, um das Unheimliche von Unorten und die Wonnen der heißen Jahreszeit. Get Away From It All setzt sich mit der Situation auseinander, an einem bestimmten Ort gefangen zu sein, mit der Sehnsucht danach, anderswo zu sein.
 
Das Programm beginnt mit dem verträumten Video Swallow (2013) von Laure Prouvost, das vom 19. bis 31. Mai zu sehen sein wird. Langsam, tief und hörbar Ein- und Ausatmen, der süße Nektar nackter Früchte, orangefarbene Fische im Wasser und nackte Frauen, die Begeisterung eines Wasserfalls, der Duft einer rosa Rose, den Mund öffnen für die Sonne und für die Liebe, Nymphen, Brunnen und Bäume, das Lächeln eines Sommertags, Honig tropft auf strahlende Haut … Das Video ergeht sich in der Vorstellung, man könne einen Schluck vom Sonnenschein nehmen, und die Emotionen, die es vermittelt, lassen das Gefühl aufkommen, man erlebe warme Gefilde.
 
Im zweiten Teil des Programms geht es dann (vom 2. bis 14. Juni) weiter mit der Arbeit Postcards From Summer Resort (2012) des in Izmir lebenden Künstlers Borga Kantürk. Das Video aus 36 vom Künstler aufgenommenen Fotografien spürt der Trostlosigkeit nach, die sich in Provinznestern breit macht, dem Gefühl, in Routinen gefangen zu sein, die mit einem bestimmten Ort verbunden sind, mit der Langeweile ewiger Wiederholungen. Ferienorte, die in der warmen Jahreszeit aufblühen und quicklebendig werden, verwandeln sich in den kühlen Monaten in triste Geisterstädte. Welchen Gebrauch man von der Stadt macht, wandelt sich radikal. Kantürks Fotos zeigen den zartbitteren Charme einer klaustrophoben und doch schönen Stadt.
 
Zum Abschluss von Get Away From It All wird (vom 16. Bis 30. Juni) der Kurzfilm Differences (2014) der Frankfurter Künstlerin Ani Schulze zu sehen sein, ein „Gedicht über bewegte Bilder“. Ein klarer blauer Himmel, die dunkle Silhouette eines Baumes und ein paar Wohnungen – das sind die visuellen Protagonisten in diesem Film. Die Bilder werden begleitet von einem fiktionalen Dialog mit Bezügen zu Fragmenten aus dem Drehbuch von Alexander Kluges Geschichten vom Kino, ein Dialog, der Schulzes Interesse für unvollendete und nie realisierte Filme erkennen lässt. Differences gibt keine Hinweise darauf, wo der Film spielt, das Video lässt an Unorte denken, verwirrt den Betrachter.