7. Wie kann eine ökologisch verträgliche Entwicklung gelingen?

Pflanzen, die durch Pflaster wachsen
Eingriffe in die Natur sollen möglichst ausgeglichen werden (Foto: Th. Gries)

Widerspricht nicht der neue Stadtteil dem Vorrang der Innenentwicklung und hat einen zu großen Flächenverbrauch?

  • Die Stadt schöpft Innenentwicklungspotenziale dort, wo sie städtebaulich sinnvoll sind, aus.
  • Dietenbach minimiert aus regionaler Sicht aber auch den Flächenverbrauch: Da die Bevölkerung durch Geburten und Zuwanderung wächst, würde sich ohne Dietenbach der Siedlungsdruck vermehrt ins Umland richten, und dort aufgrund der ländlichen Strukturen den 2-4-fachen Flächenverbrauch nach sich ziehen!

Wie soll der Eingriff in Natur und Landschaft minimiert und ausgeglichen werden?

  • Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung von Eingriffen in Natur und Landschaft sind bereits in die Planung integriert. So werden zum Beispiel Flächen mit besonders hochwertiger Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen von der Bebauung ausgenommen. Diese Bereiche werden nicht nur erhalten, sondern darüber hinaus weiter aufgewertet.
  • Um den Eingriff in bestehende Biotope im Gewässer Dietenbach so gering wie möglich zu halten, wird der Bachlauf in seiner Form erhalten und die Anzahl künftiger Brücken auf das notwendige Mindestmaß beschränkt.
  • Direkte Wegebeziehungen zum Naturschutzgebiet Rieselfeld und in das Vogelschutzgebiet Mooswald werden ausgeschlossen.
  • Die Grünflächen im neuen Stadtteil Dietenbach werden aus Sicht des Naturschutzes besonders hochwertig gestaltet. Maßnahmen wie den Erhalt geschützter Biotope und die Verwendung einheimischer Gehölze und Pflanzen sind grundlegende Elemente davon.
  • Die attraktiven Frei- und Grünflächen im Plangebiet mindern den Freizeitdruck auf umliegende Schutzgebiete.
  • Um das Wäldchen zwischen Rieselfeld und Dietenbach zu schonen, werden noch alternative Lösungen von K9 Architekten und den Landschaftsplanern in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde entwickelt.

Kann eine ökologisch verträgliche Entwicklung gelingen?

  • Für den neuen Stadtteil wird ein naturschutzfachliches Konzept erstellt, auf dessen Grundlage die nicht vermeidbaren Eingriffe ausgeglichen werden können. Wegfallende Bäume und geschützte Biotope werden an anderen Stellen ersetzt. Entfallende Lebensräume besonders geschützter Arten (z.B. Verlust von Offenlandflächen als Nahrungshabitate für Vogel) werden an anderer Stelle kompensiert. Die im Entwicklungsgebiet liegende 20 ha große Fläche westlich der Straße Zum Tiergehege dient dem Erhalt einiger Lebensraumfunktionen unmittelbar in der Nähe.
  • Die Suche nach Ausgleichsflächen in der Region hat bereits begonnen, um frühzeitig geeignete Flächen zu finden.

Wie steht es um Auswirkungen auf die ökologisch sensiblen Bereiche – Rieselfeld und Mooswald?

  • Um die hochwertigen Schutzgebiete Naturschutzgebiet Rieselfeld und Vogelschutzgebiet Mooswald vor Beeinträchtigungen zu schützen, wird auf neue Wege zwischen diesen Bereichen und Dietenbach verzichtet. Stattdessen ist eine Lenkung von Fußgängern und Radfahrern in weniger sensible Bereiche (Dreisam und Dietenbachpark) sowie in die Naherholungsflächen im neuen Stadtteil vorgesehen.

Wie werden stadtklimatische Aspekte berücksichtigt – auch in Bezug auf die Durchlüftung bestehender Stadtteile wie Weingarten?

  • Die Parkanlagen dienen auch als Frischluftschneisen für den Luftaustausch mit den umliegenden Gebieten. Das „Schachbrettraster“ des Entwurfs ist für die Durchlüftung vorteilhaft
  • Der Wärmeinseleffekt auch in Nachbarschaft zum Rieselfeld wird durch die Ausbildung eines großzügigen Sport- und Freiraumbands vermieden (d.h. Siedlungen und damit Wärmeinseln wachsen nicht zusammen).

Wie sieht das Verkehrs-/ das Mobilitätskonzept aus?

Das Mobilitätskonzept in Dietenbach sieht eine Verzahnung vieler individueller Möglichkeiten vor, um mobil zu bleiben:

  • Eine Stadtbahn in zentraler Lage, die gut erreichbar ist, bildet das Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs. Die Gebietsränder werden durch Busse angefahren, die auch eine direkte Anbindung an andere Stadteile ermöglichen.
  • Ein engmaschiges Fuß- und Radwegenetz ergänzt durch Radvorrangrouten führt hin zu einer Stadt der kurzen Wege.
  • Die Integration von flächendeckenden Mobilitätspunkten die an die E-Mobilitäts-Infrastruktur angebunden ist, bildet das Grundgerüst für verschiedene Angebote die eine Nutzung von bedarfsbezogenen Leihsystemen ermöglicht, ob es jetzt ein Car-Sharing- Auto, ein E-Bike oder z.B. ein Lastenrad ist.
  • Der motorisierte Individualverkehr ist über die Anschlussstelle Lehen und einen Kreisel von der Besançonallee an den neuen Stadtteil angeschlossen. Ein Ringboulevard innerhalb des Gebiets übernimmt die kleinräumige Verkehrsverteilung und ist gleichzeitig die Zufahrt zu den Quartiers-hochgaragen. Dies führt zu einer hohen Aufenthaltsqualität in den Wohnstraßen und Verkehrsberuhigten Bereichen innerhalb des Wohngebiets. Es besteht keine Straßenverbindung für Pkw und Lkw aus dem Rieselfeld – das war ausdrücklicher Wunsch der Rieselfelder in der Bürgerbeteiligung.

Bestehen noch Änderungsmöglichkeiten, z.B. zu einem noch niedrigeren Stellplatzschlüssel?

  • Der Siegerentwurf mit dem Mobilitätskonzept ist ein Entwurf, der bis zum Bebauungsplan fortgeschrieben werden soll. Auch der Stellplatzschlüssel wird daher nochmal überprüft.
  • Die Stadt Freiburg nimmt eine Vorreiterstellung in Baden-Württemberg ein, weil sie als erste Stadt im Land eine generelle Stellplatzsatzung erlassen hat, um auf unterschiedliche Bedürfnisse im sozialen Wohnungsbau, bei Studierendenwohnungen oder speziellen Mobilitätskonzepten zu reagieren. Ein europaweites Projekt soll auch Möglichkeiten untersuchen, wie der „ruhende Verkehr“ im neuen Stadtteil weiter reduziert werden kann.

Die Anbindung an die Stadtbahn soll über die Linie 5 und das Rieselfeld erfolgen. Wird die Führung der Straßenbahn alternativ oder auch zusätzlich direkt zur Paduaallee in Erwägung gezogen?

  • Verschiedene Straßenbahn-Varianten wurden vorläufig geprüft. Die Verlängerung der Linie 5 über die Endhaltestelle „Bollerstaudenstraße“ hat sich dabei als die möglicherweise beste Variante herausgestellt. Eine vertiefte Alternativenprüfung muss noch in dem Bebauungsplanverfahren stattfinden, bevor die Trasse abschließend festgelegt werden darf. Folgende Erkenntnisse liegen bisher vor:
    • Es wären zwei Brückenbauwerke über die Dreisam und den Zubringer Mitte erforderlich, die über einen engen Korridor zwischen Kleingärten und Umspannwerk mit möglichen Konflikten der dortigen Hochspannungsleitungen miteinander verknüpft wären. Es muss eine Länge von ca. 300m überspannt werden, hinzu kommen noch die Rampenbauwerke. Diese Bauwerke nehmen viel (private) Fläche in Anspruch und sind sehr teuer (Investitionskosten plus Betriebs-/ Wartungskosten). Zudem würden weitere kleine Brückenbauwerke, die den Dietenbach und den Mühlbach queren, erforderlich.
    • Aufgrund der Komplexität des Verfahrens wäre die Stadtbahnerschließung des neuen Stadtteils nicht für den ersten Bauschnitt leistbar, sondern würde deutlich später erfolgen als bei der Verlängerung aus dem Stadtteil Rieselfeld.
    • Städtebaulich wäre die Eingangssituation aufgrund der isolierten Lage der Stadtbahnachse sowie der zu überwindenden Höhenunterschiede (Brücke über Zubringer und 6m hohe Lärmschutzwand/-wall mit anschließenden Rampen) schwer zu integrieren. Eine Trennwirkung im Bereich der Rampen wäre die Folge.
    • Nachteilig ist auch das „Flügeln“ der Linien zu bewerten, das eine Taktverschlechterung für den Stadtteil Landwasser zur Folge hätte.
    • Um perspektivisch eine Anbindung an die Paduaallee offen zu halten, kann im Bebauungsplan eine Vorhaltetrasse gesichert werden, die eine Ringerschließung mit der Linie aus dem Rieselfeld ermöglicht. Die Strukturen des jetzigen Entwurfs lassen das zu. Für eine Vorhaltetrasse bietet sich insbesondere der direkte neue Radweg durch das Gebiet mit der geplanten Brücke über die B31a und neuem Anschluss an das Radvorrangnetz an der Dreisam an. Diese Achse verläuft direkt vom Marktplatz bis zur B31a. Die Vorhaltetrasse kann nördlich der Dreisam über unbebaute Flächen des Bebauungsplans im Zinklern weitergeführt werden.
    • Eine verbesserte Anbindung der Straßenbahnlinie Rieselfeld/Dietenbach ist durch längere Straßenbahnzüge, eine Verkürzung des Taktes sowie durch eine Streckenführung über Weingarten/RIS/Hauptbahnhof möglich. Zudem können Menschen aus dem Stadtteil Rieselfeld mit der Stadtbahn auch die Infrastruktur des Stadtteils Dietenbach gut erreichen.

Welche Rolle spielt die Elektromobilität? Kommen Elektrobusse?

  • Die E-Mobilität wird während der Entwicklung des Gebiets mehr und mehr in den Fokus geraten. Deshalb wird eine hohe Priorität in den Aufbau der E-Mobilitäts-Infrastruktur gelegt (z.B. Ladepunkte in Quartiersgaragen, sowie Ladestationen an Mobilitätspunkten).
  • Auch die Busse werden mehr und mehr auf Elektrobusse umgestellt werden. Es wird davon ausgegangen dass bis 2030/2040 höchstwahrscheinlich alle Busse auf Elektrobetrieb umgestellt sind.
  • Somit dürfte der neue Stadtteil mittelfristig kaum Luftschadstoffe aus dem Verkehr und weniger Verkehrslärm haben.