Erfolgte Umbenennung

Heinrich-Rosenberg-Platz (ehemalig Ludwig-Aschoff-Platz)

Datum der Benennung

19.12.1950

Damalige Begründung der Benennung

Erster Vorschlag nach der Beerdigung Aschoffs von Seiten des Direktors der Kinderklinik, Professor Noeggerath, der nach Wiederaufbau der Kliniken 1949 wieder aufgegriffen wurde. Auf Eingabe der Medizinischen Fakultät, des Breisgauer Turnvereins und Familienangehöriger vom Gemeinderat beschlossen.


Name, Vornamem Beruf, Funktion oder Amt:

Ludwig Aschoff (1866-1942). 1906-1935 Professor für Pathologie in Freiburg.


Kurzbiographie

In der Person Ludwig Aschoffs bündeln sich beispielhaft für viele deutsche (und auch ausländische) Mediziner seiner Generation Denken, Forschen und politisches Handeln in rassenhygienisch, völkisch-nationalen Kategorien. Seine Forschungen verstand er immer als einen Beitrag zur Reinheit und Stärkung des deutschen Volkes, Krieg und Heldentod als Brennpunkt aller großen sittlichen und körperlichen Kräfte. Seine pathologischen Forschungen und seine rassenhygienischen Vorstellungen standen untrennbar miteinander in Wechselwirkung. Aschoff übernahm 1906 den Lehrstuhl für pathologische Anatomie an der Freiburger Universität, den er bis zu seiner Emeritierung 1935 innehatte. Seit seinen Studien zum Reizleitungssystem des Herzens galt er als einer der bedeutendsten Pathologen seiner Zeit. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zum obersten beratenden Armeepathologen bestellt. Er vermochte nun in der frontnahen Stadt Freiburg junge, gesunde Gefallene, deren plötzlicher Tod nach Verletzungen häufig unerklärlich war, zu sezieren und deren Anpassungsfähigkeit an die Kriegssituation zu bestimmen. Der Krieg galt ihm als Experiment für das Volk, die Konstitution von Individuum und Volkskörper wurden von ihm in direkten Zusammenhang gebracht. Aschoff gilt daher zu Recht als Vater der ‚Konstitutionspathologie‘. Da Aschoff Schüler aus aller Welt um sich versammelte, bereiste er auf deren Einladung viele Länder, u.a. 1932 auch Japan. Japanische Pathologen, in Freiburg ausgebildet, entwickelten dann auch die Forschungen ihres Lehrers ab 1932 in massenhaften tödlichen Menschenversuchen an chinesischen Kriegsgefangenen weiter. Die nationalsozialistische Machtübernahme begrüßte er im Sinne seiner Forschungen als nationale Bewegung des auf Reinheit und Sachlichkeit ausgerichteten wirklichen Deutschtums, trat indes nicht in die Partei ein. Die Gesellschaft und die Universitäten erschienen ihm sehr stark ‚verjudet‘, sodass er eine Säuberung für unbedingt notwendig erachtete. Dennoch war Aschoff kein glühender Antisemit, sondern teilte wie die Masse seiner Medizinerkollegen antijüdische Vorurteile aufgrund rassenspezifischer Vorstellungen. Der Freiburger Filiale der deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene war er bereits 1913 beigetreten. Als bedeutender deutscher Wissenschaftler, der noch dazu im Sinne des Regimes ('Wiederwehrhaftmachung' des deutschen Volkes) forschte, wurde er von der Partei hofiert. Kurz vor seinem Tode erhielt er die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die ‚Goethe-Medaille’, von Hitler.


Begründung

Aschoff war das Bindeglied zwischen den nationalkonservativen alten Eliten und den neuen Machthabern. Als Doyen der deutschen Pathologie muss er als Wegbereiter für die Verbreitung völkisch-rassistischer Ideen gelten. Seine (weltweite) geistige Beeinflussung jüngerer Kollegen steht außer Frage wie seine Stützung der nationalsozialistischen Herrschaft. Hauptquelle ist der (ehemalige) Freiburger Medizinhistoriker Cay-Rüdiger Prüll mit seiner Publikation 'Ludwig Aschoff (1866-1942): Wissenschaft und Politik in Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus. Die Freiburger Medizinische Fakultät in der Weimarer Republik und im ‘Dritten Reich’” (2002).


Empfehlung

Die Kommission hat sich einstimmig für eine Umbenennung des Ludwig-Aschoff-Platzes ausgesprochen.


Vorschlag

Die Kommission hat unverbindlich vorgeschlagen: Bei der Umbenennung könnte das den Platz beherrschende Friedrich-Gymnasium einbezogen werden, etwa im Sinne eines in der Oberstufe angesiedelten historischen (Forschungs-)Projektes.

Die Verwaltung schlägt vor, den Ludwig-Aschoff-Platz nach dem jüdischen Schüler des Friedrich-Gymnasiums Heinrich Rosenberg zu benennen. Heinrich Rosenberg war aufgrund seiner jüdischen Herkunft ab 1938 vom Schulbesuch des Friedrich-Gymnasiums ausgeschlossen, 1940 nach Gursdeportiert und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden.
Heinrich Rosenberg steht seit 2018 auf Vorschlag des Schulleiters des Friedrich-Gymnasiums, Dr. Stefan Gönnheimer, auf der Vormerkliste. Da Heinrich Rosenberg in Freiburg lebte und hier zur Schule ging, ist der Freiburg-Bezug gewährleistet. Aufgrund seines Schicksals wird bei einer Benennung nach seinem Namen die Würdigung von Opfern staatlicher Willkür geradezu exemplarisch erfüllt.

Umbenannt in: (Gemeinderatsbeschluss vom 03.03.2020)

Heinrich-Rosenberg-Platz
Heinrich Rosenberg, 1923-1942. Ab 1938 Verwehrung des Schulbesuchs im Friedrich-Gymnasium aufgrund der jüdischen Abstammung. 1940 Deportation in das Internierungslager Camp de Gurs. 1942 Ermordung im Konzentrationslager in Auschwitz.

Zusatzschild:
Dieser Platz war von 1950-2020 nach dem Professor für Pathologie Ludwig Aschoff benannt. Die Umbenennung erfolgte, da er als Wegbereiterfür die Verbreitung völkisch-rassistischer Ideen gilt und aufgrund seiner Stützung der nationalsozialistischen Herrschaft.