Das 1 x 1 der Photovoltaik

Wie funktioniert’s?

Wie funktioniert’s?

Eine PV-Anlage erzeugt aus Sonnenlicht Strom. Genauer gesagt produzieren die auf einem Dach oder an einer Fassade montierten Module Gleichstrom. Bis vor einigen Jahren war es üblich, dass dieser Gleichstrom von einem Wechselrichter in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt und ausschließlich ins öffentliche Netz eingespeist wird. Dabei registriert ein Einspeisezähler, wie viel Strom der Wechselrichter einspeist, denn der Energieversorger vergütet den eingespeisten Strom nach den im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) festgesetzten Sätzen.

Mittlerweile ist der Strom aus einer Photovoltaik-Anlage günstiger als aus der Steckdose. Damit lohnt sich auch der Eigenverbrauch. Wie die Erfahrung zeigt, kann trotzdem oft nur ein Drittel des Solarstroms direkt verbraucht werden. Batteriespeicher (Lithium- oder Bleiakkus), die den am Tag erzeugten Strom über den Abend hinaus bis zum nächsten Morgen speichern, können diesen Eigenverbrauch mehr als verdoppeln, weil der selbst produzierte Strom auch zu den lichtschwachen Zeiten zur Verfügung steht. Interessant ist, dass auch bestehende Anlagen nachgerüstet werden können.

Je nach Nutzungskonzept, Leistung der Anlage und Stromverbrauch empfehlen die Anbieter Speichergrößen von zwei bis 20 Kilowattstunden Energieinhalt. Dabei beanspruchen die Blechgehäuse maximal den Platz einer Waschmaschine mit aufgestapeltem Wäschetrockner. Allerdings muss bei einem Batteriespeicher trotz Förderung die Wirtschaftlichkeit im Einzelfall berechnet werden. Günstig ist eine Kombination von Photovoltaik mit Wärmepumpen, da mit diesen der Eigenverbrauch gesteigert werden kann.

Quelle: Agentur für erneuerbare Energien. Berlin

Beitrag zum Klimaschutz

Beitrag zum Klimaschutz

Die Kohlendioxid-Einsparungen hängen vom Standort und von der eingesetzten Technik ab, beispielsweise ob es sich um kristalline oder polykristalline Zellen handelt. Als grober Richtwert kann bei einer Anlage mit drei Kilowatt Leistung mit einer Einsparung von 1,4 Tonnen Kohlendioxid im Jahr gerechnet werden. Nach 20 Jahren summiert sich das auf 28 Tonnen Kohlendioxid. Zum Vergleich: Im Durchschnitt erzeugt ein Mensch in Deutschland 10 Tonnen Kohlendioxid jährlich. 1,4 Tonnen entsprechen in der Kohlendioxid-Bilanz etwa 430 Liter Öl oder 2.200 Kilowattstunden Strom. Ein durchschnittlicher 2-Personen-Haushalt verbraucht ungefähr 2.700 Kilowattstunden im Jahr.

Immer wieder wird behauptet, dass die Produktion von Photovoltaik-Modulen mehr Energie verbraucht, als sie im Zuge ihrer Lebensdauer einspielen kann und somit ein Energievernichter sei. Das ist nicht korrekt. Richtig ist, dass es je nach Standort und Modultyp zwischen acht und ca. 24 Monaten dauern kann, bis sich die Anlage energetisch amortisiert hat. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE gibt an, dass die Energierücklaufzeit für Solaranlagen in unseren Breiten etwa zwei Jahre beträgt. Bei einer Lebensdauer im Bereich von 20 - 30 Jahren heißt das, dass eine Solaranlage mindestens zehn Mal mehr Energie erzeugt als zu ihrer Herstellung benötigt wurde.

Wie sind die baulichen Voraussetzungen?

Wie sind die baulichen Voraussetzungen?

Zunächst einmal muss ein Dach die zusätzliche Last der Solarmodule und des Montagesystems statisch tragen können. Vor allem bei Flachdächern ist das von Bedeutung. Weiterhin sollte in den nächsten 20 bis 25 Jahren keine Dachsanierung anstehen, damit die Anlage nicht wieder demontiert werden muss. Schließlich müssen bei denkmalgeschützten Häusern die Solarmodule genehmigt werden. Dabei spielen unter anderem der Denkmalwert des Gebäudes, die Größe der Anlage und die farbliche Gestaltung der Dachfläche eine Rolle.

Für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage entscheidend sind die Ausrichtung der PV-Anlage und die Dachneigung. Bei Schrägdächern ist beides baulich vorgegeben. Deutlich größere Auswirkung haben allerdings ertragsmindernde Verschattungen, beispielsweise durch Bäume oder benachbarte Gebäude. Auf statisch geeigneten Flachdächern werden die Solarmodule mithilfe von Montagesystemen im geeigneten Neigungswinkel aufgeständert.

Am besten sind die Solarmodule, die von Süd-West nach Süd-Ost ausgerichtet sind. Dächer, die weiter nach Osten oder Westen ausgerichtet sind, können aber immer noch respektable Ergebnisse erwirtschaften. So bringen exakt nach Osten oder Westen ausgerichtete Anlagen mit einer Dachneigung von 10 Grad im Jahresdurchschnitt immer noch einen Großteil der Leistung einer optimal nach Süden ausgerichtete Anlage mit optimaler Dachneigung. Für die Eigenstromnutzung sind nicht komplett nach Süden ausgerichtete Module sogar tendenziell besser, da Stromproduktion gleichmäßiger über den Tag verteilt ist. Eine erste Abschätzung, ob Ihr Dach geeignet sein könnte, erhalten sie mit Hilfe des kostenlosen städtischen Angebots FreeSun.

Mehr Wirtschaftlichkeit durch Eigenstromversorgung

Mehr Wirtschaftlichkeit durch Eigenstromversorgung

Mit der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung des EEG alleine lassen sich Photovoltaik-Anlagen derzeit kaum noch wirtschaftlich realisieren. Die Einspeisevergütung wird monatlich angepasst und richtet sich nach der in Deutschland in den zwölf Vormonaten insgesamt installierten Leistung. Die Höhe der EEG-Vergütung, die ein Anlagenbetreiber erhält, bemisst sich nach dem Monat der Inbetriebnahme und bleibt für 20 Jahre konstant. Im Juli 2014 lag die Vergütung bei Dachanlagen mit einer Leistung unter zehn Kilowatt bei 12,88 Cent pro Kilowattstunde. Je nach weiterem Zubau der Photovoltaikleistung in Deutschland und je nach Regelung des novellierten EEG wird sich die Vergütung im Laufe des Jahres 2014 weiter ändern. 

Auf die Rendite drückt zusätzlich, dass bei Anlagen von 10 bis 1.000 Kilowatt Leistung nur 90 Prozent des erzeugten Stroms mit dem vollen Einspeisetarif vergütet wird, die verbleibenden 10 Prozent zum deutlich niedrigeren Börsenpreis. Mit der 90-Prozent-Regelung will der Gesetzgeber einen Anreiz dafür schaffen, dass der Strom im Haus verbraucht oder vermarktet wird. Das ist lukrativ, da der Börsenpreis in der Regel deutlich unter dem Einkaufspreis von Netzstrom liegt. Wichtig dabei ist, dem Netzbetreiber rechtzeitig die gesamte Stromerzeugung mitzuteilen, da sonst nur 90 Prozent des eingespeisten Stroms, nicht aber 90 Prozent des tatsächlich erzeugten Stroms vergütet werden.

Seitdem das neue EEG in Kraft getreten ist (1. August 2014) muss allerdings auch für den Strom, den man in der PV-Anlage erzeugt und selbst im Haus nutzt, ein Teil der EEG-Umlage bezahlt werden: Bei Inbetriebnahme bis Ende 2015 fallen 30%, bis Ende 2016 35% und danach 40% der jeweiligen EEG-Umlage an. Bei Anlagen unter 10 Kilowatt Leistung können 10.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr ohne die Zahlung einer EEG-Umlage genutzt werden können. Für jede weitere Kilowattstunde würden die oben genannten Anteile der jeweiligen EEG-Umlage fällig. Weitere Informationen zur EEG-Reform finden Sie hier.

Nutzt der Anlagenbetreiber das Gebäude nicht selbst, wie das bei Wohneigentümergemeinschaften der Fall sein kann, ist es möglich, den Solarstrom an die Mieter zu verkaufen. Mit ihnen wird ein Preis vereinbart, der zwar über der EEG-Vergütung, aber unter dem normalen Einkaufspreis für Netzstrom liegt. Anders als beim „echten“ Eigenverbrauch müssen zwar Mehrwertsteuer und die EEG-Umlage abgeführt werden, die anderen Umlagen entfallen aber. Mit diesem unter dem Begriff Direktverbrauch bekannten Modell machen derzeit vor allem Energiegenossenschaften erste Erfahrungen. Noch ungeklärt ist, ob dabei auch Pflichten eines Energieversorgers erfüllt werden müssen, bei denen es sich meist um einmal jährlich zu erledigende Aufgaben handelt, zum Beispiel die Meldung der gelieferten Energiemenge an den Übertragungsnetzbetreiber.

Andere Modelle, den nicht über das EEG vergüteten Solarstrom zu vermarkten, scheiden derzeit aus unterschiedlichen Gründen aus. Die Direktvermarktung an Großkunden, bei der der Strom über das Netz geleitet wird, ist zu aufwändig. Für Stromhändler lohnt sich dieser Aufwand erst bei größeren Anlagen ab einem Megawatt. Die Vermietung einer PV-Anlage an die Mieter ist rechtlich umstrittenen. Und der Verkauf des Stroms an einen Energieversorger ist für diesen wirtschaftlich uninteressant, solange der Preis über dem Börseneinkaufspreis für Solarstrom liegt.

Wichtig: Da die gesetzlichen Reglungen und rechtlichen Auslegungen insbesondere zur EEG-Umlage beim "In-House-Verkauf" des Stroms in naher Zukunft vermutlich wieder ändern werden, ist es in jedem Fall ratsam, sich bei der Ausgestaltung der vertraglichen Grundlagen rechtlichen Beistand zu holen.

Welche Förderungen und Finanzierungsinstrumente gibt es?

Welche Förderungen und Finanzierungsinstrumente gibt es?

Wer eine Photovoltaik-Anlage errichten will, kann bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Darlehen im Rahmen des Programms "Erneuerbare Energien" beantragen. Zusätzlich zum zinsgünstigen Darlehen gibt es für Batteriespeicher bei netzgekoppelten Anlagen bis 30 Kilowatt einen bis zu 30-prozentigen Tilgungszuschuss. Pro Kilowatt Leistung gibt es maximal 600 Euro. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

In Baden-Württemberg werden die zinsgünstigen KfW-Darlehen zusätzlich verbilligt, wenn der Antrag über die staatliche L-Bank erfolgt. Informationen zu dem speziell für Wohnungseigentümergemeinschaften finden Sie hier. Für ihre Kunden bieten außerdem die regionalen Energieversorger Badenova und Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Zuschüsse an.