Pressemitteilung vom 31. Mai 2022

Neue Ausstellung im Museum Natur und Mensch: Handle with care – Sensible Objekte der Ethnologischen Sammlung

 Koloniale Raubkunst, kulturelles Erbe und Provenienzforschung: Ethnologische Museen stehen in den letzten Jahren wie nie zuvor im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit. Das Museum Natur und Mensch stellt sich seit längerem der eigenen Verantwortung und zeigt nun auch in einer Ausstellung, wie herausfordernd der Umgang mit sensiblen Kulturgütern ist: „Handle with care – Sensible Objekte der Ethnologischen Sammlung“ läuft von Mittwoch, 1. Juni, bis Sonntag, 22. Januar. Parallel widmet sich eine Sonderausstellung in der Ausstellungshalle des Augustinermuseums ab Samstag, 25. Juni, dem Thema „Freiburg und Kolonialismus: Gestern? Heute!“.

Was macht ethnologische Sammlungen und ihre Objekte sensibel? Betroffen sind viele Aspekte: Wie kamen die Exponate in die Sammlung? Wem gehörten sie ursprünglich? Was ist ihre kulturspezifische Bedeutung? Und wie gehen wir heute mit ihnen um? „Handle with care“ zeigt, welche ethischen und praktischen Fragen das Museum Natur und Mensch bei der Aufarbeitung seiner Objekte beschäftigen. In drei Themenräumen widmet sich die Ausstellung diesen Aufgabenfeldern.

Der erste Raum zeigt auf, was Objekte aus historischer Sicht und im kolonialen Kontext sensibel macht. Der Aufbau von ethnologischen Sammlungen in Deutschland ist eng mit dem deutschen Kolonialismus verknüpft – auch in Freiburg: Kolonialbeamte, Missionare, Händler, Forscher und Reisende haben dem Museum Objekte gestiftet oder verkauft. Wie eine Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften aussehen kann und was die Objekte heute für sie bedeuten, zeigen zwei Kooperationsprojekte mit den Marshallinseln und des Haida Gwaii Museums in Kanada auf.

Auch die konkreten Erwerbsumstände machen Objekte sensibel. Einige von ihnen wurden gekauft oder getauscht – andere bei sogenannten Strafexpeditionen geraubt oder durch Gewalt angeeignet. Werden sie zurückgegeben? Die Besuchenden erfahren am Beispiel von Bronzeobjekten aus dem früheren Königreich Benin, wie das Museum Natur und Mensch mit dem Thema Restitution, also der Rückgabe von Kulturgütern, umgeht.

Ein weiterer Raum legt den Fokus auf die kulturspezifische Bedeutung von Objekten und deren Einfluss auf die Ausstellungs- und Sammlungsarbeit. Manche Objekte können in den Herkunftsgesellschaften zum Beispiel nur von eingeweihten Personen genutzt werden. Anderen wird eine magische Kraft zugeschrieben oder sie dürfen nur in speziellen Situationen getragen werden. Was bedeutet dies für die Arbeit im Museum? Exponate aus Australien, Venezuela und Papua-Neuguinea verdeutlichen, dass bestimmte Objekte für die Herkunftsgesellschaften mehr sind, als ein bloßes Ding.

Das dritte und besonders sensible Themenfeld beschäftigt sich mit dem ethischen Umgang mit menschlichen Überresten und Abbildern. Warum ist die Präsentation von Figurinen oft problematisch? Und was macht historische Fotografien sensibel? Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie diese Sammlungsbestände mit der deutschen Kolonialherrschaft zusammenhängen und wie Museen verantwortungsvoll mit ihnen umgehen können. An einer Mitmachstation lässt sich die eigene Haltung zu den Themen der Ausstellung hinterfragen.

 Projektleiterin und Kuratorin der Ausstellung „Handle with care“ ist Stefanie Schien, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Natur und Mensch.

Interdisziplinäre Bildungsangebote, Veranstaltungen und Führungen begleiten die Sonderausstellung. Schulklassen und Interessierte sind eingeladen, sich tiefer mit Themen wie Rassismus und kolonialen Strukturen, die uns bis heute prägen, auseinanderzusetzen oder Einblicke in die Praxis der Provenienzforschung zu erhalten. Angelika Zinsmaier, Referentin für Kulturvermittlung, und Peter Geißler, Referent für Naturvermittlung, haben das Programm für diese und die parallel laufende Ausstellung „Freiburg und Kolonialismus“ im Augustinermuseum gemeinsam konzipiert. Den Leitlinien zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) der UNESCO folgend, gibt es wertvolle Impulse für das zukünftige, globale Zusammenleben. Kooperationspartner ist das Informationszentrum 3. Welt (iz3w) des Vereins Aktion Dritte Welt. Die Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg fördert das Programm. Alle Veranstaltungen und weitere Infos zu den Ausstellungen gibt es unter freiburg.de/handle-with-care und freiburg.de/kolonialismus.

Öffnungszeiten, Eintritt und Zugangsregeln
Das Museum Natur und Mensch ist dienstags von 10 bis 19 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Kinder und junge Erwachsene unter 27 Jahren, Mitglieder des Freundeskreises und mit Museums-Pass-Musées ist der Eintritt frei.

Veröffentlicht am 31.05.2022