Förderung durch Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Museum Natur und Mensch weitet Provenienzforschung aus

Das Freiburger Museum Natur und Mensch vertieft die Provenienzforschung zur Herkunft von Objekten der Ethnologischen Sammlung. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste unterstützt das Vorhaben mit der Förderung einer Stelle. Das Projekt ist Teil des Förderbereichs „Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“. Seit Juli ist dafür der Ethnologe Godwin Kornes am Museum tätig.

Die Ethnologische Sammlung des Museums Natur und Mensch verwahrt fast 3.000 Objekte aus Ozeanien. Mehr als 1.200 Ethnografika aus dieser Sammlung sind im Zeitraum der deutschen Kolonialherrschaft in Ozeanien ans Haus gekommen. Ein bedeutender Bestand ist dabei auf das Sammler-Ehepaar Eugen und Antonie Brandeis zurückzuführen.

Der ehemalige kaiserliche Landeshauptmann Eugen Brandeis und seine Ehefrau Antonie hatten vor allem auf den Marshallinseln und Samoa insgesamt 279 Objekte zusammengetragen. 1901 vermachten sie dieses Konvolut dem damaligen Museum für Natur- und Völkerkunde.

Ziel des geförderten Projekts ist es, die Herkunft der Objekte aus der Sammlung Brandeis zu erforschen – gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus den Urhebergesellschaften, aus denen die Objekte stammen. Zudem soll das Leben und die Sammlungstätigkeit von Eugen und Antonie Brandeis aufgearbeitet werden. Besonders die Rolle Antonies gilt es zu beleuchten. Sie hat den Großteil der Sammlung verantwortet, in ihrer Rolle als Sammlerin stand sie jedoch weitgehend im Schatten ihres einflussreichen Mannes.

„Wir möchten unseren Beitrag zur Aufarbeitung des Kultur- und Sammlungsgutes aus kolonialen Kontexten leisten. Das bedeutet vor allem, das Handeln kolonialer Akteure in den Blick zu nehmen und schließlich die eigene Sammlung neu zu bewerten“, so Tina Brüderlin, Leiterin der Ethnologischen Sammlung.

Das Museum Natur und Mensch freut sich ausdrücklich über Informationen und Hinweise seitens der Öffentlichkeit, was das Leben von Eugen und Antonie Brandeis, ihren Sammlungstätigkeiten und Verbindungen zu Freiburg betrifft. Ansprechpartner ist der Projektleiter Godwin Kornes, zu erreichen unter der Telefonnummer 0761 / 201-2542 oder per Mail an godwin.kornes@stadt.freiburg.de.

Veröffentlicht am 17.08.2020
 
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