Ergebnis der Befragung: Mehr Rücksicht und weniger Selbstüberschätzung sind gefragt.

Die Risiken des eigenen Verhaltens werden oft falsch eingeschätzt. Das legen die Ergebnisse einer Befragung nahe, die das Garten und Tiefbauamt (GuT) und die Polizeidirektion Freiburg gemeinsam in Auftrag gegeben hatten.

Ziel war es, mehr über die Einstellungen und Regelkenntnisse der Radler und Autolenker in Freiburg herauszufinden. Denn für die Verkehrssicherheit ist nicht nur die Infrastruktur wichtig, sondern auch das Verhalten der Nutzer.

Befragt wurden im letzten Sommer sowohl Radfahrer als auch Autofahrer, sind letztere doch bei über der Hälfte der Radfahrunfälle beteiligt, sogar bei rund zwei Drittel der Unfälle zwischen diesen beiden die Verursacher. Polizei und GuT versprechen sich davon verlässliche Grundlagen über die Verhaltensursachen und damit Ansatzpunkte für die Präventionsarbeit.

Die häufigsten Ursachen für Radunfälle spiegeln sich auch in den Befragungsergebnissen wieder: 42 Prozent der befragten Autofahrer räumten ein, dass sie nicht immer vor dem Rechtsabbiegen nach hinten schauen. Dieses Verhalten ist die mit Abstand häufigste Ursache von Verletzungen bei Radfahrern durch Autofahrer. 58 Prozent geben an, nicht immer beim Öffnen der Autotür auf Radfahrer zu achten.

Von den Radlern geben sogar fast 90 Prozent zu, den Radweg auch entgegen der vorgeschriebenen Richtung zu benutzen. Dabei haben Geisterradler - wie eine andere Studie herausfand - ein bis zu zehnfach höheres Unfallrisiko als Radler auf der richtigen Seite. Mehr als drei Viertel der Radler fahren schon mal ordnungswidrig auf dem Gehweg, über zwei Drittel missachten rote Ampeln, zwei von fünf Radfahrern fahren nachts ohne Licht. Eine nicht unerhebliche Minderheit der befragten Radler in Freiburg hat Spaß an riskantem Fahren (17 Prozent) und befolgt Regeln eher lax (24 Prozent), dies gaben insbesondere studierende oder berufstätige Männer unter 35 Jahren an. Eine wichtige Erkenntnis der Befragung: Radfahrer übertreten die Regeln seltener, je mehr sie der Meinung sind, dass die Einhaltung von Regeln einen Gewinn an Sicherheit bringt.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung verwundert nicht: Wer eine höhere Risikobereitschaft hat oder eine stärkere Neigung, Regeln zu missachten, läuft eher Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden. Ein Drittel der Radfahrer und ein Sechstel der Autofahrer hatten schon einen und mehr Unfälle, drei Viertel aller Befragten hatten Beinaheunfälle. Paradoxer Befund: Wer einen Unfall erlebt hat, ändert nicht unbedingt das Verhalten. Wer an einem Unfall beteiligt ist, führt das scheinbar selten auf das eigene Fehlverhalten zurück. Hier sehen die Stadt und Polizei einen wichtigen Ansatzpunkt: Den Menschen auf den Straßen muss klar werden, dass riskantes Verhalten auch Folgen hat. Bisher denken zu viele: 'Mir passiert nichts, ich habe alles unter Kontrolle'. Deutlich über 500 verletzte Radler in jedem der letzten Jahre widerlegen dies schmerzlich.

Aber auch positive Ergebnisse wurden erfragt: Die Regelkenntnis ist allgemein recht hoch, Radfahrer schneiden dabei etwas besser als Autofahrer ab. So wissen etwa mehr als die Hälfte der Autofahrerinnen und Autofahrer nicht, dass Radler an einer roten Ampel rechts an den wartenden Fahrzeugen grundsätzlich vorbei fahren dürfen - natürlich nur wenn genug Platz ist und nie im Toten Winkel. Ein Verhalten, dass also zulässig ist, oft aber Aggressionen bei den „Überholten“ verursacht.

Abgesehen von der genannten Risikogruppe besitzt eine deutliche Mehrheit der Radfahrer eine „grundsätzlich bejahende Grundhaltung zu Verkehrsregeln“ und sieht in deren Einhaltung einen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Außerdem hat die Studie ergeben, dass Regeln eher eingehalten werden, wenn sie auch verstanden werden.

Insgesamt lautet deshalb das Fazit der Auswertung, dass erfolgversprechende Ansatzpunkte für mehr Verkehrssicherheit vor allem darin liegen, die Sinnhaftigkeit von Regeln für die Verkehrssicherheit und damit für die eigene Gesundheit und die der anderen zu vermitteln. Dabei soll vor allem die emotionale Ebene angesprochen werden. Wichtig sei es außerdem, die gegenseitige Rücksicht zu verstärken: Nur ein Viertel der Auto- und Radfahrer haben den Eindruck, dass davon ein hohes Maß vorhanden sei.

Die im Rahmen der Befragung abgegebenen Anmerkungen zu konkreten örtlichen Missständen wurden von der Stadtverwaltung ausgewertet und werden, soweit möglich, im Rahmen der laufenden Maßnahmen berücksichtigt.

Die Untersuchungsergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für vorbereitende Überlegungen zu einer Kommunikationskampagne zur Radverkehrssicherheit, deren Durchführung die Stadtverwaltung für das kommende Jahr anstrebt, sofern hierfür eine Finanzierungsmöglichkeit gefunden werden kann.

Aber auch kurzfristig ziehen Stadtverwaltung und Polizei Konsequenzen aus den Ergebnissen der Befragung und den anderen Untersuchungen: Neben den laufenden Umgestaltungen der Infrastruktur sollen noch dieses Jahr zwei typische Verhaltensweisen thematisiert werden, die oft zu Unfällen führen: So soll das Gefahrenbewusstsein von „Geisterradlern“ mit deutlichen Hinweisen an den typischen Stellen geschärft werden. Und Autofahrer sollen darauf hingewiesen werden, dass in der „Stadt der Radler“ die sprichwörtliche „Rücksicht“ (nicht nur) beim Abbiegen gefragt ist.

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