#StolenMemory

Ausstellung im NS-Dokuzentrum

#stolenmemory Ausstellung
NS-Dokuzentrum zeigt Ausstellung zur Geschichte von KZ-Inhaftierten (Foto: Johanna Groß)

Was war den Menschen an Besitz geblieben, die von den Nazis verhaftet und in Konzentrationslagern interniert wurden? Und gelingt es heute noch, diese Erinnerungsstücke an die Familien der Opfer zurückzugeben? Diesen Fragen widmet sich die Open-Air-Wanderausstellung „#StolenMemory“, die auf Einladung des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus ab 25. August Station in Freiburg macht.

Eheringe, Erinnerungsfotos, Füller, Brieftaschen..., die Nationalsozialisten nahmen ihren Opfern bei der Verhaftung alle persönlichen Sachen ab. Einige Tausend dieser „Effekten“ genannten Gegenstände aus den Konzentrationslagern gibt es noch. Die Kampagne „#Stolen-Memory“ der Arolsen Archives sucht die Familien dieser Opfer und gibt ihnen die persönlichen Erinnerungen zurück. Seit dem Start im Jahr 2016 wurden bereits mehr als 640 Familien gefunden. Die Arolsen Archives sind das internationale Zentrum zur NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus mit Sitz im nordhessischen Bad Arolsen.

Zehn Schicksale im Fokus

Die Ausstellung auf dem Platz der Alten Synagoge fungiert wie ein Fenster zur Geschichte von KZ-Inhaftierten. In einem aufklappbaren Überseecontainer zeigt sie Bilder solcher Effekten und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten: von Helena, die mit 16 verhaftet wurde, von Johannes, der nicht mit den Nazis zusammenarbeiten wollte, oder von István, der vor seiner Vergangenheit im KZ floh. Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt #StolenMemory den Blick auf persönliche Gegenstände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzerinnen und Besitzer sowie von den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besuchenden über QR-Codes Videoporträts aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Auf Spurensuche

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden Effekten gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von knapp 2500 Personen aus ganz Europa auf. „Viele Opfer der Nationalsozialisten hinterließen keine materiellen Spuren, denn die Nationalsozialisten nahmen ihnen alles“, so Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. Die Rückgabe der Effekten sei für die Angehörigen deshalb oft sehr unerwartet. Eine wichtige Botschaft ist deshalb: Jede und jeder kann die Archive bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und deren Familien begeben. „Wir hoffen sehr, dass auch in Freiburg und Umgebung Menschen zur Spurensuche beitragen können“, so Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach.

Informationen

Dokumentationszentrum Nationalsozialismus: #StolenMemory, 25.8.– 21.9., Mo – Sa, 10 – 18 Uhr, Platz der Alten Synagoge.
Kostenfreie öffentliche Führungen: jeweils mittwochs um 18 Uhr.
Infos: www.nsdoku.freiburg.de
www.freiburg.de/museen
www.stolenmemory.org

Dieser Artikel erschien in der Amtsblattausgabe Nr. 822, am 12. August 2022.

Veröffentlicht am 29. August 2022
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