Stadt rechnet mit rund 20 Anlieferungen pro Tag

Erdaushubzwischenlager geht in Betrieb

Nach sechs Monaten Bauzeit geht das Erdaushubzwischenlager auf dem Dietenbachgelände offiziell in Betrieb. Wegen des hohen Grundwasserstandes sind vor der Erschließung der Baugrundstücke  – ähnlich wie damals im Rieselfeld – Erdaufschüttungen notwendig. Mit der Errichtung des Erdaushubzwischenlagers, zwischen dem Dietenbachgewässer und dem Autobahnzubringer, soll das erforderliche Erdmaterial bereits vor der eigentlichen Bauphase gesammelt werden, um es später bei den Erschließungsarbeiten als nötiges Auffüllmaterial einzusetzen. So werden lange Anfahrtswege des Materials während der eigentlichen Bauphase vermieden und die Baustellenlogistik deutlich vereinfacht. Für die Aufschüttung kann Bodenaushubmaterial von anderen Baustellen aus der Region, das ansonsten teuer entsorgt werden müsste, verwendet werden.

Erde von Bauprojekten wird hier gesammelt

Michael Broglin (links) und Martin Haag (rechts) auf dem Gelände des Erdaushub-Zwischenlagers (Bild: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Baubürgermeister Martin Haag: „Von großem Vorteil ist, dass in der Region derzeit aufgrund vieler Bauprojekte und den damit verbundenen Bodenabtragungen große Mengen an Erdaushub anfallen. Dieses Erdmaterial können wir für die Entwicklung des neuen Stadtteils Dietenbach gut gebrauchen. Außerdem werden durch die Lagerung des Materials in der Region unnötige LKW-Fahrten vermieden, was wiederum gleichzeitig der Umwelt und dem Klima nützt.“

Erde wird untersucht, LKWs werden gewogen

Die Anlieferung des Bodenmaterials ist kostenpflichtig und muss zunächst auf dessen Eignung zur Verwertung geprüft werden. So müssen im Vorfeld der Anlieferung vom Entsorgungsunternehmen Deklarationsunterlagen mit Materialbeschreibungen sowie Laboranalysen eingereicht werden. Nach Feststellung der Eignung wird das angelieferte Erdmaterial gewogen und je nach bautechnischer Anforderung und Laboranalytik auf definierten Abladeflächen zeitweilig gelagert. Für diese Abläufe wurden auf dem etwa 13 ha großen Gelände des Erdaushubzwischenlagers eine LKW-Wiegeanlage sowie ein Probenlager errichtet. Das eingetroffene Bodenmaterial wird dann aufgeschüttet und in bis zu 15 m hohen Erdbergen gelagert. Insgesamt hat das Erdaushubzwischenlager ein Fassungsvermögen von 375.000m3. Nach aktuellen Schätzungen geht die Verwaltung davon aus, dass für den neuen Stadtteil Dietenbach ca. 1 bis 1,4 Mio. m3 Erdmaterial benötigt werden.

„Um während der Erschließungsarbeiten in Dietenbach einen reibungslosen Ablauf von gleichzeitig bis ca. 100 Anlieferungen ins Lager und bis ca. 100 Abholungen ins Neubaugebiet zu ermöglichen, wurden zwei nachhaltige LKW-Waagen installiert, die wiederverwendbar sind. Zudem schont das Erdaushubzwischenlager die durch den Bauboom der letzten Jahre ausgelösten knappen Kapazitäten in den anderen Erdaushubdeponien“, ergänzt Michael Broglin, einer der Geschäftsführer der Erdaushubzwischenlager Dietenbach GmbH.

Die Erdaushubzwischenlager Dietenbach GmbH (EDG) ist eine 100%ige städtische Gesellschaft. Der Betrieb ist bis ca. 2035 vorgesehen, dann beginnt auf dem Gelände des Erdaushubzwischenlagers der letzte Bauabschnitt für den neuen Stadtteil. Nach Laufzeitende können die Waagen beispielsweise auf dem Umschlags- und Verwertungszentrum der ehemaligen Deponie Eichelbuck weiter genutzt werden.

Eigene Zufahrt gebaut

Die Materialanlieferungen zum Erdaushubzwischenlager erfolgen über eine eigenständige Zufahrt von der B31 Richtung Stadtmitte. Um die Anschlussstelle Lehen vom zukünftigen LKW-Verkehr zu entlasten, wurde zwischen der Anschlussstelle Lehen und der Besanconallee eine eigene Betriebszufahrt errichtet.

Verkehrliche Umbaumaßnahmen – zum Schutz von Fußgängerinnen und Fußgängern und Radfahrenden – gab es auch an der Ausfahrtsstraße. Da die geplante Ausfahrt aus dem Erdaushubzwischenlager die Straße „Am Sender“ quert, bevor sie auf die von Besucherinnen und Besuchern des Mundenhofs stark frequentiert Straße „Zum Tiergehege“ trifft, wurde in diesem Bereich ein neuer Fuß- und Radweg mit eigener Rampe gebaut. Dies entschärft die Kreuzungssituation zwischen Radfahrenden und Fußgängerinnen und Fußgängern – von und in Richtung Mundenhof – mit den abfahrenden LKWs aus dem Erdaushubzwischenlager.

Tiere umgesiedelt

Im Sommer hat bereits die Abnahme der vorgezogenen artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) für das Erdaushubzwischenlager und den Ausbau des Dietenbachs stattgefunden. Da durch die Errichtung des Lagers und den Bachausbau Lebensräume streng geschützter Arten (unter anderem Zauneidechse, Goldammer und Haselmaus) betroffen sind, mussten vorab neue Lebensstätten für diese Tierarten geschaffen werden. So wurden bereits im vergangenen Jahr auf dem Mundenhofgelände und im Gewann Hardacker vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen hergestellt. Die dort angelegten Wiesenflächen, Gehölz- und Staudenpflanzungen haben sich in den letzten Monaten so gut entwickelt, dass die Maßnahmen bereits im Juli von der Unteren Naturschutzbehörde sowie von Fachgutachtern als neuer Lebensraum für die betroffenen Tierarten als funktionsfähig abgenommen werden konnten. Im August und September wurden die Zauneidechsen in ihrem ursprünglichen Lebensraum von Experten eingesammelt und auf die neuen Ausgleichsflächen umgesiedelt. Im Rahmen eines artenspezifischen Monitorings wird die Populationsentwicklung der Tierarten im neuen Lebensraum über einen längeren Zeitraum untersucht, um sicherzustellen, dass die vorgenommenen Maßnahmen auch dauerhaft wirksam sind.

Ökologisch verträglicher Umbau des Bachs ab 2022

Im Januar 2022 beginnen die Arbeiten für den Gewässerausbau: Da das geplante Baugebiet zum Teil im Überschwemmungsgebiet des Dietenbachs liegt, wird ein etwa 1 km langer Gewässerabschnitt ökologisch verträglich umgebaut. Ziel ist es, den Gewässerkorridor des Dietenbachs sowie Teile des „Schildkrötenkopfes“ so umzugestalten, dass sie das Hochwasser aufnehmen und zeitverzögert ableiten können. Der Gewässerausbau soll 2023 fertiggestellt sein.

Veröffentlicht am 14. Dezember 2021

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