Ortschaft am Tuniberg

Seit 50 Jahren ist Opfingen eingemeindet

Das Rathaus von Opfingen, unscharf im Vordergrund sind Geranien zu sehen
Dörfliche Idylle: In der Ortsmitte liegt das Rathaus, das Carl Friedrich Meerwein entworfen hat (Foto: Seeger/Stadt Freiburg).

Am 27. Oktober 1971 unterschrieb der damalige Oberbürgermeister von Freiburg, Eugen Keidel, einen Vertrag mit Rudolf Höfflin, dem Bürgermeister von Opfingen. Fortan gehörte die Tuniberggemeinde zu Freiburg – als „Freiburg-Opfingen“. Doch der landwirtschaftlich geprägte Ort ist älter – viel älter.

Seine Geschichte beginnt schon in der Steinzeit: Die ersten Menschen besiedelten im 6. Jahrtausend v. Chr. das Gebiet rund um das heutige Opfingen – das zeigen zumindest archäologische Funde. Aber seit wann hat der Wein- und Spargelort seinen heutigen Namen?

Die Spur führt zurück in das Jahr 1006. In einer Urkunde überträgt Heinrich II., König des Ostfrankenreichs und Italiens und späterer Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nationen, ein Gut an den Domstift Basel: „In villa que vocatur Ophinga situm“ heißt es da – die erste urkundliche Erwähnung Opfingens. Die Tuniberggemeinde ist damit sogar älter als Freiburg, das 1091 gegründet wurde und 1121 Marktrecht erhielt.

Wechselnde Herrschaften

In den folgenden Jahrhunderten lebte die Opfinger Bevölkerung unter vielen Herren: Bis zum 14. Jahrhundert übernahmen Ministeriale, also unfreie Verwalter im Dienst der Zähringer, die Ortsherrschaft. Bekannter waren allerdings zwei Frauen aus dieser Zeit: die Priorin des Dominikanerinnenklosters Adelhausen Anna von Opfingen und die Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Güntersal Mechthild, die Opfingerin.

Auf die Zähringer folgte 1368 die Herrschaft Badenweiler: Bis heute erinnert der mit drei schwarzen Sparren belegte goldene Pfahl an die Grafen von Stressberg. 1444 übernahmen die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg und von Baden-Durlach die Ortsherrschaft.

Erst im Zuge der territorialen Neuordnung durch Napoleon und dem damit verbundenen Ende des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nationen fielen Opfingen und Freiburg am 15. April 1806 an das Großherzogtum Baden. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete die Zugehörigkeit zum Hause Baden, bevor der Ort 1971 nach Freiburg eingemeindet wurde.

Kriege, Missernten, Flucht

Wie viele Dörfer litt auch die Opfinger Bevölkerung unter den Kriegen der frühen Neuzeit: Plünderungen, Übergriffe und Flucht waren die prägenden Erfahrungen der Zeit. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur noch 25 Familien in dem Dorf.

Dem Westfälischen Frieden 1648 folgten zwischen 1688 und 1738 der Pfälzische, Spanische und Polnische Erbfolgekrieg. Verbrannte Felder, verwüstete Häuser und zerstörte Höfe waren die Folge, die Menschen flüchteten vor Gewalt und Armut. Auch infolge von Missernten im 19. Jahrhundert blieb die Einwohnerzahl gering. Im 20. Jahrhundert folgte die Katastrophe der beiden Weltkriege.

Berühmt für Wein und Spargel

Doch von den Herausforderungen der Zeit ließ sich die Opfinger Bevölkerung nicht unterkriegen. Heute ist der Ort sogar überregional für Wein und Spargel bekannt. Doch das war nicht immer so: Bis in das 20. Jahrhundert lebte die Gemeinde vom Ackerbau; erst wurden Hafer und Gerste angebaut, dann Kartoffeln.

Der Wein hingegen, so die Überlieferungen, gehörte in frühen Jahren zu den „gewöhnlichsten“ und war von „mittelmäßiger Qualität“. So richtig vorstellen mag man sich das heute kaum noch. Doch erst die Gründung der Winzergenossenschaft Opfingen 1952 führte zu dem mehrfach prämierten Wein von heute. Mit der Rebflurbereinigung intensivierten die Opfinger in den 1950er- und 1960er- Jahren den Weinbau; seitdem zieren Weinreben den Tuniberg und geben ihm sein charakteristisches Aussehen.

Nachbarschaftliche Beziehungen

Der Wein findet auch Anklang in Freiburg, die Verbindung der zwei Gemeinden reicht allerdings bis in das Hochmittalter zurück. Noch im 18. Jahrhundert flossen Boden- und Fruchtzins an die Klöster in Freiburg; unbefestigte Waldwege verhinderten aber einen intensiven Handel. Das änderte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Eine Brücke über den Mühlenbach und der Ausbau der Wege sorgten für regen Handel.

Screenshot von Seite 5 im Amtsblatt zum Thema 'Opfingen'

Damit war der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit gelegt, die Jahrhunderte später im Eingemeindungsvertrag mündete. Am 5. September 1971 stimmten 62,8 Prozent der Stimmberechtigten für den Zusammenschluss, der am 1. Dezember 1971 vollzogen wurde. Opfingen ist seitdem ein Stadtteil von Freiburg.

Und bleibt trotzdem ein Unikat: Es gibt in ganz Deutschland keinen anderen Ort mit diesem Namen. Ober- und Unteropfingen existieren zwar, sind aber nur Ortsteile von Kirchdorf an der Iller. Oder mit den Worten des Freiburger Stadthistorikers Hans-Peter Widmann in seiner Festrede 2006 anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums: „Opfingen ist und bleibt einmalig!“

Fakten und ein Interview

Mehr Zahlen und Fakten über Opfingen und ein Interview mit Orstvorsteherin Silvia Schumacher können Sie in der aktuellen Ausgabe des Amtsblatts lesen. (4,746 MB)

Veröffentlicht am 10. Dezember 2021
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