Pressemitteilung vom 2. September 2021

eCampus im Stühlinger: Bundesumweltministerium unterstützt innovatives GMF-Projekt mit über 5 Millionen Euro

Liegenschaftsübergreifende Steuerung von sechs Gebäuden soll Stadt Freiburg auf dem Weg zur Klimaneutralität voranbringen

Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter übergab heute Förderbescheid des Bundes an Baubürgermeister Martin Haag

Der Klimawandel ist das Thema unserer Zeit. Auch Freiburg ist von steigenden Temperaturen betroffen, wie (abgesehen vom laufenden Jahr) ausgeprägte Hitzeperioden in den letzten Jahren mehrfach gezeigt haben. Um bis zur zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts eine weltweite Treibhausgasneutralität zu erreichen, will die Stadt Freiburg ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen.

Freiburg hat sich mit seinem Klimaschutzkonzept (Drucksache G-18/179), das der Gemeinderat 2019 beschlossen hat, das Ziel gesetzt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 60 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1992 zu reduzieren und bis 2050 vollständig klimaneutral zu werden. Weniger Energieverbrauch, die zunehmende Versorgung der Gebäude mit erneuerbaren Energien und eine energieeffiziente Verkehrspolitik sind dabei die wichtigsten Stellschrauben. Bald soll auch der eCampus Freiburg dabei eine wichtige Rolle spielen – und weit über die Stadtgrenzen hinaus zum Vorbild für innerstädtische Gebäude-Ensembles werden.

Die Idee des Energiemanagements, das im städtischen Gebäudemanagement (GMF) angesiedelt ist, zu einem „eCampus“ ist so simpel wie (bislang) einzigartig. Es geht um die liegenschaftsübergreifende Steuerung mehrerer Gebäude, die sich nach dem Prinzip „Einer für Alle, Alle für Einen“ gegenseitig energetisch unterstützen. Die Vorteile der Idee leuchten auch Nicht-Ingenieuren ein. Durch das gemeinsame Nutzen zentraler Wärmespeicher gibt es weniger Wärmeverluste. Nachhaltige Batterie-Technologie ermöglicht die Eigennutzung von PV-Strom rund um die Uhr. Und dank Wärmepumpen wird eine autarke Wärmeversorgung möglich. Mit dem eCampus werden Energiekosten von bis zu 500.000 Euro pro Jahr eingespart.

Wenn der eCampus eines Tages „steht“ – im Gespräch ist das Jahr 2025 – soll er aus Photovoltaik-Anlagen (900 qm Fläche), zwei Geothermie-Anlagen (jeweils bestehend aus 4 Saug- und 2 Schluckbrunnen), vier Wärmepumpen, Wärmespeicher und einer eingebauten Vanadium-Redox-Flow-Batterie bestehen. Vorhandene technische Anlagen werden zurückgebaut.

Diese Investitionen belaufen sich auf 6,53 Millionen Euro. Davon übernimmt das Bundesumweltministerium nun fast 80 Prozent: Dessen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter MdB hat heute den Förderbescheid des Bundes über 5,19 Millionen Euro an Baubürgermeister Martin Haag übergeben.

Dabei hob Schwarzelühr-Sutter hervor: „Das Projekt eCampus ist ein Leuchtturm. Es leistet einen klaren Beitrag zum Klimaschutz im Innenstadtbereich und ist ein überzeugendes, übertragbares Konzept für eine nachhaltig betriebene Wärmeversorgung in einer Stadt.“

Haag dankte dem Bund für die große Unterstützung: „Die hohe Fördersumme macht deutlich, wie innovativ und wegweisend unser eCampus sein wird, der der Stadt mittelfristig viel Geld sparen wird. Vor allem wird diese Förderung aber einen erheblichen Beitrag dazu leisten, unsere Klimaziele zu erreichen und weiterhin zu verbessern.“ Die aktuellen Ziele der Stadt sehen bis 2030 eine klimaneutrale Verwaltung und bis 2050 die Klimaneutralität für die gesamte Stadt vor. (Seit zwei Tagen liegt die Novelle zum Klimaschutzgesetz vor; nun werden diese Ziele überprüft.)

Zu den Maßnahmen für den Klimaschutz zählen energetische Sanierungen, der Einbau von BHKWs, der Aufbau von PV-Anlagen, Geothermie-Anlagen für Heizung und Kühlung, das Fifty-Fifty-Programm an Schulen – und eben die elektronische Vernetzung und intelligente Steuerung der Gebäude (Energiemonitoring). Seit langem folgt das städtische Energiemanagement dabei drei Erkenntnissen. Erstens: Gebäude werden heute durchgehender, länger und intensiver genutzt. Zweitens: E-Learning, W-LAN, neue Medien, sicherheitsrelevante Systeme und zahlreiche strombasierte Geräte treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Drittens: Jedes technische Gerät müsste „betreut“ werden, um es energieoptimiert einzusetzen.

Diesen Hürden begegnet das Energiemanagement auf vielfache Weise. So ist die energetische Sanierung von vorwiegend älteren Gebäuden notwendig, bei welchen in vielen Fällen aber auch der Denkmalschutz zu beachten ist. Unverzichtbar sind des Weiteren ein permanentes Energie-Controlling, eine optimale Betriebsführung und Nutzungsprogramme wie das „Fifty-Fifty“ an Schulen; dieses belohnt Energiesparen und damit die Reduktion von CO2-Emissionen mit der direkten Auszahlung eines Bonusses für die jeweilige Schule.

Das neueste Projekt des städtischen Energiemanagements ist der eCampus Freiburg. Wegweisend und sektorenkoppelnd verbindet er erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Auf einem innerstädtischen Areal im Stühlinger soll er sechs öffentliche Gebäude (Berufsschulzentrum Bissierstraße, Max Weber-Schule, Kita am RiS, Technisches Rathaus, Rathaus im Stühlinger BA 1 und BA2) unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Anforderungen der Gebäude-Heizsysteme verknüpfen. Er wird dadurch modellhaft für viele gewachsene Gebäudeareale deutschlandweit. Durch das Projekt soll das lokale Potenzial erneuerbarer Energien bestmöglich ausgeschöpft und effizient genutzt werden. Dafür sind folgende Umsetzungen geplant:

 Erstellung eines Wärme- und Stromverbundes der Liegenschaften durch Bau eines gestuften Wärmenetzes auf zwei Temperaturniveaus zur effizienten Versorgung aller Gebäude;
Bau eines elektrischen Ringnetzes mit Übergabestation, Anschlüssen, Trafos und Schaltanlage zur gebäudeübergreifenden PV-Stromeigennutzung;
Messwert- und prognosebasierte intelligente und übergeordnete Steuerung der Einheiten zur klimawirksamsten Versorgung der Liegenschaften mit Strom, Wärme und ggf. Kälte;
Errichtung von PV-Anlagen (insgesamt 1,0 MW) auf den Dächern von Berufsschulzentrum, Technischem Rathaus und Kita;
Erweiterung und Ausbau der Geothermie-Nutzung aus Grundwasserbrunnen mittels Wärmepumpen (für deren Betrieb der PV-Strom genutzt wird);
Bau einer besonders klimafreundlichen Vanadium-Redox-Flow-Batterie sowie Wärmespeicher zum zeitlichen Ausgleich von Energieerzeugung und -bedarf (das Leitungsnetz wird als Wärmespeicher eingesetzt).
Zusätzlich zu bestehenden Ladestationen wird die Stadt parallel zum Projekt die Infrastruktur für E-Fahrzeuge ausbauen. Deren intelligente Einbindung in die Projektlandschaft aus Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch ist Teil des Projektes.

Dadurch entsteht auf dem eCampus eine multisektorale Kopplung von erneuerbaren Energien in den Bereichen Strom, Wärme, Kälte und Mobilität. Er wird dabei Modell- wie auch Leuchtturmprojekt und dient als Blaupause für weitere kommunale Vorhaben. Vorab definiert das GMF quantitative wie auch qualitative Ziele:

Einbindung und Vernetzung aller Sektoren (Strom, Wärme, Kälte, Mobilität);
Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen, wobei rund 50% Stromautarkie mit vor Ort erzeugtem regenerativem Strom in Kombination mit der Redox-Flow-Batterie erreicht werden;
maximale Nutzung erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung (ein erstes Simulationsergebnis zeigt, dass so insgesamt 80 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt werden könnten. Der Rest käme aus hocheffizienten BHKW im Kraft-Wärme-Kopplungsbetrieb);
Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes der beteiligten Liegenschaften auf 30 Prozent der bisherigen Emissionen;
Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung. 

Aufgrund seines Modellcharakters haben Kommunen und Firmen in ganz Deutschland das Projekt eCampus im Blick. Aber auch Universitäten und Hochschulen mit entsprechenden Studiengängen durch praxisorientierte Seminare, (Abschluss-)Arbeiten und Exkursionen blicken nach Freiburg. Zugleich will das Projekt für Bürger und Bürgerinnen ebenso wie für Besuchende der Stadt zum Leuchtturm in Sachen Energieversorgung und -steuerung werden.

Veröffentlicht am 03. September 2021

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