Rückblick auf fast 40 Dienstjahre

Leiter des Haupt- und Personalamts Adrian Hurst im Interview

Adrian Hurst
Scheidender Leiter des Haupt- und Personalamts Adrian Hurst über die Vorzüge des öffentlichen Dienstes, die Anforderungen des Amts – und die Dankbarkeit der Mitarbeitenden. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Fast vier Jahrzehnte war Adrian Hurst bei der Stadt Freiburg tätig, davon 16 als Leiter des Haupt- und Personalamts. Ende April geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Über Veränderungen unter drei Oberbürgermeistern, künstliche Intelligenz und Rennradfahren in turbulenten Zeiten hat er mit der Redaktion des Amtsblatts gesprochen.

Amtsblatt: Herr Hurst, was hat Sie als junger Mann veranlasst, eine Ausbildung bei der Verwaltung zu beginnen?
(Antworten öffnen mit Klick auf die Frage)

Hurst: In meinem Geburtsort Kehl habe ich nach meinem Grundwehrdienst zehn Monate am Hafen gearbeitet und wollte anschließend meinen Ausbildungsplatz als Banker antreten. Dann sagte mir der Vorsitzende meines Sportvereins, der Geschäftsführer der Stadtwerke Kehl war: „Wie wäre es mit öffentlicher Verwaltung? Das ist vielfältig und du bist direkt an den Menschen dran.“ Daraufhin habe ich mich für die Verwaltungshochschule in Kehl beworben, eine Zusage bekommen – und bin so in der Kommunalverwaltung gelandet. 44 Jahre später in Freiburg kann ich sagen: Ja, das war richtig.

AB: Würden Sie diesen Weg auch jungen Menschen heute empfehlen?

Hurst: Ja, denn gerade in einer Kommunalverwaltung gibt es so viele Einsatzmöglichkeiten, egal für welchen Beruf sie sich entscheiden. Wir bieten als Stadt ja nicht nur Ausbildungen in der Verwaltung, sondern in 35 Berufen an. Insgesamt beschäftigen wir Menschen in 260 verschiedenen Berufen, das ist ein Schmelztiegel von Abschlüssen und Kompetenzen. Außerdem bieten wir einen sicheren Arbeitsplatz und die Chance, sich durch Fortbildungen und Einsatz weiterzuentwickeln und aufzusteigen. Auch in Sachen flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, ökologische Ausrichtung und vielem mehr sind wir attraktiv. Das sind Vorteile, auch für junge Menschen. Übrigens sind alle willkommen, die Lust haben, für die Bürgerschaft zu arbeiten.

AB: Sie sprechen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an...

Hurst: Ja, beispielsweise können junge Menschen, die Kinder haben, bei uns eine Ausbildung in Teilzeit machen, und wir versuchen, die Kinderbetreuung in unserer Betriebskita sicherzustellen. So etwas bekommen wir als Arbeitgeberin übrigens zu 100 Prozent wieder zurück. Die Offenheit der Stadt diesbezüglich habe ich immer geschätzt, auch dass die Stadtspitze es immer unterstützt hat, wenn wir innovativ unterwegs sind.

AB: Und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Da sind Ihnen durch die Tarifverträge ja die Hände gebunden ...

Hurst: Das stimmt, aber in vielen unserer Ausbildungs- und Studiengänge bekommen sie bei uns eine top Ausbildungsvergütung. Und wir haben etliche Berufsgruppen, wo wir mit der freien Wirtschaft mithalten können – allerdings nicht bei einigen technischen Berufen, da werden in der freien Wirtschaft oder in der Schweiz ganz andere Gehälter gezahlt. Aber dafür gilt bei uns „Equal Pay“, das heißt Männer und Frauen werden gleich bezahlt. Obendrauf gibt es Leistungsentgelt, Prämiensysteme bei den Beamten, eine gute Betriebsrente, super Jobtickets und Angebote im Gesundheitsmanagement wie Hansefit. Geld ist wichtig, aber Geld ist nicht alles. Das zeigen auch unsere Umfragen unter den Mitarbeitenden. „Wir lieben Freiburg“ war der Slogan, der sich daraus entwickelt hat.

AB: Wie hat sich die Stadtverwaltung während Ihrer vielen Dienstjahre verändert?

Hurst: Die Stadtverwaltung verändert sich ständig. Es kommen neue Aufgaben hinzu, neue Gesetze und Verordnungen. Manches wie die U3- oder die Schulkindbetreuung gab es früher gar nicht. Durch die Digitalisierung hat sich vieles beschleunigt, und die Erwartungshaltung ist heute höher. Bürgerbeteiligung spielt eine viel größere Rolle. Insgesamt müssen wir aufpassen, dass wir in Deutschland nicht überbürokratisieren und alles bis ins Kleinste regeln. Den Menschen draußen ist manchmal gar nicht zu erklären, warum Entscheidungsprozesse so lange dauern, so viele Stellen gefragt und gehört werden müssen – sie wollen eigentlich nur eine Entscheidung haben. Und den Menschen ist es egal, wer zuständig ist und woher die Vorgaben kommen. Unser Personal muss das aber umsetzen und wird damit konfrontiert, was nicht immer einfach ist.

AB: Und wie sieht die Verwaltung in zehn Jahren aus?

Hurst: Digitalisierung und der demografische Wandel sind die zwei großen Herausforderungen: Wir verlieren in den nächsten acht Jahren fast 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne qualifizierte Zuwanderung wird der Bestand an Arbeitskräften in Deutschland nach unten gehen. Schon jetzt bekommen wir nicht mehr überall genügend Bewerbungen. Da können bessere Prozesse und schnellere Abläufe durch Digitalisierung hilfreich sein – nicht in Kitas, da kann man ja keinen PC hinstellen, aber in anderen Bereichen. In manchen Rechtsgebieten zum Beispiel sind die Bestimmungen überschaubar, daher gibt es bundesweit Überlegungen, dass in zehn Jahren künstliche Intelligenz 80 Prozent mancher Fälle entscheiden könnte. Als Konsequenz müssen wir durch Reformen und Umbau unsere vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen, aber auch darauf achten, dass wir unseren Mitarbeitenden nicht immer noch mehr Aufgaben obendrauf packen. Also: Priorisieren und überlegen, was machen wir wie mit wem?

AB: Bei Gemeinderatssitzungen sitzen Sie mit vorne auf der Bürgermeisterbank. Was ist dort Ihre Aufgabe?

Hurst: Für kommunalverfassungsrechtliche Fragen ist immer schon das Hauptamt zuständig. Mittlerweile haben wir pro Jahr an die 300 Sitzungen von Ausschüssen und Gremien – und da braucht die Sitzungsleitung Unterstützung, wenn ad hoc Fragen auftauchen. Ich greife zum Beispiel ein, wenn eine Abstimmung unklar ist, das kann in der Hektik ja mal passieren, oder wenn es Störungen gibt, etwa wenn, wie schon geschehen, von der Galerie oben Erbsen fliegen.

AB: Sie haben in Ihrer Amtszeit drei verschiedene Oberbürgermeister erlebt. Wie haben sich diese Personen in ihrer Amtsführung unterschieden?

Hurst: Das waren drei ganz unterschiedliche Herangehensweisen zu ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen. OB Böhme war für mich ein Lehrmeister: Wie komme ich von Ideen über gutes Verwaltungshandling zu einer politischen Mehrheit, wie muss ich Dinge umsetzen und kommunizieren? Bei OB Salomon, und auch bei Bürgermeister Neideck, hatte ich die Rückendeckung, Dinge anzustoßen. Mit OB Martin Horn ist jetzt ein völlig anderer Stil gekommen: jünger, mit Affinität zu Social Media. Das war ein Umgewöhnungsprozess, was normal ist, aber wir haben das ordentlich miteinander hinbekommen. Wenn ich zurückblicke, ist da ein gewisser Stolz, dass ich mit drei Oberbürgermeistern, 14 Dezernenten, 27 Ortsvorstehern und acht Gemeinderatsamtsperioden an vielen Ecken in dieser Verwaltung mitarbeiten konnte – als Zahnrädchen in dem ganzen Getriebe. Was bei meinem Ausbildungsbeginn als Idee da war, hat sich bewahrheitet: Es war spannend, interessant und auch erfolgreich.

AB: Und wie konnten Sie abschalten in turbulenten Zeiten?

Hurst: Ich hatte oft eine 60- bis 70-Stunden-Woche – geholfen hat mir dabei zweierlei: mich auf mein Rennrad setzen oder Holz hacken. Herr Böhme hat in einer sehr stressigen Phase mal zu mir gesagt: „Herr Hurst, Sie gehen jetzt. Montag sehe ich Sie wieder. Hacken Sie Holz, das tut mir auch gut.“ Ich hab’s gemacht, und es tat gut. Zweitens: Eine Oase ist für mich meine Großfamilie mit vier Generationen, die erdet mich. Egal ob Stadtdirektor oder Personalchef – man sollte bei alledem niemals vergessen, wo man herkommt und wer man ist.

AB: Und wie blicken Sie dem Ruhestand entgegen?

Hurst: Ich schaue mit Stolz und Dankbarkeit auf diese vielseitigen Jahre. Auch wenn ich vom Alter her noch zwei Jahre arbeiten könnte, weiß ich doch: Ich bin genauso ersetzbar wie alle anderen auch. Wenn jemand nach so vielen Jahren geht, geht natürlich viel Erfahrung und Know-how, aber das eröffnet auch Chancen, Dinge zu verändern. Es geht immer weiter, das ist meine Erfahrung. Jetzt freue ich mich erstmal auf die Zeit für meine Familie, aufs Rennrad- und im Winter aufs Viererbobfahren im Engadin.

Veröffentlicht am 27. April 2021
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