Neue Corona-Teststrategie für Freiburger Schulen

Pooltests um Infektionsketten zu unterbrechen

Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung der Uniklinik

Neues und effizienteres Verfahren

Mehr Sicherheit für Schülerinnen und Schüler und ihre Familien

An Freiburger Schulen werden auch Kinder und Jugendliche auf das Coronavirus getestet. Dafür startet am Donnerstag ein Pilotprojekt an einer Freiburger Schule, bis zu den Osterferien soll es auf weitere Schulen der Stadt ausgeweitet werden. Dabei beschreitet Freiburg mit dem sogenannten Schoco-Testsystem einen innovativen Weg. Hier werden ganze Klassen in PCR-Pool-Tests gemeinsam auf das Corona-Virus getestet (Details werden unten erläutert). Das Verfahren ist kindgerecht und einfach anzuwenden, Schülerinnen und Schüler lutschen unter Aufsicht der Lehrer an zwei Wattestäbchen wie an einem Lolli. Das Projekt ist eine Kooperation der Stadtverwaltung mit dem Universitätsklinikum Freiburg und dem Gesundheitsamt. Dabei werden Daten werden anonymisiert erhoben und ausgewertet, um die Tests wissenschaftlich zu begleiten.

„Regelmäßige Tests tragen dazu bei, die Infektionsgefahr in Schulen zu verringern. Da Kinder oft ohne Symptome bleiben, können so verdeckte Infektionsketten gestoppt werden. Die Stadt schafft mit dem neuen Konzept mehr Sicherheit an Schulen und für die Familien der Schülerinnen und Schüler“, so Oberbürgermeister Martin Horn. Eine abgestimmte Teststrategie des Landes ist jedoch dringend notwendig gewesen, so Horn: „Aktuell erarbeiten hunderte Kommunen in Baden-Württemberg parallel Teststrategien und das mit viel Ressourceneinsatz - personell wie auch finanziell. Am Ende gelten unterschiedliche Regeln und Ansätze in Nachbarkommunen, das macht doch wenig Sinn und ist total ineffizient. Wir brauchen dringend ein einheitliches und gut koordiniertes Vorgehen von Bund und Land.“ Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik zu dem Freiburger Pilotprojekt: „Wir schaffen eine Infrastruktur, die den Präsenzunterricht begleitet und setzen die Tests koordiniert und systematisch ein. Die wissenschaftliche Begleitung und anonyme Analyse der Daten sichert die Qualität der Teststrategie“.

Das Pool-Pilotprojekt startet in dieser Woche an der Wentzinger Realschule und wird nächste Woche bis zu den Osterferien auf weitere Schulen ausgeweitet. Ziel ist, perspektivisch alle Schulen auf diesem Wege einmal wöchentlich zu testen. Das Konzept wurde ursprünglich von der Stadt Köln und der dortigen Universitätsklinik entwickelt. Die Freiburger Variante basiert auf dem Kölner Modell und wurde von der Pädiatrischen Infektiologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikum Freiburg, der Stadt Freiburg und dem Gesundheitsamt angepasst. Seit dieser Woche hat in vielen Schulen der Präsenzunterricht begonnen. Das gilt für alle Grundschulen, die fünften und sechsten Klassen sowie die Abschlussklassen aller Schularten.

So funktioniert der Schoco-Test

Die Schüler und Schülerinnen führen den Test selbst durch, indem sie 30 Sekunden auf einem Wattetupfer lutschen. Die Abstrichtupfer einer ganzen oder halben Klasse (maximal 25) werden dann in ein Sammelgefäß geworfen und bilden einen „Pool“. Anschließend lutscht jeder Schüler und jede Schülerin noch einmal auf einem zweiten Abstrichtupfer, der mit Namen und Geburtsdatum beschriftet und einzeln verpackt wird. Alle Röhrchen werden gesammelt ins Labor gebracht. Die benötigten Materialien (Wattestäbchen, Tüte, Drucketiketten und Einmalhandschuhe) werden jeder Schule vorab von der Stadt Freiburg zur Verfügung gestellt. Die ersten Tests in der Schule werden von Kinderärztinnen und -Ärzten begleitet. Alle weiteren Tests finden eigenständig in der Schule statt.

Im Labor werden die Pools noch am selben Tag mit der PCR-Methode auf SARS-CoV-2 untersucht. Ergebnisse sollen bereits am frühen Nachmittag vorliegen. Bei einem negativen Testergebnis gibt es Entwarnung: Kein Kind ist infiziert. Die Einzelproben können entsorgt werden, der Unterricht geht weiter. Fällt der Test dagegen positiv aus, müssen zunächst alle Schülerinnen und Schüler der betroffenen Klasse zuhause bleiben und im Fernunterricht unterrichtet werden. Das Labor untersucht alle Einzelproben des Pools. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden die Schulleitung und das Gesundheitsamt darüber benachrichtigt, welche Schüler und Schülerinnen positiv getestet wurden. Die positiv Getesteten müssen sich in Isolation begeben. Über alle weiteren Maßnahmen entscheidet das Gesundheitsamt. Das betrifft auch die Frage, ob sich weitere Kontaktpersonen in Quarantäne begeben müssen.
An den Schulen gelten die gängigen Hygieneregeln weiterhin. Die Teilnahme am Testverfahren ist freiwillig und bedarf einer vorherigen schriftlichen Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Viele Vorteile der Methode

Die Testmethode hat viele handfeste Vorteile. So sind PCR-Tests genauer als Schnelltests. Die Genauigkeit eines Schnelltest ist sehr stark von der fachlich sauberen Durchführung und den Randbedingungen abhängig. Deshalb ist mit einer entsprechenden Fehlerquote zu rechnen. Durch die PCR-Pooling-Methode wird nicht nur die Fehlerquote verringert, es werden auch Kosten gespart. Normalerweise sind PCR-Tests teurer als Schnelltests. Doch im Pool sind die Kosten sind etwa halb so hoch wie bei Einzel-Schnelltests. Die Mehrbelastung für Lehrerinnen und Lehrer ist zudem sehr gering. Die Entnahme der Speichelproben kann von den Schülern und Schülerinnen selbst vorgenommen werden und ist schmerzlos. Mit dem PCR-Pool-Test können frühe und symptomfreie Infektionen nachgewiesen werden und das Risiko von falschen Testergebnissen ist gering. Für die weitere Entwicklung ist die wissenschaftliche Begleitung und Validierung elementar wichtig und bietet die Grundlage für das weitere Vorgehen.

Die Strategie der Testungen

Ziel ist es nicht, jeden Tag alle 40.000 Schülerinnen und Schüler der Stadt zu testen oder ganze Schulen „freizutesten“. Das ist aus logistischen Gründen (z.B. Laborkapazitäten) nicht möglich. Vielmehr soll es Stichprobentests geben, die eine Überwachungsfunktion haben. Dennoch wird es sehr viele Tests geben. Alle Schülerinnen und Schüler sollen wiederholt getestet werden, die Frequenz muss in Abhängigkeit der aktuellen Infektionslage evaluiert werden. Eine Testung aller Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Woche ist denkbar. Übergeordnetes Ziel ist eine sogenannte Infektionssurveillance. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum sollen so Infektionscluster und Hotspots innerhalb der Freiburger Schulen zu entdeckt werden.

Die Daten aus dem Projekt sollen anonymisiert in einer Datenbank gespeichert und wissenschaftlich analysiert werden. Individuelle und nicht zentral gesammelte Teststrategien einzelner Schulen machen eine solche Datenauswertung unmöglich. Nur über eine hochwertige Datenbank können Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen in Schulen getroffen werden und Hotspots rasch identifiziert werden. Die Analyse und Interpretation der Daten erfolgt im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Stadt Freiburg, Universitätsklinikum und Gesundheitsamt.

Gleichzeitig gilt: Für das Schulpersonal hat die Stadt bereits ein Testsystem etabliert. Hier wurden 71.000 Tests vom Land bestellt. Die Schnelltests werden von geschultem Personal an den Schulen selbst durchgeführt. Diese Testmöglichkeiten bestehen weiterhin. Ebenso können sich alle Schülerinnen und Schüler bis zu zwei Mal die Woche an einer der über 60 Testmöglichkeiten in der Stadt kostenfrei Schnelltesten lassen.

Veröffentlicht am 17. März 2021

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