Jahresbericht der Wohnungsnotfallhilfe 2019

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum

Mietschulden, fristlose Kündigung, Zwangsräumung – bei Armut, Arbeitslosigkeit, sozialen und gesundheitlichen Problemen ist die Wohnungsnotfallhilfe für viele eine zentrale Anlaufstelle. Im aktuellen Jahresbericht der Wohnungsnotfallhilfe informiert die Verwaltung über die Situation während der Corona-Pandemie. Außerdem wird deutlich, dass immer mehr Menschen Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigen.

Durch die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt steigt die Zahl obdachloser Menschen stetig. Im Jahr 2019 waren insgesamt 3039 Personen (2018: 2732) von Obdachlosigkeit bedroht. Signifikant erhöhte sich die Anzahl der Haushalte, die Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigen, von 77 (2018) auf 105 (2019). Dabei handelt es sich um Haushalte, die in überteuerten Mietverhältnissen oder zu kleinen Wohnungen leben. Auch bei Eigenbedarfskündigungen, die der Verwaltung gemeldet wurden, war 2019 ein Anstieg zu verzeichnen. Fast jede vierte eingegangene Kündigung, 96 von insgesamt 427, erfolgte wegen Eigenbedarf.

Ziel: Wohnungsverlust vermeiden

Ziel ist es, durch eine frühzeitige Beratung und Unterstützung Wohnungsverlust zu vermeiden. Wirksamste Hilfe ist neben der Prävention die Vermittlung in Wohnungen der Freiburger Stadtbau (FSB) mit eigenständigem Mietvertrag. 2019 konnten 111 Personen, davon 20 Einzelhaushalte, mit Wohnungen über die FSB versorgt werden.

Zu wenig Kapazität gibt es bei Heimunterbringungen. Mit Stand März 2020 stehen in der Wohnungsnotfallhilfe 485 Plätze zur Verfügung. Der Bedarf liegt allerdings bei geschätzt 160 Plätzen mehr. Insbesondere für Einzelpersonen steigt die Anzahl der benötigten Plätze in Notunterkünften seit Oktober 2019.

Die FSB will in den nächsten Jahren 44 Kleinstwohnungen bauen, davon die meisten im Güterbahnhof Nord. Die Nachfrage kann aber nicht allein durch die FSB gedeckt werden.

Verschärfung durch Corona

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde es noch dringlicher, die Menschen von der Straße zu holen und ihnen geschützte Räume zu bieten. Deshalb hat die Wohnungsnotfallhilfe im März und April 2020 umfassende Veränderungen umgesetzt, um Infektionen zu verhindern, eine hygienische Unterbringung zu ermöglichen und die Nachverfolgung von Infektionen sicherzustellen. Dabei wurde die Unterbringung von Personen in Massenunterkünften reduziert.

So wurde das Wohnheim in der Wiesentalstraße mit Beginn der Pandemie zur Entlastung der Notunterkünfte genutzt. In der Notübernachtung OASE in der Haslacher Straße wurde die Belegung soweit wie möglich runtergefahren. Die provisorische OASE-Außenstelle in der Stadthalle am Alten Messplatz konnte dank des Wohnheims geschlossen werden. Zusätzlich musste mit Beginn der Pandemie vorübergehend auch die Unterbringung von Personen organisiert werden, die aufgrund von Hotel- und Grenzschließungen keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr hatten.

Die Situation im voll belegten Wohnheim für Familien in der Bötzinger Straße entspannte sich ab April 2020: Mit Unterstützung der FSB unterzeichneten 15 Haushalte mit insgesamt 51 Bewohnerinnen und Bewohnern eigene Mietverträge.

Seit November 2019 gibt es in der Bötzinger Straße 50a durch den Erweiterungsbau 90 neue Plätze für Familien. Damit stehen insgesamt 160 Wohnheimplätze am Standort zur Verfügung.

Doch die Unterbringung in Wohnheimen ist nur eine Zwischenlösung. Langfristig will die städtische Wohnungsnotfallhilfe die Familien auf dem freien Wohnungsmarkt vermitteln. Hierfür arbeitet die Stadt nicht nur eng mit der Freiburger Stadtbau zusammen, sondern auch mit Baugenossenschaften und privaten Vermieterinnen und Vermietern.

Den Jahresbericht der Wohnungsnotfallhilfe 2019 nahm der Gemeinderat am vergangenen Dienstag ohne Aussprache zur Kenntnis. Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach betonte, wie dringend zusätzliche Wohnungen wegen Kündigungen gebraucht werden, um Personen nach einem Wohnheimbesuch perspektivisch mit einem Wohnungsangebot versorgen zu können.

Veröffentlicht am 19. November 2020
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