Digitalisierung und Begegnung

Jahresbericht der Stadtbibliothek

Ein zugedecktes Klavier mit darauf aufgestellten Ausleihmedien steht vor einer Bücherwand
Moderne Bibliothek: Video- und Brettspiele, CDs und natürlich Bücher – die Stadtbibliothek bietet ein umfangreiches Leihsortiment an. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Die Zahlen, die der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und die Direktorin der Stadtbibliothek Elisabeth Willnat jüngst vorstellten, lesen sich sehr gut. Insgesamt stieg die Nutzerzahl der Onlineausleihen um bemerkenswerte 80 Prozent. So verwundert es nicht, dass die Digitalisierungsstrategie im Mittelpunkt des Jahresberichts stand – und wie sich die Stadtbibliothek künftig weiterentwickeln kann.

Leuchtturm der kulturellen Bildung

Mit einem Etat von knapp vier Millionen Euro und zusammengerechnet insgesamt 36 Vollzeitstellen ist die Stadtbibliothek eine der größten städtischen Kultureinrichtungen – und das zeigt sich auch im Jahresbericht 2019. Beeindruckende 1073 Veranstaltungen fanden statt – das sind circa drei pro Tag. Für den Ersten Bürgermeister Ulrich von Kirchbach ist deshalb klar: „Die Stadtbibliothek ist ein Leuchtturm der kulturellen Bildung in Freiburg."

Diesen metaphorischen Leuchtturm besuchten im vergangen Jahr 554570 Besucher, knapp 25000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit konnte der Abwärtstrend der letzten fünf Jahre gestoppt werden – 2014 waren es noch 709188 Besucher. Mit insgesamt 1475372 Ausleihen im Jahr 2019 wurde das Vorjahresniveau stabil gehalten (2018: 1473195). „Das sind sehr gute Zahlen“, betonte Bürgermeister Kirchbach.

Zunahme der Online-Nutzung um 80%

Auch immer mehr ältere Menschen nutzen die Stadtbibliothek. Insgesamt 3182 Personen über 60 Jahre besitzen einen Leseausweis – ein Plus von neun Prozent im Vergleich zu 2018. Paradox: Gleichzeitig macht die Onleihe, also die Ausleihe digitaler Medien wie E-Books oder E-Journals, eine besonders gute Figur: Von den 30769 Menschen mit Leseausweis nutzen 5508 das digitale Angebot. Das bedeutet einen Zuwachs um 80 Prozent. Mit 193621 bestellten Medien macht die Onleihe mittlerweile 13,1 Prozent aller Ausleihen aus.

Ort der Begegnung

Dieser Erfolg ist kein Zufall. Aufgrund einer allgemeinen Informationsflut ändere sich das Nutzungsverhalten, betont Elisabeth Willnat. Das Ziel der Stadtbibliothek sei es deshalb, zukunftsfähige Strategien zu entwickeln, um die gesellschaftliche Aufgabe der Digitalisierung zu meistern. Die neue Website mit integriertem Katalog vereinfacht die Suche im Netz und der Service wird Richtung open library ausgebaut – so war beispielsweise die Hauptstelle der Stadtbibliothek bis zum Lockdown montags ohne Service als Selbstbedienung geöffnet. Auch das digitale Angebot wird beständig ausgebaut, etwa durch die kostenfreien Streamingplattformen Filmfriend, Freegal und Genios.Gaming-Abende sollen derweil die Jüngeren, die eine Bibliothek vornehmlich mit verstaubten Büchern verbinden, anlocken, und Hilfsangebote wie beispielsweise der IT-Scout vermitteln den Älteren Computergrundlagen. In Zukunft, so Willnat, will die Stadtbibliothek immer mehr ein Begegnungsort unterschiedlicher Generationen werden. Unter den Schlagworten Integration gibt es etwa im vielfältigen Veranstaltungsprogramm ein Sprachcafé, in dem Migrantinnen und Migranten sich austauschen und zusammen Deutsch üben können.

Orientierung am dänischem Vorbild

Die Stadtbibliothek ist inzwischen weit mehr als eine klassische Bibliothek und lässt sich, trotz der Überschrift des Artikels, nicht auf ihre Digitalisierungsstrategie reduzieren. Sie wird zu einem Ort des Austausches, des Stadtlebens und der Integration – zu einem Leuchtturm der kulturellen und politischen Bildung. Diese Idee, die Stadtbibliothek stärker als dritten Ort, als ein soziokulturelles Zentrum zu etablieren, entstand, so Willnat, bei einer gemeinsamen Reise mit Bürgermeister Kirchbach an die Nordküste Dänemarks. Vorbild ist die Bibliothek DOKK1 in Aarhus. Ein erstes Puzzleteil seien die verlängerten Öffnungszeiten der open library. Bei positivem Feedback, sagte Bürgermeister Kirchbach, wolle man diesen Weg weiter gehen. Er wünsche sich eine „Bibliothek mit höchster Aufenthaltsqualität, die nicht mehr ausschließlich vom Buch aus gedacht wird“.

Mehr: www.freiburg.de/stadtbibliothek

Veröffentlicht am 14. August 2020