Grundwasser-Problem in Landwasser

Stadt hat auf Wunsch des Gemeinderates unterschiedlichste Lösungsvarianten geprüft: Laut Gutachten von Experten ist keine Variante genehmigungsfähig

Millionenkosten für die Allgemeinheit und hohe Gefahr, dass durch Drainagen das Grundwasser verunreinigt würde

Für das Grundwasser-Problem in Landwasser gibt es keine Lösung, zu der die Stadtverwaltung geeignete Schritte beitragen könnte. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das das Umweltschutzamt in Auftrag gegeben und in Abstimmung mit dem Rechtsamt und dem Eigenbetrieb Stadtentwässerung begleitet hat. Nachdem die Dezernentenkonferenz dieses Ergebnis jüngst zur Kenntnis nahm, haben Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik, Klaus von Zahn, Leiter des Umweltschutzamtes, und Gutachter Thomas Schweizer es heute auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Sobald das Grundwasser ansteigt, kommen aus Landwasser dieselben Meldungen: Wasser tritt in die Keller von Wohnhäusern ein. Das ist seit Jahrzehnten so. Betroffen waren anfangs Häuser im Bussard- und im Habichtweg, später auch an der Auwaldstraße.

Eine Verpflichtung der Stadt Freiburg, hier Abhilfe zu schaffen oder Entschädigung an die Betroffenen zu leisten, besteht nicht. Dies steht seit einem Rechtsstreit im Jahr 2016 fest. Damals hatte eine betroffene Eigentümerin gegen die Stadt geklagt, war aber vom Landgericht abgewiesen worden. Der hohe Grundwasserpegel in Landwasser ist eine natürliche hydrogeologische Gegebenheit. Er gehört zur situativen Prägung des Eigentums und kann nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.

Im Sommer 2018 gab der Gemeinderat die Erstellung eines Modells in Auftrag, um die Grundwasserverhältnisse in Landwasser zu klären. Damit sollten Grundwasserströme simuliert und die hydraulische Wirkung von Drainagen analysiert werden. Das Modell sollte ermitteln, welche hydraulische Maßnahme zum Ziel führt, wie viel Wasser bei welcher Variante anfällt und welche Risiken diese Variante birgt. Ob sie konkret durchführbar wäre, war nicht Inhalt des Gutachtens. Nun hat der Gutachter vier Varianten entwickelt.

Variante I „Flache Drainage im Zustrom, 2 m tief“ wird von der IG und dem Bürgerverein gefordert. Im südlichen Zustrom des Siedlungsgebietes würde eine 2 Meter tief liegende Querdrainage verlegt. Das Gutachten hält diese Maßnahme hydraulisch für unwirksam. Damit würden höchstens zwei Keller trocken gelegt, es müssten aber 290.000 Kubikmeter Grundwasser pro Hochwasser-Ereignis abgepumpt werden. Das ist unwirtschaftlich, und zudem besteht die Gefahr einer Grundwasserverunreinigung.

Für Variante II „Flache Drainage im Zustrom, 3 m tief“ würde im südlichen Zustrom des Siedlungsgebietes eine 3 Meter tief liegende Querdrainage verlegt. Auch ihre hydraulische Reichweite wäre aber unzureichend. Pro Ereignis müssten sogar 500.000 Kubikmeter abgepumpt werden – das ist mehr, als die gesamte Gemeinde March für ihre 9.300 Einwohner jährlich an Wasser verbraucht (440.000 Kubikmeter). Auch diese Maßnahme nutzt also wenig, ist unwirtschaftlich und könnte das Grundwasser verunreinigen.

Variante III „Tiefe Längsdrainagen“ musste verworfen werden, da sie in der Praxis nicht zu verwirklichen ist. Bei der Variante wurden zwei lange tiefe Längsdrainagen unterhalb von Bussard- und Habichtweg untersucht. Das Grundwasser müsste dafür stark abgesenkt werden, wodurch zum einen die abzupumpende Menge an Grundwasser hoch wäre. Zum anderen würde sich ein hohes Setzungsrisiko für die Wohnhäuser ergeben.

Variante IV „Hybride Lösung“ kombiniert mehrere Querdrainagen, eine 3 Meter tiefe Drainage im südlichen Zustrom und mindestens eine weitere, 6 Meter tiefe Querdrainage unter dem Siedlungsgebiet. Damit könnte das Ziel trockener Keller wohl erreichen werden. Pro Ereignis wären aber 780.000 Kubikmeter Grundwasser abzupumpen. In einem Jahr mit zwei Hochwasser-Ereignissen wären das über 1,5 Millionen Kubikmeter. Das Setzungsrisiko schätzt der Gutachter als gering ein. Das Grundwasser könnte aber verunreinigt werden, und die Kosten (gut 1 Million Euro für die Drainage) wären hoch. Hinzu kommen Kosten für das Ableiten und Versickern.

Ein weiterer Kostentreiber wäre das Ableiten des Grundwassers. Für jede der vier Varianten wäre die Versickerungsanlage Neumatte derzeit zu klein. Ihre Erweiterung würde über 1 Million Euro kosten, steht aber gar nicht zur Debatte, denn schon das heutige Becken konnte nur auf der Hälfte der benötigten Fläche gebaut werden, weil die übrigen Grundstücke damals nicht zu erwerben waren. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Ein zusätzliches Problem wäre die rechtliche Beurteilung. Jede der vier Varianten wäre ein erheblicher Eingriff ins Grundwasser im Wasserschutzgebiet der Gemeinde March. Damit würde sie einer wasserrechtlichen Erlaubnis bedürfen; das Landratsamt müsste zustimmen, ebenso die Gemeinde March. Die Zustimmungen könnten aber wegen der Gefährdung des Grundwassers und damit der Trinkwassergewinnung für die Gemeinde March nicht erteilt werden. Es gilt der sogenannte „Besorgnisgrundsatz“, wonach die Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers auszuschließen ist. Demnach ist keine der Maßnahmen genehmigungsfähig.

Im Ergebnis bedeutet dies also: Jede Variante birgt Risiken, an denen eine Umsetzung scheitert. Hydraulisch sinnvoll wäre einzig Variante IV; sie gefährdet aber die Trinkwassergewinnung der Gemeinde March. Zudem bestehen geotechnische Bedenken: Wer hier bohrt, riskiert Setzungen. Auch wenn das Setzungsrisiko als gering eingeschätzt wird, ist es in einem Siedlungsgebiet nicht tragbar.

Das Ergebnis des Grundwassermodells hat die Stadtverwaltung bereits allen Fraktionen, der IG Landwasser und dem Bürgerverein Landwasser mitgeteilt.

Hintergrundinfo: Feuchte Keller in Landwasser

Die Problematik nasser bzw. feuchter Keller im Siedlungsgebiet Landwasser besteht seit Ende der 1990er Jahre. Zu Beginn der Bebauung in Landwasser Anfang der 1970er Jahre stand das Grundwasser in der Region sehr niedrig. Ab Mitte der 1990er Jahre stieg es dann allmählich. Anfangs wurde dieser Anstieg noch durch die hohe Fremdwasserableitung in der tief liegenden Schmutzwasserkanalisation gedämpft. Durch das Abdichten der Kanäle im Jahr 2008 wurde diese Dämpfung jedoch stark verringert. Die Abdichtung war notwendig, um die Fremdwasserableitung zur Kläranlage zu verringern und das Grundwasser vor Schmutzwassereintritt zu schützen.

Im Siedlungsgebiet sind rund 50 Häuser betroffen – allerdings in unterschiedlichem Maße, da die Höhenlage der Kellersohlen nicht einheitlich ist und einige Gebäude mit einer weißen Wanne (aus wasserundurchlässigem Beton) errichtet wurden.

Seit 18 Jahren befasst sich die Verwaltung intensiv mit dem Problem und unterstützt die Betroffenen beim Suchen nach Lösungsansätzen. Zahlreiche Maßnahmen für eine positive Beeinflussung des Grundwasserabflusses im Siedlungsgebiet wurden bereits umgesetzt. Beispielsweise wurde bzw. wird der Wasserabfluss im Walddistrikt XI verbessert, das Drainagewasser der Albert-Schweitzer-Schule in den Vogelbach abgeleitet und der Rechen am Moosweiher regelmäßig gereinigt. Betroffene erhielten die wasserrechtliche Erlaubnis zum Abpumpen von Grundwasser an den einzelnen Gebäuden.

In einem früheren Gutachten wurde bereits untersucht, ob eine Absenkung großräumig mittels Brunnen (große Absenkbrunnen für das ganze Siedlungsgebiet) oder baufeldbezogen (mehrere kleine Absenkbrunnen) möglich wäre. Beides wurde verworfen, da das Risiko durch Setzungen nicht kalkulierbar wäre und auch keine Möglichkeit bestünde, das geförderte Wasser dem Grundwasser – wie im Wasserschutzgebiet zwingend vorgeschrieben – wieder zuzuführen. Auch die IG Landwasser hatte daraufhin anerkannt, dass beide Maßnahmen nicht weiter verfolgt werden können.

Daraufhin forderten die IG und der BV eine Querdrainage im Zustrom zur Ableitung von Grundwasserspitzen. Auch diesen Ansatz hatten die Fachämter und der Gutachter untersucht – mit dem Resultat, dass auch er nur eine sehr eingeschränkte Reichweite hätte. Nur die erste Häuserzeile würde davon profitieren, und auch dies nur im geringen Zentimeterbereich. Da die Kosten auch hier viel höher wären als der Nutzen, wurde auch dieser Ansatz von der Verwaltung 2015 verworfen und von OB Salomon allen Beteiligten so mitgeteilt.

Veröffentlicht am 31. Juli 2020

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