Reinhold Schneider Preis 2020

Der Autor Dietmar Dath und das Tänzer- und Choreographen-Duo Graham Smith und Maria Pires erhalten den Kulturpreis der Stadt Freiburg

Stipendien gehen an „Die Immoralisten“, Vanessa Valk und Jens Burde sowie an Stefanie Höfler und an Iris Wolff

Ehrenpreise erhalten Renate Obermaier und Heinz Spagl sowie Evelyn Grill

Die 15-köpfige Kulturpreis-Jury unter Vorsitz des Ersten Bürgermeisters Ulrich von Kirchbach hat die Preisträgerinnen und Preisträger des Reinhold-Schneider-Preises 2020 gewählt.

Der Autor und Journalist Dietmar Dath erhält den mit 15.000 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt Freiburg in der Sparte Literatur. Das Tänzer- und Choreographen-Duo Graham Smith und Maria Pires werden mit dem erstmals in der Sparte Darstellende Kunst verliehenen Reinhold-Schneider-Preis ausgezeichnet.

Das mit 6.000 Euro pro Sparte dotierte Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis wird jeweils zu gleichen Teilen von 3.000 Euro vergeben: Für „Darstellende Kunst“ an das Theater „Die Immoralisten“ und an das Künstlerpaar Vanessa Valk und Jens Burde. In der Sparte Literatur werden die Autorinnen Stefanie Höfler und Iris Wolff mit einem Stipendium prämiert.

Die zwei undotierten Ehrenpreise erhalten als Würdigung für ihr bisheriges Lebenswerk in der Sparte Darstellende Kunst die Schauspieler Renate Obermaier und Heinz Spagl. Der Ehrenpreis Literatur wird der Schriftstellerin Evelyn Grill zugesprochen.

Der biennal zur Verleihung ausgelobte Kulturpreis der Stadt Freiburg, der Reinhold-Schneider-Preis, öffnet im 60. Jahr seines Bestehens ein neues Kapitel. Der bislang ausschließlich in den drei Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik vergebene Kulturpreis der Stadt wird erweitert um die beiden Bereiche „Fotografie, Film, Neue Medien“ und „Darstellende Kunst“.

Ab dem Jahr 2020 vergibt die Stadt die Preise künftig immer in zwei Sparten parallel; dieses Jahr im turnusgemäß zur Verleihung anstehenden Bereich „Literatur“ und in der neu hinzugekommenen Sparte „Darstellende Kunst“.

Eine weitere Premiere steht im Hinblick auf die Preisverleihung bevor: Der jahrzehntelang im Historischen Kaufhaus stattfindende Festakt zieht ins Große Haus des Theaters Freiburg um. Oberbürgermeister Martin Horn übergibt die Preise in beiden Sparten im Rahmen eines feierlichen Abends am Sonntag, 22. November. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zur Kulturpreisverleihung eingeladen.

Mit ihrer Entscheidung, dem seit vielen Jahren künstlerisch zusammenarbeitenden Paar Graham Smith und Maria Pires den erstmals in der Sparte Darstellende Kunst zugesprochenen Kulturpreis zu verleihen, setzt die neben dem Vorsitzenden aus sechs gemeinderätlichen Mitgliedern und acht externen Expertinnen und Experten konstituierte Jury ein Zeichen für den Tanz.

Der gebürtige Amerikaner Graham Smith und die Portugiesin Maria Pires haben nach ihrem Tanzstudium diverse Stationen in internationalen Tanzcompagnien durchlaufen, ehe sie in den 90er Jahren in Deutschland und der Schweiz an unterschiedlichen Theatern mit Regisseuren und Choreographen wie Joachim Schlömer, Volker Hesse, Tom Schneider oder Sebastian Nübling zusammenarbeiteten. Pires ist seit 2006 regelmäßig auf der Bühne des Theater Freiburg zu sehen, Smith zählt zu den Mitgründern der unter der Intendanz von Barbara Mundel entstandenen ehemaligen Tanzkooperation pvc Freiburg-Heidelberg und leitet seit der Spielzeit 2012/13 den Bereich Tanz im der Sparte Junges Theater.

Die Jury würdigt insbesondere das Engagement der beiden Tänzer und Choreographen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Stadtteile und Herkünfte. Der kreative Blick von Smith und Pires ist im besten Sinne stadtumfassend weit und inkludierend, divers und zugleich persönlich. Ihre vorbildliche kulturelle Bildungsarbeit verdankt sich der exzellenten künstlerischen Qualität des konzeptionell eng kooperierenden Künstlerpaares.

Unvergessen bleiben für das Freiburger Publikum das Ergebnis der zweiten Projektphase von „Learning by Moving“, des auf zwei Jahre angelegten Tanz-Schul-Projekts unter der künstlerischen Leitung von Graham Smith: „Hesch Affekte?“, ein 2014 mit über 70 Schülerinnen und Schülern der Vigelius-Grundschule auf der große Theaterbühne aufgeführtes Barockopernprojekt. Oder der „Petruschka/ Sacre du printemps“-Doppelabend 2018.

Aber auch die bereits vor über zehn Jahren unter anderen von Graham Smith kuratierte ehemalige Kneipe Finkenschlag als 'Außenspielstätte' des Theaters im Stadtteil Haslach, Treffpunkt und kreative Keimzelle für, von und mit Bürgerinnen und Bürgern sowie und Kunstschaffenden und das Stadtraumprojekt „Die andere Seite“, in dem Formen des Zusammenlebens und des Stadtbaus in der Stadt von morgen untersucht wurden, sind noch in wacher Erinnerung.

Eine herausgehobene Bedeutung kommt dem von Smith und Pires geleiteten hochambitionierten Laientanz-Ensemble School of Life and Dance (SoLD) zu, mit dem sie in mittlerweile vier Tanzgruppen (Sprossen: 7-11 Jahre), Setzlinge (11-14 Jahre), Originals (14-25 Jahre) und SoLD Gold (ab 50 Jahre) regelmäßige Trainings absolvieren und Präsentationen erarbeiten. Die beiden Tänzer und Choreographen legen nicht nur Wert auf zeitgenössische Tanz- und Körpertechniken, sondern machen die Teilnehmenden auch mit Improvisation, Komposition, Film- und Kameraarbeit vertraut. Selbstwahrnehmung und der Transfer auf andere Lebensbereiche - diese Wirkung und was zusammen mit Menschen, die vielleicht noch gar nie mit Theater und Tanz in Berührung gekommen sind, ans Licht geholt wird, strahlt auf teils sehr zahlenstarken und gruppenübergreifenden Bühnenproduktionen auch auf ein breites Publikum aus und ist sehr sehenswert und begeisternd.

Mit ihrer kontinuierlichen Suche nach ungewöhnlichen Wegen, genreübergreifenden Kooperationen sowie neuen Produktionsformen für Themen, die die Gesellschaft betreffen, allem voran aber mit ihren künstlerisch Umsetzungen leisten Graham Smith und Maria Pires einen unermesslichen Wert für die Förderung des Tanzes und des Publikumsnachwuchses.

Das Stipendium zum Reinhold-Schneider Preis geht an das freie Theater „Die Immoralisten“. Hervorgegangen aus einer studentischen Theatergruppe und nach einer Phase als Wanderensemble hatte der künstlerische Leiter, Geschäftsführer und Regisseur Manuel Kreitmeier zusammen mit seinem Ko-Intendanten, dem Komponisten, Musiker und Schauspieler Florian Wetter, im Jahr 2010 die Courage, eine eigene Theaterspielstätte aufzubauen. Seit nun schon zehn Jahren im Stühlinger Gewerbe-Hof an der Ferdinand-Weiß-Straße beheimatet, sind „Die Immoralisten“ mit einem um die 12 Schauspielerinnen und Schauspieler starken Ensemble fest in der Freiburger freien Theaterlandschaft etabliert und locken auf eine unnachahmliche Art und stets aufs Neue ein Publikum aller Alters- und Bildungsgruppen zu ihren Vorstellungen. Die sehr filmisch inszenierten Plakatankündigungen haben bereits Sammlerwert und in atemberaubendem Tempo werden bis zu vier Premieren jährlich präsentiert sowie ein beim Publikum beliebter sommerlicher Höhepunkt mit dem OpenAir-Stück im charmanten Innenhof.

Besonders hervorheben möchte die Kulturpreis-Jury die mutige Besonderheit des Theaters, nicht nur große Stoffe der Weltliteratur („Schuld und Sühne“, „Das Bildnis des Dorian Gray“, oder „Der Bau“) auf ungewöhnliche Art zu inszenieren, sondern sich mit eigenen Stückentwicklungen der Multitalente Kreitmeier und Wetter und mit oft eigens komponierter Originalmusik, die live in den Vorstellungen gespielt wird, zu profilieren. Ihre Trilogie zum Ersten Weltkrieg oder „Stammheim“ haben diese eigene Form des Geschichtstheaters eindrücklich vermittelt. Die Arbeiten der Immoralisten sind politisch motiviert und aufklärerisch, und dennoch bringen sie ihre Stücke auf höchst unterhaltsame Art auf die Bühne, ohne dabei beliebig oder gefällig zu sein.

Ebenso mit dem Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis prämiert wird das Künstlerpaar Vanessa Falk und Jens Burde. Die 1974 in Hamburg geborene Vanessa Valk hat ihr Studium an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst/Figurentheater absolviert und war von 2006 bis 2011 als Schauspielerin, Figurenspielerin und -bauerin mit eigener Werkstatt am Freiburger Theater engagiert.

In der künstlerischen Allianz mit ihrem Partner Jens Burde sind die beiden ein unschlagbar gutes, sich gegenseitig inspirierendes Team. Jahrgang 1974, hat Burde in München Illustration und in Hamburg Industriedesign studiert. Beide erhielten renommierte Kunst- und Innovationspreise und werden neben ihren Eigenproduktionen auch bundesweit für Ausstattungs-, Produktions- und Figurenbau an verschiedenen Theatern und Shows oder für die Umsetzungen von interaktiven Mitmach-Projekten, Raumgestaltungen und Szenographien für Ausstellungen beauftragt (in Freiburger Literaturhaus waren zum Beispiel zu sehen: „Pop up Gautschätä“, „Poesie im Weltformat“ und „Museum der Langsamkeit“). Bei der bereits oben erwähnten Barockoper „Hesch Affekte?“ visualisierten der Bühnenbildner Jens Burde und die Puppenspezialistin Vanessa Valk mit den Schülerinnen und Schülern sehr phantasievoll deren ganz eigene barocke Gefühls-und Theaterwelt.

Die Jury würdigt insbesondere ihre interdisziplinären und installativen Performances, die sowohl in gigantischen Kreationen im öffentlichen Raum wie auch in sehr intimen Ein-Frau-Stücken seine Zuschauerinnen und Zuschauer sofort gefangen nehmen und emotional berühren. Ob es um die künstlerische Forschung und Bearbeitung der Themen Sterben und Tod, Natur und Umwelt, um soziokulturelle Stadtteilprojekte oder wissenschaftliche Experimente und medizinische Errungenschaften geht: Valk und Burde machen mit ihren künstlerischen Arbeiten einen Kosmos erlebbar, der nicht zuletzt durch seine Materialität sehr nachhaltige, sinnliche und poetische Wirkung entfaltet.

Auch der Ehrenpreis in der Sparte Darstellende Kunst geht an ein Künstler-Duo: die der Stadt Freiburg schon so lange die Treue haltenden und aus der hiesigen Kulturlandschaft nicht wegzudenkenden Renate Obermaier und Heinz Spagl. Die Schauspieler prägten über Jahrzehnte mit ihrer Spiel- und Experimentierfreude, ihrer präzisen Spracharbeit und ihrer begeisternden und berührenden Schauspielkunst die künstlerische Praxis des Kinder- und Jugendtheaters im Marienbad mit und trugen maßgeblich zu seinem Erfolg und zur bundesweiten Beachtung bei.

Anderen künstlerischen Genres wie Musik, Literatur, Performance stets eng verbunden, entstehen solo, zu zweit oder in unzähligen Kooperationen mit Kunstschaffenden , Musikerinnen und Musikern, Regisseurinnen und Regisseuren, Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlerinnen – und -wissenschaftlern, Bühnenprogramme, deren Spektrum von einer musikalischen Lesung zu Michail Ossorgins „Eine Straße in Moskau“ im Rahmen der Russischen Kulturtage Freiburg 2019 bis hin zu einem eigens für die Freiburger Veranstaltung zum weltweiten Aktionstag der Städte gegen die Todesstrafe am 30.11.2018 zusammengestellten literarisch-politischen Programm reichen.
Mit der Gründung ihres HörFlüge Audioverlags 2013 haben Obermaier und Spagl mit selbst produzierten Hörbüchern für Kinder und für Erwachsene ein weiteres Spielfeld szenischer Lesungen eröffnet. Bisher erschienen sind unter anderem „Rebellen“ von Wolfgang Schorlau, „Der Rabe Alfons“ von Erwin Moser und das erzählte, sehr bewegende Lebens-Schicksal des in einem syrischen Flüchtlingslager geborenen Palästinensers Mohammed Jabur „Bleiben ist keines – nirgendwo“, begleitet von einem begnadeten Musiktrio.
Kunst und deren Vermittlung gelingt Renate Obermaier und Heinz Spagl auf profunde Weise, den Blick, Ohr und Herz ihres Publikums weit öffnend.

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis 2020 in der Sparte Literatur wird der 1970 in Rheinfelden geborene und in Schopfheim aufgewachsene Autor, Journalist und Übersetzer Dietmar Dath prämiert. Nach Abitur und Studium der Physik und Literaturwissenschaft in Freiburg war Dath von 1998 bis 2000 Chefredakteur der Musik- und Popkulturzeitschrift „Spex“. Ab 2001 bis 2007 und nach einer Phase als freier Autor ist er seit 2011 wieder FAZ-Feuilletonredakteur und Filmkritiker und wohnt in Frankfurt am Main und Freiburg.

Nicht nur quantitativ, sondern auch inhaltlich und sprachlich sprengen seine Veröffentlichungen Grenzen. Über 40 Romane und Erzählungs- und Lyrikbände, Essays und Abhandlungen zu naturwissenschaftlichen, politischen, philosophischen und ästhetischen Themen wurden in verschieden Verlagen publiziert. Dath schafft es auf solitäre und staunenswerte Weise, Brücken zu schlagen zwischen populärkulturellen Themen (Disneyfilme, Netflix-Serien, Comics, Musik) und Philosophie (Marx, Hegel) und literarischen Genres („Niegeschichte. Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine“, Matthes &Seitz, 2019).

Der Autor genießt nicht nur Kultstatus unter Science Fiction- und Fantasy-Leserinnen und -Lesern, sondern vermag es, dieses Genre so intelligent und kunstvoll auszubauen, dass sich auch eine erweiterte Leserschaft in einen Sog ziehen lässt. 2008 stand sein Roman „Die Abschaffung der Arten“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde als 12-teiliges Hörspiel adaptiert. Dath entwickelt darin das Zukunftsszenario einer Welt, in der Tiere das Regiment von den allmählich aussterbenden Menschen übernommen haben. Der Autor verwebt spekulativ und phantasievoll hochtechnologische Mechanismen wie genetische Replikation und der ihr entsprechenden futuristischen Cybersprache mit der Entwicklung politischer Systeme und einem, den verschiedenen Tieren eigenen und durchaus auch musikalisch-poetischem Tonfall.

Der Zugang zu seinen sehr umfänglichen Romanen ist mitunter nicht einfach, gibt man sich aber dem unerschöpflichen Fluss hin und lässt sich auf die Denk-Welten, Sprachkreationen Daths ein, entfaltet sich ein überraschendes Lektüreerlebnis. Dieses sowie die gesellschaftspolitische Relevanz von Dietmar Daths Werk, sein Vermögen, Visionen einer gerechteren und besseren Welt auf sprachmächtige Art und Weise zu imaginieren, hebt die Kulturpreis-Jury mit ihrer Entscheidung für den Reinhold-Schneider-Preisträger 2020 im Bereich Literatur hervor.

Das Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis in der Sparte Literatur vergibt die diesjährige Kulturpreis-Jury an die 1978 in Leonberg geborene Kinder- und Jugendbuchautorin Stefanie Höfler. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland ist Höfler derzeit als Theaterpädagogin und Lehrerin für die Fächer Ethik, Deutsch, Englisch an einem Gymnasium tätig und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort bei Freudenstadt im Schwarzwald. Alle drei erschienenen Romane „Mein Sommer mit Mucks“(2015), „Tanz der Tiefseequalle“ (2017, mit dem LUCHS des Jahres ausgezeichnet) und der „Der große schwarze Vogel“ (2018) waren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Seit April diesen Jahres liegt ihr aktueller, von Anke Kuhl illustrierter Roman „Helsin Apelsin und der Spinner“, vor.

Höfler gebührt für ihre Wahl wichtiger und ernster Themen wie Mobbing, Gruppenzwang, sexuelle Belästigung, Gewalt in der Familie, Identitätsfindung oder auch Sterben und Tod höchster Respekt. Auszeichnenswert befand die Jury aber vor allem die Differenziertheit und die Empathie und der Humor, mit der die Autorin ihren (Außenseiter) Figuren begegnet und damit Leichtigkeit und Tiefgang auf großartige Weise vereint. Mit klarer Sprache, szenisch und dialogstark erzählt sie von herausfordernden, die jungen Leserinnen und Lesern aber ansteckenden Charakteren und Geschichten. Auch andere Kunstgenres haben sich ihre literarische Texte zu eigen gemacht: So wurde beispielsweise 2019 in Freiburg als Uraufführung der für die Bühne adaptierte Roman „Tanz der Tiefseequalle" im E-Werk von Natascha Popov inszeniert.

Ebenfalls mit dem Stipendium in der Sparte Literatur zeichnet die Jury die Freiburger Autorin Iris Wolff aus, deren fünfter Roman „Die Unschärfe der Welt“ kurz vor der Veröffentlichung steht. Darin schreibt sie die vier vorherigen und vor allem die 2017 erschienenen und von der Kritik und einer größeren Öffentlichkeit begeistert aufgenommenen Erzählungen „So tun, als ob es regnet" mit dem ihr unverkennbaren literarischen Stil gekonnt fort. Die 1977 geborene, im Banat und Siebenbürgen aufgewachsene und 1985 nach Baden-Württemberg emigrierte Autorin hat nach ihrem Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Grafik/Malerei in Marburg und beruflichen Stationen als langjährige Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach und im Freiburger Kulturamt, wo sie für den Bereich kulturelle Bildung und das Kinderliteraturfestival LirumLarumLesefest verantwortlich war, im Jahr 2018 den Schritt gewagt, gänzlich als freie Autorin zu arbeiten.

Für ihre Familiengeschichten, die sich über mehrere Generationen erstrecken und deren ihnen innewohnende Themen wie Herkunft und Erinnerung, historische Ereignisse, Brüche und Verlust von Iris Wolff atmosphärisch-eindringlich schreibend erkundet werden, erhielt sie renommierte Auszeichnungen wie den Thaddäus-Troll-Preis 2019 und den Marieluise-Fleißer-Preis 2019. Ihre Schreibkunst ist wohltuend frei von Zugeständnissen an Trends und Moden des Literaturbetriebs. Mit dem Kulturpreis in der Kategorie Stipendium würdigt die Jury das literarische Werk der in Freiburg lebenden Schriftstellerin, ihre liebevollen Beobachtungen und ihre feine poetische und konzentriert fließende Sprache.

Mit dem Ehrenpreis in der Sparte Literatur würdigt die Kulturpreis-Jury das umfassende Lebenswerk der seit 1986 in Freiburg lebenden und seit drei Jahren in ihr Herkunftsland Österreich zurückgekehrten Schriftstellerin Evelyn Grill. Die 1942 geborene Autorin studierte Jura in Linz und publizierte ab 1980 als freie Schriftstellerin in Literaturzeitschriften und im Rundfunk. Sie war langjähriges aktives Mitglied des Literatur Forum Südwest, dem Trägerverein des Literaturhaus Freiburg.

In ihren Romanen und Erzählungen verschränken sich Familienbiografien und scharfsinnig beschriebene Figurenkonstellationen immer auch mit der Beschäftigung gesellschaftlicher Fragen zu autoritären Strukturen, Geschlechterverhältnissen oder Ausgrenzung. Grill erzählt sprachgewandt und oftmals von schwarzem Humor durchzogen, aber immer voller Respekt ihren Figuren gegenüber.

Weitere Informationen zum Reinhold-Schneider-Preis finden Sie unter www.freiburg.de/reinhold-schneider-preis.

Veröffentlicht am 28. Juli 2020

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