Hausgemachte Holzkohle

Kohlenmeiler im Sägendobel entzündet

  • Zwei Männer schichten im Wald mit einem Bagger Holzscheite kreisförmig auf.
    Am Schauinsland schwelt in diesem Jahr wieder ein Kohlenmeiler. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)
  • Ein Mann steht im Dunkeln auf einem rauchenden Kohlenmeiler.
    Interessierte können dem Köhler bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Traditionelles Schwarzwälder Waldgewerbe am Schauinsland: Vergangene Woche hat Schauinsland-Revierleiter Philipp Schell den Kohlenmeiler im Sägendobel entzündet, in dem in den nächsten zwei Wochen Holz zu Holzkohle verschwelt. Im Herbst kann dann die Grillkohle beim Forstamt gekauft werden. Zuletzt gab es einen solchen Meiler mit anschließendem Kohleverkauf vor fünf Jahren.

Hinweis: Bis Freitag, 3. Juli, steigt aus dem Sägendobel teils starker Rauch auf. Je nach Windrichtung kann es im Ortsteil Bohrer zu Geruchsbelästigungen kommen. Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

Kohleherstellung mit langer Tradition

Der Kohlenmeiler wird schwarzwaldtypisch als stehender Rundmeiler aufgebaut. Dafür werden rund 50 Raummeter ("Ster") Brennholz von Buche und Esche verwendet. Das ein Meter lange Kohlholz wird in der inneren Schicht senkrecht um einen zentralen Feuerschacht ("Quandel") gestellt. Darüber kommt die zweite Schicht in Form einer Halbkugel. Das Ganze wird mit Fichtenreisig ("Rauhdach") und anschließend mit Erde ("Losche") abgedeckt. Auf diese Weise kann das Feuer kontrolliert schwelen.
Nach dem Entzünden beginnt im Feuerschacht der Verkohlungsprozess, gesteuert durch manuell regulierte Luftzufuhr. Die Dauer des Schwelbrands hängt von der verwendeten Holzmenge ab. Beim Kohlemeiler im Sägendobel dauert er je nach Witterung zehn bis 18 Tage. In dieser Zeit ist der Köhler ständig vor Ort, um den Abbrand zu beobachten und zu regulieren. Dann ist der Meiler "gar". Übrig bleibt energiereiche Holzkohle, die gegenüber Holz etwa 50 Prozent weniger Volumen und 75 Prozent weniger Gewicht hat. Deshalb war der Kohlemeiler im Mittelalter die einzige Möglichkeit, Holz aus entlegenen Waldgebieten abzutransportieren und zu nutzen.

Auf dem Schauinsland wurde Holzkohle früher in großen Mengen benötigt, um Metalle aus den im Bergbau gewonnenen Erzen auszuschmelzen. Bis zur Nutzung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas) war sie neben Holz der wichtigste Energieträger. Holzkohle ist ein unbelastetes, klimafreundliches Naturprodukt. Grillfans schätzen die typische, feine Note, die Holzkohle den Speisen verleiht. Der Geschmacksunterschied zum Gasgrill ist klein, aber durchaus wahrnehmbar. Die gute Qualität der Holzkohle erkennt man übrigens daran, dass sie "klingt", wenn man zwei Stücke aneinander schlägt.

Dem Köhler über die Schulter schauen

Mit der Aktion erweckt das Forstamt die historische Holzkohleherstellung am Schauinsland zum Leben. Interessierte erhalten einen seltenen Einblick in das traditionsreiche Handwerk. Während der Meiler zwei Wochen lang schwelt, bietet das Forstamt täglich um 14.30 Uhr eine kurze Führung an. Besucher_innen müssen sich vor Ort in eine Anwesenheitsliste eintragen und die Corona bedingten Abstände zueinander einhalten. Wer den Meiler außerhalb der Zeiten besucht, darf den Kohlplatz jenseits des Geländers und der Absperrungen nicht betreten. Wird der Erdmantel beschädigt, besteht die Gefahr, dass der Meiler unkontrolliert abbrennt.

Der Sägendobel liegt hinter Günterstal. Wer zum Meiler will, kann auf dem Parkplatz rechts vor der Abzweigung nach Horben parken. Ab dort weist die Beschilderung den 800 Meter langen Weg.

Holzkohle direkt vom Erzeuger

Vor Ort können Interessierten bereits ab dieser Woche Kohle aus dem alten Kohlemeiler von 2015 erwerben. Mitte Juli öffnet das Forstamt den aktuellen Meiler. Da die frische Kohle noch heiß ist, muss sie zunächst absacken und erkalten. Danach beginnt der Verkauf, ab August ist die "Holzkohle aus dem FSC-zertifizierten Freiburger Stadtwald" beim Forstamt in der Günterstalstraße 71 erhältlich. Jeder 5-kg Sack kostet 7,50 Euro. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Holzkohle finanzieren die Aktion.

Veröffentlicht am 22. Juni 2020
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