Bis 10. Juli

Anhörungsverfahren zum Ausbau der Rheintalstrecke

Der Ausbau des 3. und 4. Gleises der Rheintalbahn ist Bestandteil des wichtigsten Schienenkorridors für den Güterverkehr zwischen Rotterdam, Antwerpen und Lyon/Genua. Mit dem Lötschberg- und dem Gotthardtunnel stehen bereits jetzt leistungsfähige Alpenquerungen zur Verfügung, deren nördlichen Zulauf es nun fertigzustellen gilt. Das transeuropäische Eisenbahnnetz soll es ermöglichen, mehr Schwerlastverkehr auf die Schiene zu verlagern und den Personenverkehr zu verbessern.

Für das europäische Gesamtprojekt von herausragender Bedeutung ist der 180 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Karlsruhe und Basel. Die mehr als 150 Jahre alte Strecke ist mit täglich über 300 Zügen längst an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Mit dem Aus- und Neubau der Strecke durch zwei zusätzliche Gleise soll die Transportleistung deutlich gesteigert werden. Geplant sind neben der neuen Trasse auch vier größere Tunnelprojekte sowie rund 340 Brückenbauwerke.

Einzelne Abschnitte sind bereits in Betrieb, so zwischen Raststatt und Offenburg (seit 2004) und zwischen Schliengen und Auggen (seit 2012). Weitere Abschnitte sind zurzeit im Bau, wie zwischen Weil und Haltingen sowie nördlich von Raststatt. Während im Norden die beiden neuen Gleise parallel zur bestehenden Strecke geführt werden, gibt es südlich von Offenburg über weite Strecken eine Bündelung mit der Bundesautobahn A5. Hier werden die Gleise unmittelbar neben der Autobahn liegen.

Karte der geplanten Rheintalstrecke
Jahrhundertbauwerk: Die Grafik zeigt den 17 Kilometer langen Planungsabschnitt 8.2 auf Freiburger Gemarkung. Rot markiert ist die Neubaustrecke für den Güterverkehr, der dann komplett neben der Autobahn verlaufen wird. (Grafik: Deutsche Bahn AG)

Anhörungsverfahren läuft ab dem 29. Mai

Auch auf Freiburger Gemarkung wird die Neubaustrecke parallel zur Autobahn verlaufen und sich dabei natürlich auch auf Siedlungen, Wald, Naturschutzgebiete und den Mundenhof auswirken. Am 29. Mai beginnt das Anhörungsverfahren des Planfeststellungsabschnitts 8.2, in dessen Verlauf alle Träger öffentlicher Belange, aber auch Privatpersonen gegenüber dem Regierungspräsidium eine Stellungnahme abgeben können. Bis einschließlich 10. Juli kann man die Planunterlagen im Foyer im Altbau des Technischen Rathauses (Fehrenbachallee 12) sowie im Internet einsehen unter baden-wuerttemberg.de. Zu lesen gibt es einiges, denn die Unterlagen umfassen nicht weniger als 32 Aktenordner.

Region forderte besseren Lärmschutz

Bereits im Jahr 2009 war ein Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet worden, das jedoch am heftig kritisierten Schallschutzkonzept der Bahn scheiterte. Der in zahlreichen Bürgerinitiativen organisierte Widerstand in der Region führte zur Gründung eines Projektbeirats, in dem neben der Deutschen Bahn sowie Bundes- und Landesministerien auch Kommunen und Bürgerinitiativen vertreten waren. Unter Vermittlung des Regierungspräsidiums konnte im Jahr 2016 eine von allen Seiten akzeptierte Lösung gefunden werden: ein Schallschutzkonzept, das deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegt. Allein auf Freiburger Gemarkung verursacht dieser zusätzliche Schutz Mehrkosten von 84 Millionen Euro, die zu gleichen Teilen von Bund und Land übernommen werden.

Im Planfeststellungsverfahren wird die Stadt nun prüfen, ob alle damaligen Vereinbarungen zufriedenstellend umgesetzt werden. Gemeinsam mit verschiedenen Gutachterbüros wird die ämterübergreifende Arbeitsgruppe „Rheintalbahn“ (koordiniert vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung) das Planwerk auf den Lärmschutz, aber auch hinsichtlich anderer Aspekte wie Umweltschutz, Baustellenkonzeption, Katastrophenschutz, Wald und Landwirtschaft unter die Lupe nehmen. Auch hierzu wird es eine Stellungnahme geben, sofern sich die Auswirkungen auf Stadt und Bürgerschaft minimieren lassen.

Grundsätzlich begrüßt Freiburg den Ausbau der Rheintalstrecke, denn dies ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, den Personenverkehr auf den bisherigen Gleisen zu verbessern. Bislang ist beispielsweise der S-Bahn-Verkehr auf der Rheintalstrecke durch die zahlreichen Güterbahnzüge stark eingeschränkt.

Weil die Fristen im Anhörungsverfahren kurz bemessen sind, hat die Verwaltung bereits frühzeitig vom Gemeinderat "grünes Licht" erhalten, Einwendungen zu erheben, sofern die Pläne nicht den Interessen der Stadt entsprechen oder gegen die früheren Vereinbarungen verstoßen.

Fertigstellung erst im Jahr 2031

Bevor die ersten Züge über die Rheintalstrecke bei Freiburg rollen, wird noch viel Zeit vergehen. Der Planfeststellungsbeschluss wird nach den Zeitplänen der Deutschen Bahn für das Jahr 2022 erwartet, sodass mit dem Bau etwa Mitte des Jahres 2025 begonnen werden könnte. Fertig soll der Streckenabschnitt frühestens 2031 sein.

Sind die beiden Güterbahngleise an der Autobahn in Betrieb, können anschließend die Ausbauarbeiten an der bisherigen Strecke zwischen Teningen und Buggingen beginnen. Das soll Personenzügen höhere Beförderungsgeschwindigkeiten erlauben und ist Gegenstand eines neuen Planfeststellungsverfahrens. Aber das ist noch Zukunftsmusik: Bis zum Abschluss aller Arbeiten an der Rheintalbahn werden voraussichtlich noch rund zwei Jahrzehnte vergehen.

Veröffentlicht am 29. Mai 2020
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