Erkennbare Besserung, aber noch keine Entwarnung:

Stadtverwaltung setzt sich für die Qualität des Waldsees als Amphibiengewässer ein

Der Waldsee ist mit seinen 0,8 Hektar unter den 10 Seen im Freiburger Stadtgebiet zwar der kleinste. Für die Naherholung, als Ausflugsziel und Veranstaltungsstätte hat er im Freiburger Osten aber eine große Bedeutung. Zudem ist er ein wichtiger Lebensraum für Amphibien – und als solcher in jüngster Zeit öfter in den Schlagzeilen als einem See dieser Größe gut tut. Vor dem nahenden Sommer beschäftigen das Umweltschutzamt gemeinsam mit dem Garten- und Tiefbauamt als Gewässerunterhalter zwei Fragen: Können sich im Waldsee diesmal genug Kaulquappen entwickeln, nachdem die Generation 2019 komplett ausgefallen war? Und gibt die Seequalität Anlass zur Sorge, dass er wieder zu sehr euthrophiert?

Im August 2018 war der Waldsee umgekippt. Fast alle Fische, die darin lebten (rund 1000), kamen dabei um. Der Bestand der geschützten Teichmuschel konnte aber gerettet werden. Die Frösche und Kröten, die sich im Waldsee entwickeln, waren schon an Land.

Um ihn zu sanieren, wurde der See im Spätherbst 2018 durch eine Fachfirma mithilfe eines Schlammsaugbaggers entschlammt. Die Frosch- und Krötengeneration 2019 blieb jedoch vollkommen aus. Aus dem abgelegten Laich konnte sich keine einzige Kaulquappe bis zur Landgang-Reife entwickeln. Daraufhin beauftragte das Umweltschutzamt ein Fachbüro mit einer Analyse der Ursachen. Bis dato konnte kein eindeutiger Grund dafür ermittelt werden. Auch eine chemische Gewässeranalyse brachte (noch) keine Klarheit.

Bei einer Begehung Mitte April waren nun im gesamten ufernahen Bereich kaum Laich und keine Kaulquappen zu finden, obwohl das Wandern der Adulttiere zum See und das Ablaichen stattgefunden hatten. Zudem zeigte das Gewässer – mutmaßlich auch wegen der extrem trockenen und warmen Witterung im April – wieder wahrnehmbare Zeichen zunehmender Eutrophierung: Der See schimmert mattgrün, in der Luft liegt ein unangenehmer Geruch, Laichprobe riechen schweflig.

Um ein erneutes Kippen des Sees zu verhindern, wodurch auch das Ausbleiben der diesjährigen Krötengeneration drohen würde, hat das Umweltschutzamt nach der Begehung sofort reagiert. Die Umwälzpumpe, die das Garten- und Tiefbauamt 2018 in der Seemitte installiert hatte, wurde auf Höchstleistung eingestellt. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer im Krötendienst haben gemeinsam mit Bachpaten und Umweltschutzamt die See-Ufer engmaschig nach Kaulquappen und Laich untersucht. Ein limnologisches Fachbüro wurde mit einer Gewässeranalyse beauftragt: möglichst rasch soll es Sauerstoffgehalt und Trübungsgrad des Waldsees ermitteln.

Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor. Es konnten Kaulquappen vor allem am Ost- und Südufer beobachtet werden. Auch der beauftragte Ökologe fand Anfang Mai deutliche Vorkommen. Die Gefahr, dass wieder eine ganze Kaulquappen-Generation ausbleibt, ist damit gesunken, aber noch nicht endgültig gebannt. Weitere Sichtkontrollen sind nötig, solange die Amphibienentwicklung nicht abgeschlossen ist.

Im April hat das Fachbüro für Limnologie Höhn Messproben entnommen. Sie ergaben, dass die Sauerstoffsättigung im See derzeit noch ausreicht, der Trübungsgrad aber noch recht hoch ist. Dies könnte die Entwicklung der Larven beeinträchtigen. Die Gewässeranalyse wird im Laufe des Jahres fortgesetzt. Anhand einer breiteren Datenbasis soll die Qualität und Zukunft des Sees sowohl als Erholungsort gesichert, aber auch seine Funktion als wichtigstes Amphibiengewässer in Freiburg erhalten werden.

Aktuell lautet das Zwischenfazit des Umweltschutzamtes:
Um die diesjährige Krötengeneration zu retten, sind vorerst alle möglichen Sofortmaßnahmen eingeleitet worden. Die Erholungssuchenden werden aber gebeten, nicht zu versuchen, vom Uferrand aus Kaulquappen oder Laich zu entnehmen. Dies würde die Reproduktionsrate der Kröten weiter schmälern, zumal Keime oder Schadstoffe für die empfindlichen Amphibien eingetragen werden könnten. Zudem leiden der See und sein Amphibienbesatz erkennbar unter dem Klimawandel und aktuell vor allem unter dem extrem trockenen und warmen April-Wetter. Solange nicht abschließend geklärt ist, warum die Krötengeneration ausgefallen ist, gilt dem „Schutzobjekt“ Waldsee weiterhin die besondere Fürsorge der Stadtverwaltung.

Veröffentlicht am 20. Mai 2020

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