Beckmann, Liebermann, Altenbourg

Außergewöhnliches Geschenk für die städtischen Museen

Über eine umfangreiche Schenkung können sich das Museum für Neue Kunst und das Haus der Graphischen Sammlung des Augustinermuseums freuen. Die Hamburgerin Gabriele Rauschning, im Dezember 2018 verstorben, vermachte den städtischen Museen ihre in vier Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung grafischer Blätter.

Sichtlich ergriffen waren die beiden Verwandten und Nachlassverwalter Heinrich Rauschning und Dirk Battermann, als sie die außergewöhnliche Sammlung Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und Christine Litz, Direktorin des Museums für Neue Kunst, überreichten. Außergewöhnlich, weil die Sammlung nicht strikt thematisch zusammengestellt wurde, sondern, wie Christine Litz betont, eine ganz eigene Geschichte erzählt: „Die Lebensgeschichte von einer Frau, die sich die Welt erschließt.“

Sechs Personen stehen neben einem Kunstwerk in ihrer Mitte
Neue Heimat: Von links nach rechts präsentieren Christine Litz, Ulrich von Kirchbach, Heinrich Rauschning, Dirk Battermann, Tilmann von Stockhausen und Isabel Herda den 1919 entstandenen Holzschnitt „Morgen (Javanische Köpfe)“ von Max Pechstein. Er ist eines von 150 Werken aus der beeindruckenden Sammlung Gabriele Rauschnings, die sie der Stadt Freiburg schenkte. (Foto: L. Zhao)

So außergewöhnlich wie Geschichte und Sammlung selbst sind, war auch ihr Weg in die städtischen Museen. Gabriele Rauschning verbrachte den Großteil ihres Lebens in Hamburg und Frankfurt und hatte, abgesehen von einigen Studienjahren, wenig Bezug zu Freiburg. Dass die Sammlung letztlich den Städtischen Museen geschenkt wurde, ist der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums für Neue Kunst, Isabel Herda, zu verdanken. Sie konnte, wie Heinrich Rauschning erklärte, Gabriele Rauschning vom Haus der Graphischen Sammlung überzeugen.

Dieser enge Kontakt beider Frauen passt letztlich auch zu der sehr leidenschaftlich zusammengetragenen und persönlichen Sammlung. Dirk Battermann betonte, seine verstorbene Tante hätte sich wahnsinnig darüber gefreut, dass ihre geliebten Raritäten künftig im Museum für Neue Kunst und im Augustinermuseum ausgestellt, erforscht und entdeckt werden können.

Die Sammlung Rauschning

Außergewöhnlich sind aber auch die Qualität und Quantität der Schenkung. Christine Litz sprach von einer „hochkarätigen“ und „handverlesenen“ Sammlung. Gerade in Anbetracht des niedrigen Anschaffungsbudgets der städtischen Museen seien solche umfangreichen Schenkungen wichtig, um die eigenen Ausstellungen punktuell zu erweitern. Auch Ulrich von Kirchbach war „ganz überwältigt“ von dem unerwarteten Zuwachs, der „gar nicht hoch genug einzuschätzen“ sei.

Da verwundert es nicht, dass der Direktor der Städtischen Museen, Tilmann von Stockhausen, die knapp 150 grafische Blätter umfassende Sammlung hochrangiger Arbeiten der Klassischen Moderne und des 19. Jahrhunderts freudig in Empfang nahm.

Zeichnungen und Grafiken von Erich Heckel, Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Ernst Barlach und Käthe Kollwitz vertreten den Expressionismus. Mit Max Liebermann und Lovis Corinth sind zwei der bedeutendsten Künstler des deutschen Impressionismus dabei.

Den internationalen Flair der Schenkung garantieren Werke der französischen Maler Eduard Manet, einem Wegbereiter der modernen Malerei, und Jean-François Millet, der dem Realismus zugeordnet wird und als einer der führenden Künstler der Schule von Barbizon gilt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem zeichnerischen und druckgrafischen Werk von Gerhard Altenbourg, der sich der Kunstpolitik der DDR verweigerte und zu einer Symbolfigur des inneren Widerstands wurde.

Wie geht es weiter?

Was von Gabriele Rauschning bleibt, ist eine Geschichte der ganz besonderen Art, die künftig in den städtischen Museen angesehen und erlebt werden kann. Die schlechte Nachricht für alle Kunstliebhaberinnen und -liebhaber: Die Sammlung Rauschning wird erst im Jahr 2022 umfassend ausgestellt. Die gute Nachricht: Einzelne Werke, wie zuletzt zwei Radierungen von Max Beckmann, können schon zuvor Ausstellungen erweitern. Auch über eine frühzeitige Bereitstellung in der Online-Sammlung werde nachgedacht, versicherte Christine Litz.

Veröffentlicht am 28. Februar 2020