Erstmals wurde auch die Nachhaltigkeit systematisch ausgewertet

Beteiligungsbericht 2018 vorgestellt

Die Stadt ist insgesamt an 26 Unternehmen als Gesellschafterin unmittelbar und an rund 75 mittelbar beteiligt. Mit anderen Kommunen ist Freiburg Mitglied in acht Zweckverbänden. Fünf städtische Einrichtungen werden als rechtlich unselbständige Eigenbetriebe geführt. Über die Geschäftsentwicklung der städtischen Töchter im Jahr 2018 informiert der Beteiligungsbericht, der jetzt vorgestellt wurde. Erstmals wurde auch die Nachhaltigkeit der städtischen Beteiligungen bilanziert.

Millionenspiel: Die VAG befördert mit ihren Bussen und Bahnen jedes Jahr über 80 Millionen Fahrgäste. Obwohl die Einnahmen bei über 70 Millionen Euro liegen, sorgen die notwendigen Investitionen für rund 20 Millionen Euro Defizit. (Foto: A. J. Schmidt)
Millionenspiel: Die VAG befördert mit ihren Bussen und Bahnen jedes Jahr über 80 Millionen Fahrgäste. Obwohl die Einnahmenbei über 70 Millionen Euro liegen, sorgen die notwendigen Investitionen für rund 20 Millionen Euro Defizit. (Foto: A. J. Schmidt)

Die städtischen Gesellschaften, Eigenbetriebe und andere Beteiligungen bieten den Freiburger Bürgerinnen und Bürgern vielfältige Leistungen. Sie sorgen unter anderem dafür, dass es bezahlbare Wohnungen gibt, der Müll abgeholt wird oder die Wirtschaft und das städtische Theater gefördert werden. Auch um den Betrieb der Messe, des Flugplatzes, der Parkgaragen und der Friedhöfe oder um die Wiedereingliederung von Menschen in den Arbeitsmarkt kümmert sich die Stadtverwaltung nicht selbst, sondern hat diese Aufgaben an Tochtergesellschaften übertragen.

Töchter toppen die Mutter

Alle zusammen drehen ein mehr als großes Rad: Mit einer Beschäftigtenzahl von rund 3300 liegen die Töchter in etwa gleichauf mit ihrer Mutter, die sie beim Finanzvolumen längst überholt haben. Während der städtische Haushalt knapp an der Milliardengrenze kratzt, liegen die Umsätze bei den Töchtern bei über 1,3 Milliarden Euro.

Bäder und Bahnen sind nicht kostendeckend

Im Beteiligungsbericht ist dargelegt, wie sie sich wirtschaftlich entwickelt haben. Dabei gibt es traditionell und im Betätigungsfeld begründet Unternehmen, die viel Geld verdienen und direkt oder indirekt in den städtischen Haushalt abführen, und solche, die zwar unzweifelhaft zur Daseinsvorsorge gehören, aber nicht wirklich kostendeckend zu betreiben sind. So liegt beispielsweise der Zuschuss pro verkaufter Schwimmbad-Eintrittskarte im Schnitt bei rund fünf Euro. Man müsste den heutigen Entrittspreis mehr als verdoppeln, um alle Kosten zu decken – doch dann würden die Besucherzahlen sicher drastisch zurückgehen, und viele Badegäste könnten sich den Besuch nicht mehr leisten. Damit wäre die Daseinsvorsorge nicht mehr gewährleistet und ein wichtiger kommunaler Auftrag unerfüllt.

Ganz ähnlich verhält es sich beim öffentlichen Nahverkehr, der insbesondere angesichts der notwendigen Investitionen in Streckenausbau und Fuhrparkerneuerung nirgendwo auf der Welt kostendeckend betrieben werden kann. Allein 2018 hat die Freiburger Verkehrs AG (VAG) knapp 19 Millionen investiert, dafür im Gegenzug aber nur rund vier Millionen Euro Zuschüsse erhalten. Trotz kontinuierlich steigender Fahrgastzahlen – mittlerweile über 82 Millionen pro Jahr – ergibt sich so ein hohes jährliches Defizit. 2018 lag es bei 20 Millionen Euro, in den kommenden Jahren wird es aufgrund des weiteren Netzausbaus sogar noch höher.

Gewinne bei Strom und Abfallentsorgung

Anders verhält es sich in der Energiebranche: Die Badenova, an der die Stadt Freiburg zu rund einem Drittel beteiligt ist, verdient nach wie vor gutes Geld und trägt maßgeblich dazu bei, die Verluste der VAG und des Bäderbetriebs im Stadtwerke-Verbund auszugleichen. Rund 18 Millionen Euro betrug der städtische Anteil an den Badenova-Gewinnen im Jahr 2018. Für die kommenden Jahre werden in etwa gleichbleibende Gewinne erwartet.

Stabile Gewinne mit einem Jahresüberschuss von rund 2,4 Millionen Euro (städtischer Anteil rund 1,3 Millionen Euro) fährt auch die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) ein, deren gutes Geschäftsergebnis allerdings kein Selbstläufer ist. Bei der Abfallentsorgung gibt es einen harten Wettbewerb, der zu beständigen Investitionen und Innovationen zwingt. Auch Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen erfordern ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, das die ASF seit vielen Jahren mit Erfolg nachweist.

Wirtschaftsförderung lohnt über Umwege

Über Umwege ist auch die FWTM, also die für Wirtschaft, Touristik und Messen zuständige Stadttochter, eine Gesellschaft mit Mehrwert. Der bildet sich im Geschäftsergebnis aber leider nur zu kleinen Teilen ab, da beispielsweise der Tourist, der aufgrund der Marketingaktivitäten der FWTM seinen Urlaub in Freiburg verbringt, zwar viel Geld in Freiburger Hotels, Restaurants und Einzelhandelsbetrieben lässt, das sich aber nicht in der Bilanz der FWTM niederschlägt. Diese weist für 2018 einen Fehlbetrag von 7,5 Millionen Euro, der aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen wurde. Doch es gibt auch Zahlen, die den Erfolg der FWTM belegen: Der steile Anstieg bei Übernachtungszahlen (fast Verdreifachung seit 1987) oder bei der Beschäftigung (plus 25 000 seit 2010) ist mindestens zum Teil auch auf das Wirken der städtischen Wirtschafts- und Tourismusförderung zurückzuführen.

Stadtbau-Gewinne fließen in Wohnungsbau

Ein Gewinnbringer ist hingegen der Stadtbau-Verbund, der seine Überschüsse – 2018 insgesamt 11,2 Millionen Euro – allerdings nicht in den städtischen Haushalt abführt, sondern komplett reinvestiert und damit Mietwohnungsbau sowie Parkhaus- und Bädersanierungen ermöglicht.

Neu im Portfolio ist die Stadion Freiburg Objektträgergesellschaft GmbH & Co. KG, deren Auftrag Bau und Betrieb des neuen Fußballstadions ist. Sie erhielt 2018 einen Investitionszuschuss von 9,5 Millionen Euro. Damit wurde der Finanzierungsbeitrag der Stadt für den Bau des Stadions in voller Höhe geleistet. Im August 2020 soll der Spielbetrieb am Flugplatz beginnen.

Eine kleine, aber nicht minder wichtige Gesellschaft ist die f.q.b., die sich um die Qualifizierung und Beschäftigung langzeitarbeitsloser Menschen kümmert. Das macht sie so erfolgreich, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen unterm Strich ein Fehlbetrag von nur knapp 300000 Euro steht. Auf der Habenseite steht hingegen die Erfüllung einer wichtigen sozialen Aufgabe, von der jedes Jahr rund 400 Menschen profitieren.

Für die Zukunft verweisen die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aller städtischen Gesellschaften unisono auf die großen Herausforderungen durch den demographischen Wandel. In den nächsten Jahren gehen sehr viele Beschäftigte in den Ruhestand; entsprechend qualifizierten Nachwuchs zu finden, wird hingegen immer schwerer. Leider ist Ausbildung zwar oft, aber nicht immer der Königsweg, wie die ASF beispielhaft berichtet: Seit Jahren werden alle selbst ausgebildeten Kraftfahrer direkt von Speditionen abgeworben.

Nachhaltigkeit wird sichtbar

Als eine der ersten Kommunen in Deutschland hat die städtische Stabsstelle für Nachhaltigkeit eine Untersuchung der fünf größten städtischen Tochterunternehmen vorgelegt. Die Anwendung des deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) gewährleistet dabei die nationale und internationale Vergleichbarkeit der erhobenen Fakten – und macht deutlich, wie gut die städtischen Tochterunternehmen beim Thema Nachhaltigkeit aufgestellt sind. Dazu gehören offensichtliche Dinge wie das Wertstoffrecycling bei der Abfallwirtschaft, aber auch die feste Verankerung eines Innovations- und Ideenmanagements in der Unternehmenskultur. Vor allem macht der Nachhaltigkeitsbericht deutlich, wie breit der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Begriff Nachhaltigkeit inzwischen gefasst ist: Von Klima und Energie bis hin zu Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit bleibt kein Themenfeld unberührt – nachzulesen in den jeweiligen Erklärungen, die in der Datenbank des DNK unter www.deutscher-nachhaltigkeitskodex. de zu finden sind.

Weitere Infos zum Thema Nachhaltigkeit unter www.freiburg.de/nachhaltigkeitsmanagement

Der Beteiligungsbericht kann unter www.freiburg.de/beteiligungen heruntergeladen werden. 

Konzern Stadt Freiburg

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Veröffentlicht am 04. Februar 2020
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