Stadtwald

Immer mehr Bäume fallen Trockenheit und Käfern zum Opfer

Aufmerksame Waldbesucher haben es bemerkt: Überall im Stadtwald sind Tannen und Fichten braun verfärbt und sterben ab. Das Forstamt  erläutert die Ursachen der Waldschäden und zeigt Lösungsstrategien auf.

Vor Ort mit Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und dem städtischen Forstamt

Vom Höhenrücken des Brombergkopfs zwischen Günterstal und Littenweiler reicht der Blick weit über die bewaldeten Hänge bis hinüber zum Rosskopf und zum Kandel. Aber der Bilderbuchblick ist getrübt. Alle Hundert Schritte ragen braunverfärbte und tote Tannen und Fichten aus dem Grün. Betroffen sind alle Höhenlagen zwischen dem Schwarzwaldrand und dem Schauinslandgipfel, besonders aber die trockenen Rücken und felsigen Abschnitte.

Nicole Schmalfuß, Leiterin des städtischen Forstamts, und ihr Stellvertreter Berno Menzinger machen ernste Gesichter. Der trockene Sommer des vergangenen Jahres hat die Bäumen geschwächt – und dies war bereits der dritte extrem niederschlagsarme Sommer binnen eineinhalb Jahrzehnten. Die geschwächten Bäume sind nun ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer. Die nur wenige Millimeter großen Winzlinge, die zur Grundausstattung aller Nadelwälder gehören, können sich bei gutem Nahrungsangebot massenhaft vermehren. Hierzu gehören zum Beispiel gebrochene Bäume, Äste oder Kronen, die im vergange-nen Herbst und Winter durch Schneebruch und Sturmwurf in großem Umfang angefallen sind. Treffen die Käfer dann auf bruttaugliche Bäume, wehrt sich der Baum durch Harzfluss, der die Jungkäfer erstickt. Durch Trockenheit oder Umwelteinflüsse beeinträchtigte Bäume produzieren jedoch weniger Harz, und die Käfer können Brutgänge anlegen, in denen sich dann binnen weniger Wochen Larven und neue Käfer entwickeln. Bis zu drei Generationen können so innerhalb eines Sommers ent-stehen, vorausgesetzt, das Wetter ist warm und trocken.

Entfernt man die Baumrin-de, wie Berno Menzinger es mit einem Schäleisen vorführt, erkennt man an der Rindenunterseite die charakteristischen Fraßgänge, die genau der Wachstumsschicht des Baumes folgen. Weil dort die für den Baum lebenswichtigen Versorgungsleitungen verlaufen, reichen schon wenige Käfer aus, um den Baum von der Wasser- und Nährstoffversorgung abzuschneiden. Innerhalb sehr kurzer Zeit sterben selbst Baumriesen ab.

Käferbekämpfung ist aufwendig

Was kann das Forstamt in dieser Situation tun? Zunächst versucht man, so Schmalfuß, einen Überblick über die Populationsentwicklung der Käfer zu gewinnen. Hierzu bedienen sich die Förster Pheromon-fallen, in denen die Käfer mit Sexuallockstoffen angelockt, gefangen und dann ausgezählt werden. Außerdem sind fast wöchentlich die Revierbeamten oder Forstwirte in den kriischen Beständen unterwegs und suchen die Stämme auf erste Befallszeichen ab. Schon ein wenig Käfer-Bohrmehl am Stammfuß oder von Spechten abgehämmerte Rindenstückchen signalisieren den Fachleuten akuten Käferbefall – in den ausgedehnten Bergwäldern mit vielen Steillagen eine sehr aufwendige Tätigkeit.

Wird Befall diagnostiziert, heißt es schnell handeln. So rasch wie möglich müssen die Bäume gefällt und entweder entrindet, gehäckselt oder aus dem Wald geschafft werden, bevor die nächste Käfergeneration heranwächst. Viele Tausend Käfer können sich aus einem Nadelholzstamm entwickeln.

Bereits im vergangenen Jahr mussten mehr als 8000 Festmeter Holz außerplanmäßig eingeschlagen werden, das waren drei Viertel des geplanten Hiebssatzes. Und in diesem Jahr sind es bereits jetzt 3500 Festmeter Käferholz, die geschlagen wurden, und weitere werden noch folgen. Wie viel es am Jahresende sein werden, hängt vom Witterungs- und Befallsverlauf ab.

Forstamt ist froh über eigene Arbeitskräfte

Weil die Situation im ganzen Land und in den angrenzenden Regionen ähnlich ist, suchen Forstbetriebe überall händeringend nach Arbeitskräften, die aber kaum noch zu finden sind. „Da können wir glücklich sein, dass wir eigene Waldar-beiter haben“, so Menzinger. Viele Betriebe, die ganz auf Unternehmer setzen, sind zur Untätigkeit verurteilt. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind spürbar: Zum einen ist der Holzpreis durch das Überangebot abgesackt, zum zweiten entstehen durch die verstreuten Einsatzorte Mehrkosten bei der Holzernte, und drittens ist das Schadholz oft durch zu sätzlichen Pilzbefall entwertet, wie Berno Menzinger beklagt. Auch der Anbau neuer, stabiler Bestände kostet viel Geld.

Bei der Baumartenwahl ist Weitsicht gefragt

Weil eine Trendwende in der Klimaentwicklung nicht zu erwarten ist, müssen wir bei der Baumartenwahl umsteuern“, so Schmalfuß. Dazu gehört vor allem, die weniger trockenresistenten Baumarten Tanne und Fichte in den Lagen unter 600 Meter Meereshöhe durch unempfindlichere Arten wie Traubeneiche, Spitz-ahorn, Linde oder Buche zu ersetzen. Auch die Douglasie ist ein auf trockenen Standorten geeigneter und außerdem wirtschaftlich interessanter Baum. Bislang wird die Nordamerikanerin hier nicht von Borkenkäfern befallen, aber erst kürzlich wurden auch an ihr erste Käfer entdeckt. Ob sie einmal richtig auf den Geschmack kommen, ist zurzeit noch unklar. Hoffnung setzt die Amtsleiterin auch in die Forstliche Versuchsanstalt, die derzeit andere geeignete Baumarten und Anbaumethoden untersucht.

Trotz aller schlechter Nachrichten bleibt am Ende des Ortstermins doch auch ein Lichtblick. Der Stadtwald ist mit seinen arten- und altersgemischten Beständen gegen Klima- und Umwelteinflüsse wesentlich besser gerüstet als andere Forstbetriebe, die oft nur auf eine oder ganz wenige Baumarten setzen. Auch der üppige Verjüngungsvorrat, der überall im Unterstand des Bergwalds wartet, ist eine gute Rückversicherung: Fällt der Altbestand aus, ist der Nachwuchs sogleich zur Stelle.

Nicole Schmalfuß: „Wir hoffen, jetzt mit einem blauen Auge davonzukommen – und auf Kälte und Regen.“ Denn das mag der Käfer gar nicht.

Veröffentlicht am 19. Juli 2019

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