Für einen würdevollen Umgang

Gemeinderat möchte die Situation am Synagogenbrunnen verbessern

Mit einem ganzen Bündel ergänzender Maßnahmen will der Gemeinderat dafür sorgen, dass der Synagogenbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge als das genutzt wird, wofür er eigentlich gedacht ist: Als Ort der Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte. Bislang wird er, vor allem im Sommer, allzu oft als kühlendes Plantschbecken missverstanden.

(Un)angemessen? Wenn es nur Kinder wären, die sich – wie hier am Tag der Eröffnung im August 2017 – im Synagogenbrunnen vergnügen, würde sich wahrscheinlich kaum jemand daran stören. Doch Erwachsene, Hunde, Fahrräder, Bierkisten oder ganze Junggesellenschabschiedsgesellschaften haben dort wirklich nichts verloren. (Foto: A. J. Schmidt)
(Un)angemessen? Wenn es nur Kinder wären, die sich – wie hier am Tag der Eröffnung im August 2017 – im Synagogenbrunnenvergnügen, würde sich wahrscheinlich kaum jemand daran stören. Doch Erwachsene, Hunde, Fahrräder, Bierkisten oder ganze Junggesellenschabschiedsgesellschaften haben dort wirklich nichts verloren. (Foto: A. J. Schmidt)

Die Platzgestaltung hat einen langen Planungsprozess mit breiter Beteiligung der Öffentlichkeit hinter sich. Die im Vorfeld vielfach geäußerte Prognose, dass sich in dieser "Steinwüste" niemand gerne aufhalten würde, hat sich glücklicherweise als falsch herausgestellt. Das Gegenteil ist der Fall: Der Platz hat sich zum beliebten Treff- und Aufenthaltsort entwickelt, gerade weil sich hier mangels Verschattung die Sonnenstrahlen schon früh im Jahr und weit in den Herbst hinein genießen lassen.

Leider gilt der rege Zuspruch auch dem eigentlich als ruhigen Ort der Erinnerung gedachten Synagogenbrunnen. Schon am Tag seiner Eröffnung im August 2017 zog eine Kinderpolonaise fröhlich ihre Runden im kühlenden Nass. Der damalige Oberbürgermeister Dieter Salomon erinnerte damals an den vielfach geäußerten Wunsch, dass "dort, wo Leben erloschen ist, wieder Leben sein soll".

Doch schon bald gewann das Leben im Wasserbecken deutlich Überhand und stieß in der Stadtgesellschaft zunehmend auf Kritik. Wie Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach im Gemeinderat eingestand, "haben wir alle dieses Ausmaß der Fehlnutzung nicht vorhergesehen".

Überwiegend, so die Einschätzung der Verwaltung, ist ein Großteil des unerwünschten Verhaltens auf die Unkenntnis über den Charakter des Ortes zurückzuführen. Um dieser Unkenntnis abzuhelfen, hat der Gemeinderat jetzt einstimmig – bei sechs Enthaltungen – ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen, das im Zusammenwirken von Informationen, optischen Barrieren und klaren Verhaltensregeln den Brunnen zu dem machen soll, als was er gedacht war: zu einem ruhigen Ort der Erinnerung.

Ulrich von Kirchbach erläuterte vor der Abstimmung, dass aber noch zahlreiche Details geklärt werden müssten und auch die Kosten von rund 700000 Euro bislang nur grob geschätzt seien und jetzt im Rahmen der vertieften Planung geprüft werden. Eingangs erinnerte er daran, dass die Stadt durch einen 1948 mit der jüdischen Gemeinde geschlossenen Vertrag rechtlich verpflichtet sei, eine Profanierung am Ort der ehemaligen Synagoge zu verhindern.

Um das zu gewährleisten, soll als optische Barriere ein auf dem Boden angebrachtes, in zwei Meter Abstand um den Brunnen laufendes Metallband den Erinnerungsort vom übrigen Platz deutlich sichtbar abgrenzen. In das Band könnte ein Text, beispielsweise ein Bibelzitat, eingelassen werden. Die Entscheidung darüber soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Als weiteres Element ist eine digitale Infostele vorgesehen, wie sie in ähnlicher Form auch am Haupteingang des Münsters steht. Auf dieser Stele sollen Informationen zum jüdischen Leben in Freiburg, zur Alten Synagoge sowie die Namen der aus Freiburg deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden abrufbar sein. Um die ehemalige Synagoge, deren Grundriss der Brunnen nachbildet, auch räumlich begreifbar zu machen, soll außerdem ein Bronzemodell der Alten Synagoge angefertigt und aufgestellt werden.

Zu diesem Mehr an Informationen sollen sich aber auch unmissverständlich formulierte Regeln gesellen. "Grundriss der Alten Synagoge. Bitte nicht betreten" soll auf den Schildern stehen, die rund um den Brunnen am Boden platziert werden. Außerdem zeigen Piktogramme, was alles nicht erwünscht ist: Müll entsorgen, Hunde, Trinken, Skateboards, Plantschen und Betreten. Auf die Einhaltung dieser Regeln soll der Vollzugsdienst hinweisen, der den Platz regelmäßig begeht.

Um insbesondere für Kinder eine Alternative zu schaffen, soll im Rahmen des Entwicklungskonzepts für den Colombipark dort ein attraktiver Spielplatz mit Café und nutzbarem Brunnen entstehen.

Eine wichtige Neuregelung ist die Vergrößerung der Abstandsflächen bei Veranstaltungen auf dem Platz der Alten Synagoge. Statt nur zwei Meter müssen Stände künftig vier Meter Abstand einhalten.

Im Gemeinderat wurde in Absprache aller Fraktionen auf eine Aussprache zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet, da noch einige Detailfragen wie die Größe des Synagogenmodells, die Platzierung der Infostele oder der Text im Metallband geklärt werden sollen. Für die entstehenden Kosten beschloss der Gemeinderat einen Sperrvermerk, der durch einen weiteren Beschluss aufgehoben werden muss.

Veröffentlicht am 10. Mai 2019

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