Mensch, Biene!, Grafik: lahaye tiedemann gestalten, Ulm

7 Fragen an den Ausstellungskurator

Ein Interview mit dem Museumspädagogen und Projektleiter der Ausstellung "Mensch Biene!"

Am Sonntag, 10. Februar, ist die Ausstellung "Mensch Biene!" mit einer großartigen Bilanz von 37.558 Besucher_innen zu Ende gegangen – was übrigens etwa der Größe eines Bienen-Volks im Sommer entspricht ;-) Heute möchte ich abschließend den Ausstellungskurator Peter Geißler zu Wort kommen lassen. Wie hat er die letzten 8 Monate erlebt? Und was war für ihn das Spannende an seiner Arbeit?

Lieber Peter, die Ausstellung „Mensch Biene!“ war ein riesen Publikumserfolg. Was war das Besondere?

  "Genau das war unser Ziel: ein Erlebnis schaffen, das Spaß macht!"

Unser Ziel war es den Besuch der Ausstellung zu einem Gemeinschaftserlebnis zu machen, an das sich Erwachsene und Kinder gleichermaßen gerne zurückerinnern. Das war bei einem so ernsten und politischen Thema wie dem Insektensterben eine große aber auch schöne Herausforderung. Wenn ich mir die vielen Feedback-Nachrichten aus der Ausstellung anschaue, scheint uns das auch gelungen zu sein. Wir wollten Kinder und Erwachsene anregen, gemeinsam aktiv zu werden und ins Gespräch zu kommen. Während der Laufzeit habe ich mich oft als Besucher getarnt und in die Ausstellung gesetzt, um die Besucher_innen zu beobachten. Dabei war immer eines zu sehen: Kinder rannten von Exponat zu Exponat, unterhielten sich mit ihren Begleiter_innen, stellten Fragen. Es war also richtig was los – und auch nicht immer ganz leise! Aber genau das war unser Ziel: ein Erlebnis schaffen, das Spaß macht! Etwas, was man von einem „klassischen Museum“ vielleicht nicht erwarten würde.

Die Zahl der Besucher_innen der Ausstellung "Mensch Biene!", Foto: Marco Sepulveda

Wie bist du auf die Idee zur Ausstellung gekommen? Wie lange hat der Prozess bis zur Eröffnung gedauert? Und welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

  "Wie schaffen wir es, eine Ausstellung mit „langweiligen“ Bienenstöcken und vielen winzig kleinen Insekten zu einem spannenden Erlebnis zu machen, das sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistert?"

Die Planungen haben ca. zwei Jahre vor der Eröffnung begonnen. Die Idee entstand in gemeinsamen Gesprächen mit dem Team des Museums Natur und Mensch. Unsere Institution hat beim Thema Bienen eine lange Tradition. Ein ehemaliger Direktor war sehr an Imkerei interessiert. Er hat in der Nachkriegszeit eine große bienenkundliche Sammlung zusammengetragen, die nach dem Umbau der Dauerausstellung im Museum nicht mehr zu sehen war. Diese wollten wir mal wieder zeigen. Die aufkommende Debatte um das Bienen- bzw. Insektensterben war ein guter Anlass, um an die Bienentradition des Museums anzuknüpfen. Die Herausforderung war dabei schnell klar: Wie schaffen wir es, eine Ausstellung mit „langweiligen“ Bienenstöcken und vielen winzig kleinen Insekten zu einem spannenden Erlebnis zu machen, das sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistert?

Hast du bei der Auseinandersetzung mit dem Thema etwas gelernt, dessen Dimension dir zuvor nicht klar war und dich deshalb überraschte?

  "Gerade in Freiburg haben wir viele Vereine, gewerbliche Imkereien und Naturschützer_innen, die sich vernetzen und sich gemeinsam für den Bienenschutz einsetzen."

Ich muss gestehen, dass ich im positiven Sinn sehr überrascht war, wie viele Menschen sich privat für Imkerei und für Bienen im Allgemeinen begeistern und engagieren. Gerade in Freiburg haben wir viele Vereine, gewerbliche Imkereien und Naturschützer_innen, die sich vernetzen und sich gemeinsam für den Bienenschutz einsetzen. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass viele dieser engagierten Freiburger_innen unsere Idee zur Ausstellung während der Vorbereitungen und der Laufzeit unterstützt haben.

Welche Relevanz hat die Ausstellung für die heutige Zeit? Was konnten insbesondere junge Menschen lernen?

Ich denke und hoffe, dass wir mit „Mensch Biene!“ wirklich etwas bewirkt haben. Wir wollten erfahrbar machen, welchen Wert Bienen für eine funktionierende Natur und damit auch für uns Menschen haben. In der Debatte rund um das Insektensterben wird oft die sogenannte Ökosystemleistung von Insekten angeführt und in Bezug auf unsere Landwirtschaft in Euros beziffert. Das ist im politischen Bereich auch sicher richtig und wichtig. Wir wollten bewusst einen anderen Weg gehen und Kinder emotional ansprechen: ihnen zeigen, wie faszinierend Bienen sind, und was in unserer Natur alles von ihnen abhängt. Mit dem Lernen ist es ja immer so eine Sache. Mir war wichtig, dass die Ausstellung Kinder anregt, draußen genauer hinzusehen, zu beobachten und über Natur zu staunen. Das ist für mich der erste und wichtige Schritt für einen wertschätzenden Umgang mit der Natur.

Feedbacknachrichten von Besucher_innen aus der Ausstellung, Foto: Leah Houy

War die Ausstellung themenbedingt ein Selbstläufer?

Das würde ich nicht sagen. Uns hat es natürlich geholfen, dass das Thema Biene 2018 in vielen Medien präsent war und immer noch ist. Aber das ist noch lange keine Garantie für eine erfolgreiche Ausstellung. Der Spaß beim Besuch ist – so glaube ich – der wichtigste Faktor. Wir hatten viele Kinder, die zunächst mit dem Kindergarten oder der Schulklasse die Ausstellung gesehen hatten und dann mit ihren Familien erneut gekommen sind, teilweise mehrmals. Und zwar deswegen, weil ihnen der Besuch so viel Freude bereitet hat.

Was war dein  persönliches Highlight? Und gibt es etwas, was dir besonders fehlen wird?

  "Stationen, an denen man etwas schmecken darf, gibt es in Museen leider viel zu selten."

Mein Highlight war die Honigprobierstation. Als Museumspädagog_innen möchten wir möglichst viele Sinne unserer Besucher_innen ansprechen. Inhalte und Themen finden einfach einen besseren Weg in unser Gehirn, wenn sie über verschiedene Sinne erfahren werden. In unseren Ausstellungen haben wir deshalb immer Dinge zum Fühlen, Riechen und Hören. Stationen, an denen man etwas schmecken darf, gibt es in Museen leider viel zu selten.

Möchtest du abschließend noch etwas loswerden oder den Leser_innen mit auf den Weg geben?

  "Und dabei hat es jeder von uns in der Hand, durch den Kauf regionaler Bioprodukte diejenigen zu unterstützen, die sich für den Natur- und Artenschutz einsetzen."

Ja gerne! Wir wollen unsere Besucher_innen dazu anregen, selbst raus in die Natur zu gehen, zu Beobachten und zu Staunen. Nur so kann man auch emotional erfassen, was gerade auf dem Spiel steht! Nie gab es ein so rasantes Artensterben wie heute direkt vor unserer Haustür. Aber die meisten Menschen bekommen das einfach nicht mit. Und dabei hat es jeder von uns in der Hand, durch den Kauf regionaler Bioprodukte diejenigen zu unterstützen, die sich für den Natur- und Artenschutz einsetzen.


Vielen lieben Dank Peter für das Interview!

Mit diesem Beitrag endet nun auch das letzte Kapitel des „Mensch Biene“-Blogs. Begleitend zur Ausstellung habe ich mit meinen Beiträgen versucht, einen exklusiven Blick hinter die Kulissen zu bieten, bestimmte Einzelthemen der Schau zu vertiefen und praktische Tipps zum Insektenschutz für den Alltag mitzugeben. Mit großer Freude konnte ich bei meinen Recherchen viele spannende Details über das kleinste Nutztier und seine große Bedeutung für uns Menschen lernen – und diese Begeisterung hoffentlich auch weiter geben!

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Veröffentlicht am 20.02.2019
 
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