An der Emil-Gött-Schule in Zähringen gibt es eine bunte kulturelle Vielfalt

Demokratie lernen von Anfang an

Als Stefan Maier vor vier Jahren den Evaluationsbericht für seine Schule in den Händen hielt,stand in der Einleitung, die Emil-Gött-Grundschule sei „eine städtische Schule mit ländlichem Flair“. Das, sagt der Schulleiter, habe sich grundlegend verändert. Seit einiger Zeit herrschen Leben und Trubel im Haus.

Schulkinder gehen Hand in Hand die Treppe vor einer bunten Wand im Schulgebäude runter. (Foto: A. J. Schmidt)
Bunt ist Trumpf: Mit dem Ausbau der Nachmittagsbetreuung haben in der Emil-Gött-Schule Leben und Trubel die früher fast ländliche Ruhe verdrängt.(Foto: A. J. Schmidt)

Ein Grund für diese gravierende Wandlung ist sicher auch die stark gewachsene Schulkindbetreuung: 178 der insgesamt 250 Schülerinnen und Schüler sind für ein Betreuungsmodul angemeldet. Hiervon 134 für das Mittagessen und die pädagogische Schulkindbetreuung am Nachmittag.

Weil sich die Kinder wie zu Hause fühlen sollen, ist am Nachmittag in der Schule der Freizeitcharakter maßgeblich: Mal laut lärmend über den Schulhof rennen oder ausgiebig Fußballsticker tauschen ist erlaubt – im Gegensatz zur Unterrichtszeit. Lehrerkollegium und Schulkindbetreuung kooperieren, „das funktioniert sehr gut“, sagt Maier. Neben einem regelmäßigen Jour Fixe auf Leitungsebene und einem Arbeitskreis aus Lehrkräften und Betreuern findet einmal pro Jahr ein Treffen aller Beteiligten statt, bei dem ein bestimmtes Thema in der nötigen Ausführlichkeit erörtert werden kann. „So haben wir zum Beispiel lange über die Schwierigkeiten gesprochen, die bei Übergängen entstehen können“, erzählt Maier. Tränen, weil man sich nicht zurechtfindet, Unfälle beim Hetzen durch die Schulflure, Lärm, weil die Unterrichtszeit vorbei und die Kinder übermütig sind. „Die gemeinsamen Beratungen zeigen ihre Wirkung.

Herausfordernd waren die neuen Strukturen auch für die Raumplanung: Plötzlich wurden Räume morgens von Lehrern und nachmittags von Schulkindbetreuern genutzt, „da musste in der Raumgestaltung völlig neu gedacht werden“, erinnert sich Maier.

An die Emil-Gött-Schule kommen Kinder aus vier Flüchtlingswohnheimen. Mehr als 40 Flüchtlingskinder mussten in Spitzenzeiten zeitgleich in den Schulablauf integriert werden. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Maier. Schließlich ist nicht nur der Unterricht selbst davon tangiert, sondern auch das soziale Miteinander der Schülerinnen und Schüler. Es prallten viele verschiedene kulturelle Hintergründe aufeinander, was auch mal zu Konflikten führte. Die Schulsozialarbeiter führten mit Drittklässlern Sozialtrainings durch, und für die gesamte Schule wurde das Programm „Gewaltfreie Selbstbehauptung“ eingeführt. „Damit streben wir eine niederschwellige Konfliktlösung an, und bisher sind wir damit auch recht erfolgreich“, sagt Maier. Wird ein Kind beleidigt, geschubst oder in einer Form bedrängt, die ihm nicht gefällt, soll es laut und deutlich sagen: „Stopp, das möchte ich nicht. Reicht das nicht, wird das Gegenüber informiert: „Hör sofort auf, oder ich hole mir Hilfe.“ Damit sind die Linien klar gesetzt, das Kind, das zum Lehrer geht, ist keine Petze, sondern holt sich wie angekündigt Unterstützung. Für Alltagskonflikte an der Grundschule hat sich das Programm bewährt. Es wird auch von den Eltern mitgetragen.

„Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Eltern sind uns sehr wichtig“, sagt Maier. Die Eltern engagieren sich stark, bei allen Aktionen, die Unterstützung erfordern, sind Mütter und Väter zur Stelle. Sie organisieren Elterncafés und jedes Jahr einen Schulhock, diskutieren im Elternbeirat und machen im Förderverein so manches Projekt möglich. Seit zwölf Jahren besteht an der Schule eine Zirkus-AG für Dritt- und Viertklässler, die nur von Eltern gestaltet wird. Einmal im Jahr gibt es eine große Aufführung.

Die Emil-Gött-Schule ist Mitglied im Modellverbund Durchgängige Sprachförderung Zähringen. Hier beschäftigen sich alle Gruppierungen und Einrichtungen des Stadtteils, die Kinder betreuen und begleiten, mit Sprachbildung und Sprachförderung. Ziel ist eine größere Stringenz diesbezüglich im Lebenslauf eines jeden Kindes. „Es ist schon ein großer Erfolg, dass sich all diese Einrichtungen an einen Tisch setzen und man so endlich einmal weiß, wer sich mit welchen Themen beschäftigt, wo welche Schwerpunkte gesetzt werden und wer eigentlich der Leiter von diesem oder jenem ist“, sagt Maier.

Das Lehrerkollegium der Emil-Gött-Schule legt großen Wert auf soziales Lernen. Über den Lehrplan hinaus spielt zum Beispiel die Demokratieerziehung eine wichtige Rolle im schulischen Alltag. Es gibt den Klassenrat, den Schülerrat und zweimal im Jahr eine Schulversammlung. „Die Belange der Schülerinnen und Schüler werden gehört und ernst genommen“, sagt Stefan Maier. Der Schülerrat, in den jede Klasse zwei Vertreterinnen oder Vertreter entsendet, hat beispielsweise die Regeln fürs Fußballspielen auf dem Schulhof mit ausgearbeitet. Derzeit gewinnt das Thema Lesen zunehmend an Bedeutung in der Grundschule. „Wir haben zwar schon vor vier, fünf Jahren eine Bibliothek eingerichtet, doch die wird jetzt erst wirklich intensiv genutzt, was uns natürlich freut“, sagt Maier. „Wer viel liest, der schreibt auch gern, oder?“ Zumindest könnte das eine Erklärung dafür sein, dass an der Emil-Gött-Schule zweimal im Jahr die vermutlich älteste Schulzeitung Baden-Württembergs herausgegeben wird: Sie wurde im Dezember 1968 gegründet.

Steckbrief

Kirchhofweg 9
Freiburg-Zähringen
www.emil-goett-schule.de

Leitung: Stefan Maier
Lernende: 250
Lehrende: 23

Besonderheiten:
  • Schulkindbetreuung der Stadt Freiburg mit dem Caritasverband Freiburg – Stadt e.V. als Träger
  • Schulzeitschrift „Die Schwarzkünstler"
  • Schulzirkus Demilio
  • Vorbereitungsklasse für Kinder mit Sprachförderbedarf
  • Inklusion in Klasse 4
  • Schülerchor die „Emil-Gött-Spatzen“
  • Skikurse an fünf Nachmittagen in Kooperation mit dem Alpenverein
  • Englisch AG in Klasse 4
  • Förderverein Club d’Emil
  • Patenschaft mit Schulen in Afghanistan
  • Kooperation mit der Musikschule Freiburg
  • Kooperation mit Sportvereinen (Judo und Handball)