Statt Noten steht ein wertschätzender Umgang im Vordergrund

Große Solisten im harmonischen Orchester

Mal braucht es Rap, mal braucht es Klassik“, sagt Sandra Kieber. Ein Kind, das den ganzen Tag in der Schule sei, durchlebe verschiedene Phasen, erklärt die Leiterin der Paul-Hindemith-Grundschule. Deshalb gibt es in der Mooswälder Schule neben intensiven Lerneinheiten auch genügend Zeit zum Toben auf dem Schulhof oder Runterkommen in den Ruheräumen. Egal ob vormittags oder nachmittags in der Ganztagsbetreuung: Im Mittelpunkt steht immer das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen.

„Jeder für sich ist ein großer Solist, und alle zusammen bilden ein sehr buntes und dennoch harmonisches Orchester“, erklärt Sandra Kieber das Leitbild der Schule. „Wir verlangen von den Kindern, dass jeder sein Potenzial ausschöpft – fachlich und in der persönlichen Entwicklung.“

Früh übt sich: Die Schülerinnen und Schüler bilden ein eigenes Schulparlament. (Foto: A. J. Schmidt)
Früh übt sich: An der Paul-Hindemith-Schule gibt es ein Schulparlament. (Foto: A. J. Schmidt)

Die Pädagogen der Schule setzen dafür unter anderem auf Lernentwicklungsgespräche, Kindersprechstunden und einen erweiterten Lern- und Leistungsbegriff, der sich vor allem an den Kompetenzen eines Einzelnen orientiert. Lernen, sagt Sandra Kieber, sei immer auch Beziehungsarbeit. Daher lege man an der Paul-Hindemith-Schule ein besonderes Augenmerk auf einen wertschätzenden Umgang miteinander, der zum Ziel habe, die Schülerinnen und Schüler sozial und fachlich weiterzubringen. Die Kinder bekommen alles an die Hand, was sie für ein selbstgesteuertes Lernen brauchen. Viele Jahre lang hat man an der Grundschule Erfahrungen mit alternativen Leistungsrückmeldungen gesammelt, die Lehrenden haben keine Noten vergeben. „Das hat uns geprägt, es gab Raum für ein ganz anderes Miteinander“, sagt Sandra Kieber. „Wir achten jetzt sehr darauf, dass alle Stärken und alle Schwächen eines Kindes gleich gut gesehen und entsprechend gefördert werden. Denn jedes Kind will lernen, wir helfen ihm dabei, seinen persönlichen Weg zu gehen.“

Dazu gehört, dass die Schülerinnen und Schüler im schulischen Alltag Verantwortung übernehmen, nicht nur für sich selbst, sondern auch füreinander. So werden die Zweitklässler zum Beispiel automatisch zu Paten der Erstklässler und nehmen diese – wörtlich und sinnbildlich – an die Hand im ersten Jahr an der Schule. Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse werden zu Pausenhelfern ausgebildet. Sie sorgen dafür, dass sich in der großen Pause jeder an die Regeln hält, und kleben auch mal ein Pflaster auf eine Schürfwunde. „Das funktioniert wunderbar, und die Kinder sind stolz auf ihre Rolle, die sie in dem Moment übernehmen“, sagt Sandra Kieber.

Die Stimme der Eltern spielt in der Paul-Hindemith-Schule eine große Rolle. Elternvertreter sitzen mit am Tisch, wenn alle zwei Wochen die Steuergruppe tagt, in der Lehrende, Schulkindbetreuer, Schulsozialarbeiter und der Förderverein aktuelle Themen besprechen. „Eltern sehen die Dinge oft aus einer anderen Perspektive als wir, das hilft mitunter sehr“, sagt Sandra Kieber. So verändert sich beispielsweise beim Übergang von der zweiten in die dritte Klasse einiges für die Schülerinnen und Schüler, neue Strukturen wie der Projektunterricht werden eingeführt. Für die Lehrenden war das einfach klar, doch die Eltern wünschten sich da mehr Informationen und Begleitung. Jetzt gibt es am Ende der zweiten Klasse einen zusätzlichen Elternabend, der auf die anstehenden Neuerungen eingeht – ohne das Engagement der Eltern wäre der nie zustande gekommen.

Seit 2015 ist die Paul-Hindemith- Grundschule eine Referenzschule für Medienbildung. Ihr Umgang mit digitalen Medien soll anderen als Beispiel dienen. „Wir sind eine medienintegrative Schule“, sagt Sandra Kieber. Das Internet, Computer und Tablets dienen als Lernwerkzeug und fachliche Unterstützung, gleichzeitig wird ein konstruktiver und kritischer Umgang mit den neuen Medien gelehrt. Ihr Wissen in Mathe und Deutsch können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel mit Onlinetests auf die Probe stellen, die Ergebnisse werden dann gemeinsam besprochen. Erst- und Zweitklässler haben im Projekt „gesundes Frühstück“ Pausenbrote gemacht, sie fotografiert und am Computer bearbeitet, die Dritt- und Viertklässler haben Szenen aus „Peter und der Wolf“ gezeichnet und daraus am Tablet einen Trickfilm gemacht. Viele Eltern fürchten, die digitalen Medien könnten einen negativen Einfluss auf ihre Kinder haben. „Wir merken, dass da viele Ängste sind, aber mit einem bewussten Umgang kann man dem entgegensteuern“, sagt Sandra Kieber. Und: „Unsere Kinder gehen nach wie vor gerne in die Schulbibliothek.

Steckbrief

Paul-Hindemith-Schule
Am Hägle 5, Mooswald
www.paul-hindemithgrundschule.de

Leitung: Sandra Kieber
Lernende: 338
Lehrende: 33

Besonderheiten:
  • Modellschule für „Grundschule ohne Noten“
  • Referenzschule für Medienbildung
  • Demokratie lernen in der Schule: Klassenrat, Flurparlament, Schulparlament
  • Streicherklasse
  • Schulkindbetreuung
  • Schulobstprogramm
  • Gemeinsam in Vielfalt lernen: Inklusionsklassen