Home Lirum Larum Lesefest Leselieblingsbuch

Lirum Larum Leselieblingsbuch

Janosch: Oh, wie schön ist Panama (1978)

Foto: privat

Felicia Maier

Felicia Maier leitet seit Anfang 2019 das Kulturamt der Stadt Freiburg. Freiburg riecht für sie nach Bananen.

Oh, wie schön ist Panama bekam ich in meiner Kindheit unzählige Male von meiner Mutter und Oma vorgelesen, damals noch zu klein, um selbst lesen zu können. Das Buch war etwas abgegriffen, wie es bei einem guten Buch auch sein darf, da es bei meinem älteren Bruder bereits ein Klassiker war. Janosch gelingt es in genialer Weise, den Text mit seinen Liebe-im-Detail-Bildern zu  begleiten, wobei Text und Bild gleich ausdrucksstark sind. Besonders fasziniert haben mich die Freundschaft zwischen dem Kleinen Tiger und dem Kleinen Bär und ihre so positive Herangehensweise an Neues und Unbekanntes. Wie sie Freundschaft leben und offen aufgeschlossen das Leben angehen, ist vorbildhaft für jedes Kind und auch für jeden Erwachsenen.

Paul Maar: Neue Punkte für das Sams (1992)

Foto: Christoph Eberle

Martin Bruch

Martin Bruch leitet das Freiburger Literaturhaus. Damit hat er sich einen großen Wunsch erfüllt. Ohne nur eine einzige Sommersprossezu verlieren!

Fuchur lebt in meinem Haus. Meist verhält er sich so unauffällig, dass ich ihn gar nicht bemerke. Wie das so ist mit Glücksdrachen: Sie sind so groß, dass man sie leicht übersieht. Tauchen sie vor einem auf, verschlägt es einem trotzdem den Atem. Diese schönen, runden, ruhigen und freundlichen Augen! Von meinem Küchenfenster aus sieht man einen Feuerwehrturm. Manchmal erinnert der mich auch an Fuchur. Und daran, dass viele Figuren aus meinen ersten Büchern nie ganz verschwunden sind. Sie tauchen immer wieder auf: im Treppenhaus, wenn die Tür der Nachbarn aufschwingt, beim Blick aus dem Fenster oder in den Spiegel. Wie nah mir das Sams wirklich ist, habe ich erst letzten Sommer am Meer festgestellt. Als ich in einen Taucheranzug  gestiegen bin – und ihn am liebsten nie wieder ausgezogen hätte.

Michael Ende: Die unendliche Geschichte (1979)

Foto: Falko Schubring

Iris Wolff

Iris Wolff organisierte vier Jahre lang das Lirum Larum Lesefest und ist jetzt freie Autorin.

Mein Lieblingskinderbuch? Nur eins? „Emil und die Detektive“. Kästners Humor, den mag ich sehr. Oder doch lieber eines aus der Gegenwartsliteratur? „Das brauch ich alles noch!“ von Petra Postert. Simple Hosentaschenfunde zeigen hier das Wunder der Fantasie. Aber eigentlich ist es Michael Endes „Die unendliche Geschichte“. Nicht nur, weil ich seit der Lektüre beim Verwenden von Koriander stets „Karl Konrad Koriander“ rufe (wohl wissend, wie seltsam das klingen mag), es gibt darin einen Satz, der mich bis heute nicht loslässt. Bastian bekommt von der Kindlichen Kaiserin ein Amulett: TU, WAS DU WILLST. Die Botschaft ist nicht so leicht, wie es zunächst scheint. Sie besagt: Tu, was du wirklich möchtest. Nichts ist schwerer, nichts ist wichtiger. Eine Ahnung davon zu haben, wer man ist und wer man sein könnte, dafür braucht es Vorstellungskraft. Zum Glück gibt es Bücher. Denn nichts, davon bin ich überzeugt, erweitert unsere Möglichkeiten, die Wahrnehmung der Welt so sehr wie ein gutes Buch.

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960)

Foto: Fionn Große

Martin Horn


Martin Horn ist seit Juli 2018 der neue Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau.

Lieblingskinderbücher habe ich einige, aber ganz besondere Erinnerungen verbinde ich mit „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Nicht nur, weil es einfach ein tolles Buch ist, sondern auch, weil ich mich noch genau daran erinnern kann, wie mein Vater dieses dicke, schön illustrierte Buch aufgeschlagen und es mir über mehrere Wochen hinweg vorgelesen hat. Es steckt so viel Fantasie darin, und es weckt die Abenteuerlust und die Neugierde auf Entdeckungen. Bestimmt hat es dazu beigetragen, dass ich als junger Mensch mit dem Rucksack losgezogen bin und viele Länder selbst bereist habe. Meine beiden Kinder sind leider noch zu klein, aber wenn sie im richtigen Alter sind, werde ich bestimmt meinen „Jim Knopf“ aus dem Regal ziehen und ihnen selber daraus vorlesen.
Allen Kindern wünsche ich ganz viel Spaß beim großen Lirum Larum Lesefest und gratuliere diesem außergewöhnlichen Festival herzlich zum 25. Geburtstag!

Paul Maar: Eine Woche voller Samstage (1973)

Johanna Metzler

Johanna ist im Kommunalen Kino im Alten Wiehrebahnhof für das Kinder- und Jugendkino verantwortlich.

Als Kind habe ich Bücher geliebt, bei denen man herzhaft lachen kann. Als ich mit sieben Jahren einmal wegen eines gebrochenen Arms im Krankenhaus liegen musste, kam irgendwann eine Krankenschwester ganz aufgeregt ins Zimmer gestürmt, um sich zu erkundigen, ob denn auch alles in Ordnung sei, sie habe so ein lautes Glucksen gehört. Doch Fehlalarm, das war nur einer meiner Lachanfälle, die ich beim Vorlesen des Sams bekommen hatte. Besonders die Szenen, in denen das Sams bei Herrn Lürcher landet oder mit Papa Taschenbier im Kaufhaus ist, sind mir in lebhafter Erinnerung geblieben. Daher freue ich mich auch ganz persönlich sehr darüber, dass einer meiner Lieblingskinderbuchautoren, Paul Maar, dieses Jahr als Ehrengast  beim Lirum Larum Lesefest zu sehen und zu hören sein wird. Glücklicherweise hat Paul Maar auch noch weit über meine Kindheit hinaus viele weitere so tolle Kinderbücher geschrieben, die ich heutzutage sehr gerne meinen eigenen Kindern vorlese.

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter (1981)

Benedikt Grubel

Benedikt ist Theatermacher und hat in seiner Zeit am Jungen Theater Freiburg fünfmal das Lirum Larum Lesefest mitorganisiert. Er ist auch als Leseblitz bekannt.

Ein maximal wilder Wald, so schön und unendlich weit, dass man vor Glück laut glucksen möchte. Rauschende Baumwipfel, ein reißender Fluss, bedrohlich kreisende Wilddruden am Himmel, tausend glimmende Gnomenaugen im Unterholz – und  mittendrin auf einem felsigen Berg thronend: die vom Blitz zerteilte Mattisburg. Die Bilder aus Astrid Lindgrens Märchen-Roman haben sich für immer und seit ewig in meiner Phantasie eingeschrieben – verbunden mit dem Gefühl einer  schwindelerregenden Freiheit vom linken großen Zeh bis in die Haarspitzen. Quirlig-beglückend, tieftraurig und bis zur Zerreißprobe schmerzhaft habe ich die Geschichte von Ronja Räubertochter und ihrem Gefährten Birk Borkasson in Erinnerung, die all das (und noch vieles mehr) wagen, wovor Räuberhauptmann Mattis stets gewarnt hat: sich im tiefen Wald verirren, in den Fluss plumpsen, über den Höllenschlund springen und eine tiefe, vorzeitliche Feindschaft überwinden. Ich habe dieses Buch heiß und innig geliebt und bis heute viele Male mit stockendem Atem gelesen.