Handlungsfeld

Bewusstseinsbildung

Die Stadt Freiburg kann bei ihren eigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel klimaschützend voran gehen. Sie kann die städtische Infrastruktur in Richtung Klimaschutz entwickeln. Doch entscheidend ist es, die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen und zu umweltfreundlichem Verhalten zu motivieren. Dieses Leitmotiv zieht sich auch quer zu den Handlungsfeldern durch die vom Öko-Institut erarbeitete Klimaschutzstrategie.

Information und Motivation der Bürgerinnen und Bürger sind grundlegend für Erfolg im Klimaschutz. Ihre grundsätzliche Offenheit für ökologisches Engagement wird durch die Projekte der Stadt bestärkt.

Gesamtförderung: rund 1,61 Millionen Euro

Ohne die Bürgerinnen und Bürger geht es nicht! Einerseits ist es eminent wichtig, seitens der Stadt durchgeführte Klimaschutzmaßnamen öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. Andererseits fordert die Klimaschutzstrategie, die Bürgerinnen und Bürger sowohl mit Informationsangeboten als auch mit Fördermitteln zu motivieren, den Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen. Das Bewusstsein für Klimaschutz ist in der Freiburger Bevölkerung ohnehin schon stark ausgeprägt. Doch um alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, hat die Stadt Freiburg an vielen Stellen Akzente gesetzt – auch mit Mitteln aus der Konzessionsabgabe.

  Projekt Jahr Zuständigkeit
CO2-Einsparung
in t/a
Investition
  Bewusstseinsbildung     924 1.607.000 €
50 Unterstützung Projekt "Stromsparcheck" der f.q.b. und des Caritasverbandes zur Energieeinsparung einkommensschwacher Haushalte 2009-2010 UWSA 64 92.000,00 €
51 PR-Kampagne "Prima Klima" / CO2libri 2008 - 2010 UWSA nicht quantifizierbar 300.000 €
52 Abwrackprämie Weiße Ware, Kühlschrankaktion 2011 - 2018 UWSA 80 500.000 €
53 Projekt "FreiRad" + Marketing Nahmobilität 2013 - 2014 GuT nicht quantifizierbar 90.000 €
54 Fonds "Bildung für nachhaltige Entwicklung" 2013 - 2018 Dez. II / ASB nicht quantifizierbar 124.400 €
55 Entwicklung und Angebot einer stadtweiten niederschwelligen (Einstiegs-)Beratung zur energetischen Gebäudesanierung 2014 BRA nicht quantifizierbar 120.600 €
56 BHKW-Sonderschau GETEC 2015 - 2018 UWSA nicht quantifizierbar 80.000 €
57 Vernetzung Energieberatung 2017 UWSA unbekannt 45.000 €
58 PV-Kampagne 2017-2018 UWSA 280 100.000 €
59 Fortschreibung Maßnahmenplan Klimaschutz Gesamtstadt 2018 UWSA nicht quantifizierbar 55.000 €
60 Thermographie-Projekt 2018 UWSA nicht quantifizierbar 50.000 €
61 Energie-Effizienznetzwerk Stadt Freiburg (Netzwerk stadtnaher Unternehmen) 2017-2018 UWSA 500 50.000 €

Ohne das Engagement der Menschen geht es nicht

Ein beispielhaftes Projekt ist die Initiierung des Fonds "Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)". Dieser unterstützt Lernangebote zu einem weiten Feld von Nachhaltigkeitsthemen, die jeweils aus vier Perspektiven (Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kultur) unter die Lupe genommen werden. Ziel der Lernangebote ist es, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene nachhaltig denken und handeln lernen. Verschiedene Freiburger Initiativen und Vereine vernetzen sich, um die Bildungsangebote gemeinsam zu entwickeln. Das Erleben der unterschiedlichen Perspektiven verankert das Wissen um Nachhaltigkeit tief, so dass aus Wissen auch Handeln erwachsen kann. Aus der Konzessionsabgabe wird die Koordination der vielfältigen Freiburger Bildungsanbieter durch die Ökostation gefördert.

Unterstützung beim Energiesparen

Gerade bei Haushalten mit wenig Einkommen schlägt die Stromrechnung oft schmerzhaft zu Buche. Lebt eine Familie von Arbeitslosengeld II, sind Investitionen in Strom sparende Geräte oft nicht leicht zu realisieren, obwohl sie in der Zukunft ein Vielfaches an Energie – und damit bares Geld – einsparen würden. Auch bei vielen Geringverdienern sind selbst kleinere Beträge, etwa für den Austausch von Strom fressenden Leuchtmitteln durch moderne LED, im Haushaltsbudget nicht verfügbar. Für einen neuen Kühlschrank reicht das Einkommen erst recht nicht. Doch allein schon durch eine Änderung des Nutzerverhaltens sind im Haushalt Energieeinsparungen möglich. Die Kombination von Verhaltensänderungen mit geringen Investitionen birgt ein sehr hohes Einsparpotenzial.

Stromsparcheck

Hier setzt das Projekt Stromsparcheck an, das von der gemeinnützigen Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft (f.q.b.) und dem Caritasverband Freiburg Stadt e.V. getragen wird. Haushalte mit geringem Einkommen können einen kostenlosen Stromsparcheck im Haushalt bekommen.

Durch Verhaltensänderungen und geringe Investitionen können sie ihre Stromrechnung deutlich reduzieren – um bis zu 100 Euro jährlich! Über 2000 Beratungen wurden seit 2008 durchgeführt und dabei durchschnittlich 125 Tonnen CO2 pro Jahr gespart. Langzeitarbeitslose können sich durch die Beratungstätigkeit neu qualifizieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Beim Stromsparcheck nehmen Helfer und Bewohner zusammen die Energiesituation im Haushalt unter die Lupe: Wo sind noch energiefressende Glühbirnen im Betrieb? Wo gibt es Verluste durch Stand-By? Wie kann man den Wasserverbrauch und damit auch den Energieverbrauch senken?

Mit Strommessgeräten kommt man den Stromfressern auf die Spur. Die Stromsparhelfer messen beim ersten Besuch die Verbräuche. Beim zweiten Besuch wird der Haushalt über das Ergebnis informiert und es werden Energiesparlampen, abschaltbaren Steckerleisten und Perlatoren für geringeren Wasserverbrauch eingebaut. Bei einem weiteren Besuch wird etwa ein Jahr später der Erfolg überprüft. Eine Win-Win-Situation:

Einkommensschwache Haushalte können Geld sparen, ebenso spart die Kommune Kosten. Langzeitarbeitslose finden ein neues Tätigkeitsfeld und die Umwelt profitiert auch. Die f.q.b. organisiert gemeinsam mit dem Caritasverband den Stromsparcheck, die Energieagentur Regio Freiburg übernimmt den größten Teil der Schulung für die Stromsparhelfer. Mittel für das Projekt fließen von der Stadt Freiburg, dem Jobcenter Freiburg, vom Bund aber auch von Sponsoren. In den Jahren 2009 und 2010 waren auch Gelder aus der Konzessionsabgabe dabei.

Aktion "Kühlschranktausch"

Kühlgeräte sind 24 Stunden in Betrieb – das ganze Jahr. Dabei sind vor allem ältere Geräte alles andere als energieeffizient. Ein neuer Kühlschrank der Klasse A+++ verbraucht etwa 70 Prozent weniger Energie als ein 15 Jahre altes Modell. Und in vielen Küchen stehen noch deutlich ältere Geräte! Auch hier fehlt gerade in Haushalten mit wenig Einkommen das Geld für eine Neuanschaffung, während gleichzeitig Einsparungen bei den Stromkosten besonders große Erleichterung bringen würden. Die Aktion Kühlschranktausch der Stadt Freiburg, die vollumfänglich aus der Konzessionsabgabe finanziert wird, löst dieses Dilemma auf. Einkommensschwache Haushalte bekommen kostenlos einen neuen Kühlschrank der höchsten Effizienzklasse. Über 560 Kühlgeräte wurden seit 2012 ausgetauscht – ein voller Erfolg. Voraussetzung ist eine vorab durchgeführte Beratung und Verbrauchsmessung durch den Stromsparcheck.

Beratungszentrum Bauen und Energie (BZBE)

Den größten Posten beim Energieverbrauch im Haushalt verursachen nach wie vor Heizung und Warmwasserbereitung. Um Bauherren dafür zu sensibilisieren, wurde aus Mitteln der Konzessionsabgabe ein Konzept für eine niederschwellige, kostenfreie Beratung entwickelt. Nach Kauf oder Erbschaft einer Immobilie denken viele Gebäudebesitzer über Renovierung und notwendige oder auch nur verschönernde Veränderungen nach. Hier ergibt sich ein Zeitfenster, das es für die energetische Ertüchtigung der Gebäude zu nutzen gilt. Das BZBE versteht sich als Lotse, der einerseits selbst beraten, andererseits aber auch an ein Netzwerk qualifizierter Fachberater weiter verweisen kann. In einer zweijährigen Probephase wurde das Konzept mit Unterstützung der Konzessionsabgabe erprobt und evaluiert.

(Fotos: Ökostation, Gust , f.q.b.)

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