Handlungsfeld

Sanierung und Neubau von Gebäuden

Energetische Erneuerung mit Vorbildfunktion

Ein großer Teil der in Gebäuden eingesetzten Energie wird im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Für die Erreichung der Klimaneutralität ist daher eine massive Steigerung sowohl der Sanierungsrate als auch der Sanierungstiefe von Gebäuden allgemein und von Wohngebäuden im Besonderen erforderlich. Die Sanierungsrate bezeichnet dabei die Anzahl der Gebäude, die jährlich saniert wird; die Sanierungstiefe gibt an, wie hoch der Sanierungsstandard ist. Die Klimaschutzstrategie für Freiburg sieht vor, sowohl das Tempo zu erhöhen und mehr Gebäude einer energetischen Sanierung zu unterziehen, als auch den Standard auf ein ehrgeiziges Niveau zu bringen. Denn jedes Gebäude, das heute nur halbherzig modernisiert wird, ist morgen schon wieder ein Sanierungsfall. Daher ist es im Neubausektor eminent wichtig, hohe Standards zu setzen, um zukunftsfähige Gebäude zu errichten.

Die energetische Sanierung der Bestandsgebäude birgt hohe Einsparpotenziale an Treibhausgasen. Im Neubau setzt Freiburg hohe Standards für zukunftsfähiges Wohnen, Arbeiten und Lernen.

Gesamtförderung: rund 5,77 Millionen Euro

Bei den eigenen Liegenschaften setzt die Stadt Freiburg Zeichen, indem sie Schulen und städtische Wohnungen auf hohem Niveau bis hin zum Passivhausstandard saniert. Die Maßnahmen dienen dabei nicht nur dem Klimaschutz sondern sparen über Jahrzehnte hinweg Energiekosten ein – ein Plus für den städtischen Haushalt. Bei der Sanierung historischer Gebäude mit Denkmalschutzauflagen kann die Stadt in besonderem Maße aufzeigen, wie hohe Effizienz, Klimaschutz und die Pflege des Altbaubestandes Hand in Hand gehen. Die Stadt will jedoch nicht nur Vorbild für die Bürgerinnen und Bürger sein – sie unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden mit Fördermitteln, steht ihnen mit Rat zur Seite und motiviert so die Bürgerschaft, in Sachen energetische Modernisierung zur Tat zu schreiten. Die eingesetzten Fördermittel kommen dabei nicht nur dem Klimaschutz zu gute, sondern lösen zudem ein Zehnfaches an Investitionen aus und schaffen Arbeitsplätze im lokalen Handwerk.

  Projekt Jahr Zuständigkeit CO2-Einsparung
in t/a
Investition
  Sanierung und Neubau von Gebäuden     4404 5.766.500 €
1 Passivhausbauweise: GTS Wentzinger Schulen; Feyel-Schule; Sanierung Dreisamhalle (nahezu PH-Standard); Maßnahmen Energieeinsparung 2008 - 2010 GMF 30 1.304.000 €
2 Energetische Sanierung städtischer Wohnungen (Habsburgerstraße 1/3 & Marchstraße 19) 19) 2008 - 2010 ALW 97 550.000 €
3 Energetische Sanierung städtischer Wohnungen (Kirchplatz 6 und weitere) 2011 - 2012 ALW 7 200.000 €
4 Förderprogramm "Energieeffizient sanieren" 2008 - 2018 UWSA 3000 880.000 €
5 Fernüberwachung und -steuerung technischer Anlagen in Gebäuden, vor allem Wärmeerzeugungsanlagen 2011 - 2012 GMF 120 200.000 €
6 Energetische Vorbild-Quartiere im Bestand (Haslach) 2012 UWSA nicht quantifizierbar 320.000 €
7 Energetische Sanierung städtischer Wohnungen (Hansastr. 2a) 2013 ALW 8 150.000 €
8 Projekt "Zählermonitoring" 2014 GMF nicht quantifizierbar 60.000 €
9 Energie-Quartier Haslach 2014 UWSA 830 12.500 €
10 Energetische Sanierung "Stube-Areal" (Blumenstraße/St.Georgen) 2015 - 2016 ALW 62 2.000.000 €
11 Fortführung: BHKWs in der Objektversorgung 2017 - 2018 UWSA 250 90.000 €

Besseres Lernklima, weniger Energieverbrauch

Ob Neubau oder Sanierung: Freiburg setzt bei seinen Schulen hohe Standards. Der Fahrplan zur Modernisierung der städtischen Schulgebäude steht und wird vom Gebäudemanagement Freiburg kontinuierlich umgesetzt. Zusätzlich zu regulären Haushaltsgeldern helfen auch Mittel aus der Konzessionsabgabe, die notwendigen Gebäudeertüchtigungen schneller durchzuführen.

Beispiel Wentzinger Schulen: Der aus den 70er Jahren stammende Gebäudekomplex am Seepark wurde seit 2009 über sieben Jahre hinweg durchsaniert. Gelder aus dem Klimaschutzfonds flossen dabei in den Neubau des Ganztagesbereichs mit Cafeteria und Räumlichkeiten für Betreuungsaktivitäten. Die lichtdurchfluteten Räume bieten den Schülerinnen und Schülern eine optimale Atmosphäre zum Lernen aber auch zum Entspannen. Dank Passivhausstandard spart die Schule nicht nur große Mengen an Treibhausgasen ein – die Kinder profitieren auch vom angenehmen Raumklima, welches das ausgeklügelte Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung garantiert.

Beispiel Feyel-Schule: Der Neubau in Passivhausbauweise nahe der Dreisam ersetzt die alte Feyel-Grundschule in Freiburg Ebnet. Auch hier bietet das moderne Gebäude Schüler- und Lehrerschaft bestes Klima für erfolgreiches Lernen. Im Vergleich zur alten Feyel-Schule in der Steinhalde benötigt die Schule rund 40 Prozent weniger Heizenergie. Zudem liegen die Betriebskosten der neuen Schule, trotz größerer Fläche, deutlich unter denen der alten Feyel- Schule. Die benachbarte Dreisamhalle ist über ein Glasdach mit dem Schulgebäude verbunden, was ein harmonisches Ensemble ergibt. Mit Geldern aus der Konzessionsabgabe hat das Gebäudemanagement ein Sanierungskonzept für die 1973 errichtete Halle erstellt. Auch hier ist eine zukunftsweisende Modernisierung geplant, die in Kombination mit der Feyel-Schule und dem angrenzenden neuen Wohngebiet einen harmonischen Ortskern für Ebnet bildet.

Städtische Wohnungen: Denkmalschutz und Klimaschutz vereint

Unter den städtischen Liegenschaften befinden sich nicht nur Schulen und Ämter sondern auch Wohngebäude. Diese stammen aus unterschiedlichen Epochen und haben dementsprechend vielfältigen Sanierungsbedarf. Hier zeigt das Freiburger Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen beispielhaft, wie auch denkmalgeschützte Gebäude energetisch ertüchtigt werden können. Die Mittel aus der Konzessionsabgabe halfen bei der Modernisierung von insgesamt 39 Wohnungen in vier Mietshäusern.

Besonderes Augenmerk verdienen dabei die denkmalgeschützten Gebäude am Kirchplatz und in der Hansastraße. Der Denkmalschutz verlangte eine äußerst behutsame energetische Ertüchtigung der Bauwerke aus den Jahren 1791 und 1893. Es gelang, die historischen Fassaden in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und gleichzeitig die Wärmeverluste zu reduzieren. Eine Dämmung der Wände von außen kam hier nicht in Frage. Daher wurden die Dächer, die Dachgauben und auch die obersten Geschossdecken gedämmt. Die Heizungsluft kann so nicht mehr ungehindert entfleuchen. In der Hansastraße erfolgte in diesem Zuge auch eine Sanierung der historischen Dachuntersichten und Zierdeckungen am umlaufenden Traufekranz. Weitere Spareffekte bewirkte der Einbau wärmedämmender Fenster, wo immer dies dem Denkmalschutz entsprechend möglich war.

In den ehemals städtischen Liegenschaften Habsburgerstraße und Marchstraße (nunmehr Eigentum der städtischen Gesellschaft Freiburger Stadtimmobilien GmbH & Co. KG) konnte ohne Denkmalschutzauflagen gründlich durchmodernisiert werden. Die Fassaden bekamen ein Wärmedämmverbundsystem, die Fenster wurden komplett ausgetauscht, Dächer und Kellerdecken gedämmt. In der Habsburgerstraße wurde zudem die Heizungsanlage auf den neuesten Stand gebracht und eine Solaranlage zur zentralen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung installiert.

Vorbildliche Sanierung des "Stube-Areals"

Das "Stube-Areal" in St. Georgen besteht aus einem denkmalgeschützten Ensemble aus Gasthaus mit Scheune und Nebengebäuden. Schon 1574 ist die "Stube" als Amtssitz des St. Georgener Vogtes belegt. Nun soll das Areal umgebaut und umfänglich energetisch saniert werden, um anschließend mit neuen Räumen für die Gastronomie aber auch für Vereine und Veranstaltungen der Bürgerschaft des Stadtteils St. Georgen zur Verfügung zu stehen.

Aus energetischer Sicht birgt die Sanierung besondere Herausforderungen. Eine Außendämmung ist aus Denkmalschutzgründen nicht möglich, daher werden verschiedene Optionen zur Innendämmung zum Einsatz kommen. Die Gebäudehülle soll hinsichtlich der Energieverluste Neubaustandard erreichen und dennoch wird die charakteristische Außenansicht erhalten bleiben.

Das richtungs- und zukunftsweisende Energiekonzept beinhaltet die Kombination mehrerer erneuerbarer Energietechniken. Für die Wärmeerzeugung wird eine Pellets-Anlage installiert. Die Kühlung des Veranstaltungsraums erfolgt durch ein Be- und Entlüftungssystem. Ergänzt werden die haustechnischen Anlagen durch PV-Anlagen auf dem Dach der Kegelbahn und auf dem Anbau für die Fluchttreppe.

Mit zwei Millionen Euro aus der Konzessionsabgabe werden in diesem Modellprojekt Sanierungsmaßnahmen gefördert, die weit über das normale Standardmaß hinausgehen. Des Weiteren wird das Monitoring der Innendämmungssysteme mit 59.000 Euro vom Innovationsfonds der badenova gefördert: Die Ergebnisse und Erfahrungen aus der Sanierung sollen in Schulungen, im Internet und in Printmedien vermittelt werden. Zielgruppen dafür sind sowohl Experten als auch Hausbesitzer, insbesondere jene, die ebenfalls eine energetische Sanierung mit Denkmalschutzauflagen in Angriff nehmen wollen.

Vorgesehen ist auch eine "gläserne Baustelle", so dass Bürgerinnen und Bürger die Modernisierung direkt mitverfolgen können. Die Baumaßnahmen sollen 2019 abgeschlossen sein.

Förderprogramm Energiebewusst sanieren

Ein großer Teil des Freiburger Gebäudebestandes ist in privatem Besitz. Um die angestrebte Sanierungsrate von zwei Prozent zu erzielen, muss die Stadt daher die Gebäudeeigentümer erreichen und motivieren. Mit dem Förderprogramm "Energiebewusst Sanieren" schuf das Umweltschutzamt Freiburg 2002 ein Instrument, um private Hausbesitzer mit finanziellen Zuschüssen bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden im Stadtgebiet zu unterstützen.

Ziel ist die Einsparung von Heizenergie im Altbaubestand und eine sich daraus ergebende Reduzierung der CO2-Emissionen. Das Programm umfasst fünf Bausteine. Der wichtigste Baustein Wärmeschutz bezuschusst Investitionen in eine umfassende Wärmedämmung der Gebäude. Zudem erhalten Gebäudebesitzer eine finanzielle Unterstützung für die Energieberatung, die ihnen wiederum die Wege zu weiteren Fördermitteln von Bund und Land und zinsgünstigen Krediten aufzeigt. Baustein drei bis fünf unterstützen eine Modernisierung der Heizung, inklusive eines Energiemanagementsystems für Heizungen und eines Vor-Ort-Checks für Blockheizkraftwerke.

Seit 2002 konnten mit dem Förderprogramm bei 2.840 bewilligten Anträgen zehn Prozent des Freiburger Gebäudebestands erreicht werden. Mit 4,3 Millionen Euro an Zuschüssen wurden rund 45 Millionen Euro für Investitionen in energetische Sanierungen initiiert, somit zieht ein Fördereuro das Zehnfache an Folgeinvestitionen nach sich. "Energiebewusst sanieren" ist somit nicht nur ein wichtiger Faktor für die Erreichung der städtischen Klimaschutzziele sondern auch ein Garant für Arbeitsplätze im lokalen Handwerk.

Das Erfolgsprogramm für mehr Klimaschutz im Gebäudesektor ist ein steter Posten im regulären Haushalt der Stadt. Zuschüsse aus Mitteln der Konzessionsabgabe ermöglichten es indes, in einigen Haushaltsjahren zusätzliche Fördergelder freizugeben und so noch mehr energetische Modernisierungen anzustoßen.

(Fotos: Tebel Haas, Gebäudemanagement Freiburg, triolog · kommunikation mit energie, Wilde, Eggstein)

Download