Fünf erste Flächenpotentiale für Wohnungsbau aus dem Perspektivplan liegen vor

Anhaltend hoher Druck auf Freiburger Wohnungsmarkt macht früher als geplant Benennung notwendig

Projektgruppe zur schnellen Umsetzung neuer Wohnbauflächen im Baudezernat eingerichtet - 
Gemeinderat soll noch im Dezember entscheiden.
 
Die ersten neuen Flächenvorschläge für Wohnungsbau aus dem Perspektivplan legt die Verwaltung nun nach gründlicher Vorarbeit vor. „Wir haben diese ersten Vorschläge aus dem Perspektivplan jetzt vorgezogen“, erklärte Oberbürgermeister Dieter Salomon bei der Vorstellung der Flächen, „weil wir über die bisherige Planung hinaus für die wachsende Bevölkerungszahl und darüber hinaus für die nach Freiburg kommenden ehemaligen Flüchtlinge dringend Wohnraum brauchen.“ Nur mit Wohnungen und verteilt auf alle Wohngebiete, so ist sich Salomon mit Baubürgermeister Martin Haag einig, kann die Integration der ehemals Geflohenen gelingen. Die ersten fünf Möglichkeiten für eine generelle Wohnbebauung sieht die Verwaltung auf der Fläche Längenloh in Zähringen, in der Wendeschleife im Vauban, zwischen der Kapplerstraße und Dreisam in Littenweiler, im Stühlinger an der Sundgauallee, Ecke Bissierstraße sowie an der Padua- und Granadaallee in Mooswald.
 
Diese Vorschläge sind aus dem laufenden Perspektivplanverfahren vorgezogen und werden noch in diesem Jahr dem Gemeinderat zur weiteren Entscheidung vorgelegt. Weitere Flächen aus dem Perspektivplan sollen nächstes Jahr folgen. Zur schnellen Umsetzung der Flächen hat das Baudezernat eine ämterübergreifende Projektgruppe ProWo zusammengestellt, die direkt dem Baubürgermeister unterstellt ist.
 
Die Flächenvorschläge sind aus den Entwürfen und Ergebnissen des Perspektivplans entstanden, der nächstes Jahr fertiggestellt und als Rahmenkonzept beschlossen werden soll. Dieser war Mitte 2014 begonnen worden, um die gesamte Stadt Freiburg mit Wohnbauflächen und Freiflächen in den Blick zu nehmen, den Bestand zu erfassen und auf dieser Grundlage eine Perspektive für die weitere qualitätsvolle Entwicklung der Stadt festzulegen. Grundlage für den Perspektivplan wiederum ist das Handlungsprogramm Wohnen, das der Gemeinderat abschließend im Oktober 2013 zur Milderung der Wohnungsnot verabschiedet hatte. Explizites Ziel des Handlungsprogramms ist es, für mehr geförderten Wohnungsbau zu sorgen, Belegungsbindungen zu erhalten und die verbleibenden Wohnbauflächen des Flächennutzungsplan (FNP) 2020 schnell umzusetzen.
 
„Natürlich haben wir auch erwartet, aus dem Perspektivplan weitere Flächen jenseits des Flächennutzungsplans 2020 für Wohnungen zu erhalten“, sagte OB Salomon. „Aufgrund der Entwicklung der Einwohnerzahlen mitsamt der Zuweisungen von geflohenen Menschen haben wir im Sommer beschlossen, so schnell wie möglich Flächen zu identifizieren, um sie für die Wohnbebauung zu entwickeln“, erklärte Salomon. Baubürgermeister Martin Haag ergänzte: „Die Stadt erhält mit dem Perspektivplan zum richtigen Zeitpunkt ein aktuelles, umfassend abgestimmtes gesamtstädtisches Konzept für die Siedlungs- und Freiraumentwicklung, aus dem sich erhebliche neue Flächenpotenziale für den Wohnungsbau ergeben. Die brauchen wir dringend.“ Begleitend zur Fertigstellung des Perspektivplans sollen diese Flächen durch die neu aufgesetzte Projektgruppe ProWo so schnell wie möglich aktiviert werden.
 
Denn die unvermindert hohe Attraktivität Freiburgs und der dadurch weiterhin große Druck auf den Wohnungsmarkt wird durch den Zuzug von ehemaligen Flüchtlingen nochmals verstärkt. Damit die Integration derjenigen Menschen mit dauerhaftem Bleiberecht gelingt, ist es notwendig, sie möglichst schnell aus Gemeinschaftsunterkünften in zunächst preiswerte Wohnungen zu vermitteln. Salomon ist dabei aber wichtig: „Ziel der Stadtverwaltung ist es, dass dies nicht auf Kosten der allgemeinen Wohnraumversorgung geschieht. Der angespannte Wohnungsmarkt soll nicht zusätzlich belastet und eine adäquate Wohnungsversorgung der Freiburger Bevölkerung nicht gefährdet werden.“
 
Die jetzt benannten neuen Wohnbauflächen sollen deshalb auch, aber nicht nur für die Versorgung von ehemaligen Flüchtlingen genutzt werden. Bürgermeister Haag weist darauf hin, dass die neuen Flächenpotenziale zu sozial gemischten Quartieren guter räumlicher und gestalterischer Qualität entwickelt werden sollen. Sowohl für Menschen mit wie ohne Migrationshintergrund. „Die Flächenentwicklung muss das gesamte Spektrum des Wohnungsbaus zugleich in den Blick nehmen und auf die städtebauliche Einfügung achten, um städtebauliche und soziale Fehlentwicklungen zu vermeiden“, so Haag. Die zuständigen Ämter, Stadtplanungsamt (StPlA) und Amt für Projektsteuerung (APS), werden daher darauf achten, dass die Anschlussunterbringung von ehemaligen Flüchtlingen in gleichem Maße anteilig auch in die Wohnbauflächen des FNP 2020, die Innenentwicklungsvorhaben sowie in den neuen Stadtteil Dietenbach integriert wird.
 
Die neu gebildete Projektgruppe neue Wohnbauflächen ProWo hat Anfang November im Dezernat V ihre Arbeit aufgenommen, berichtete deren Leiterin, Babette Köhler. Ziel der ProWo ist die Identifikation und Entwicklung von neuen Wohnbauflächen über den FNP 2020 und den neuen Stadtteil hinaus. Die ProWo wird sich daher in den ersten Wochen vor allem mit dem Flächenscreening und der Priorisierung beschäftigen. Zu Jahresbeginn 2016 soll dann baldmöglichst die Umsetzung folgen. Die ProWo wird in der Aufbau- und Konsolidierungsphase von Babette Köhler geleitet, die bisher Abteilungsleiterin Stadtentwicklung im StPlA war. Sie ist direkt dem Baudezernenten zugeordnet, der die politische Steuerung gemeinsam mit dem Oberbürgermeister wahrnimmt. Rund ein Dutzend Mitarbeitende aus unterschiedlichen Ämtern der Bauverwaltung werden in der ProWo zusammenarbeiten.
 
Mit der Projektgruppe Flüchtlinge beim Dezernat III, deren Aufgabe die kurzfristige Unterbringung der vom Land zugewiesenen Flüchtlinge ist, wird die ProWo von Anfang an eng kooperieren. „Wir wollen eng verzahnt arbeiten und die räumliche Verteilung sowie die geeigneten Flächen für die vorläufige Unterbringung mit der langfristigen planerischen Perspektive für den Wohnungsbau abstimmen“, so Köhler.
 
Die Grundlage für die Flächenauswahl stellt der Perspektivplan dar. Die Flächen werden von der ProWo zunächst hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit und Eignung für den Wohnungsbau bewertet und priorisiert. Bei einer grundsätzlichen Bestätigung der Eignung für eine Wohnbebauung werden in einem nächsten Schritt die noch offenen Fragen geklärt und die Flächeneignung abschließend bewertet. Unverzüglich werden dann die notwendigen Bauleitplanverfahren eingeleitet.
 
Mit den neuen Wohngebieten sollen zugleich  attraktive Freiraumstrukturen in den Stadtteilen entstehen und Verluste von Freiraum ausgeglichen werden. So wird unter anderem ein Konzept für gärtnerische Nutzungen erarbeitet, das Möglichkeiten eröffnet, Kleingärten zu verlagern und neu zu schaffen.
 
Bei der Entwicklung der neuen Wohnbauflächen ist es wichtig, bestimmte Qualitätsstandards berücksichtigen und durch die gleichzeitige Entwicklung gut nutzbarer Freiräume auch einen Mehrwert für die Nachbarschaft zu schaffen. Die neuen Wohnungen mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern sollen so möglichst gut in die Stadtteile Freiburgs und die Stadtgesellschaft integriert werden. Diese Standards gelten sowohl für die Flächenbewertung als auch die Flächenentwicklung.
 
Die Kriterien bei der Flächenbewertung sind im Konkreten:
 
•          Die Flächen liegen im Zusammenhang bereits bebauter Ortsteile oder aber stellen Ortsrandarrondierungen dar.
 
•          Das Art und Maß der baulichen Nutzung orientiert sich an den bestehenden Strukturen, um den Bestand nicht zu überfordern.
 
•          Auf die angrenzenden Quartiere wird nicht nur baulich, sondern auch in sozialer Hinsicht reagiert. Zu beachten sind dabei beispielsweise die Bevölkerungsstruktur, die Kapazitäten der vorhandenen Bildungseinrichtungen, der Zugang zu öffentlichen Spiel- und Sportmöglichkeiten, dem öffentlichen Personennahverkehr sowie Nahversorgungsmöglichkeiten.
 
•          Die baulichen Anlagen orientieren sich an den gesetzlichen Standards sowie den Standards der Stadt Freiburg, den baulandpolitischen Grundsätzen.
 
•          Jede bauliche Entwicklung wird durch eine qualitative Freiraumentwicklung ergänzt, um vorhandene Qualitäten zu unterstützen oder die Bestandssituation zu optimieren.
 
Für größere Flächen soll es Mehrfachbeauftragungen in einem kooperativen Verfahren geben, um den städtebaulichen und gestalterischen Ansprüchen an die Siedlungsentwicklung Rechnung zu tragen und um den besten städtebaulichen Entwurf zu ermitteln. Diese Verfahren versprechen bei vergleichsweise geringem Zeit- und Kostenaufwand gute, konstruktive Ergebnisse.
 
Die jetzt in den Blick genommenen Flächen wurden aufgrund folgender Kriterien ausgewählt:
 
1. Verfügbarkeit
Die Flächen sollten sich in städtischem Besitz oder zumindest in überwiegend städtischem Besitz befinden, um eine rasche Entwicklung zu ermöglichen.
 
2. Verteilung im Stadtgebiet
Die Flächen sollten so im Stadtgebiet liegen, dass nicht ein einzelner oder aber einige wenige Stadtteile die Hauptlast der Entwicklung tragen, sondern alle Stadtteile ihren Beitrag leisten. Dieser Verteilung kommt auch im Hinblick auf die Integration der Bewohnerinnen und Bewohner eine zentrale Bedeutung zu.
 
3. Eigenschaften der Flächen
Die Flächen sollten groß genug sein, um vor dem Hintergrund des bestehenden Wohnungsdrucks eine städtebaulich sinnvolle Flächenausnutzung realisieren zu können.
 
4. Potenziale und Restriktionen
Die Bestandsanalyse sollte eine Ersteinschätzung der Eignung und Realisierbarkeit liefern. Die Potenziale liefern Argumente, die für eine Flächenentwicklung als Wohnbaufläche sprechen. Bei den Restriktionen ist zu beachten, dass diese teilweise noch Prüfaufträge beinhalten, die für das weitere Verfahren von zentraler Bedeutung sind. So gilt es beispielsweise den Umgang mit Landschafts- und Wasserschutzgebieten, Waldumwandlungen und Ersatzpflanzungen sowie Fragen des Lärmschutzes zu klären.
 
„Mit den vorgezogenen Vorschlägen sowie der neuen Projektgruppe hat die Verwaltung nun einen schnellen Weg zu mehr Wohnbauflächen eingeschlagen“, so Haag. Salomon unterstreicht: „Wir sehen das als unbedingt notwendig an. Unser Ziel ist es, Freiburg für alle Gesellschaftsgruppen attraktiv und lebbar zu halten. Dazu gehört genügend geeigneter Wohnraum. Nur so können wir eine gesunde Struktur unserer Stadtgesellschaft auch in Zukunft erhalten.“
 
Die jetzt gefundenen Flächen sollen dem Gemeinderat noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Nach einer grundsätzlichen Zustimmung kann die Projektgruppe ProWo an die konkrete Umsetzung über Bebauungspläne gehen.

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Edith Lamersdorf, Telefon: 0761/201-1300
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Veröffentlicht am 18. November 2015

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