Gemeinderat befürwortet Standort, Finanzierung und Bürgerentscheid

Große Mehrheit für das neue Stadion

Das neue Fußballstadion auf dem Flugplatzgelände ist einen Schritt weiter. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat dem Bau am Wolfswinkel und dem Finanzierungskonzept zugestimmt. Das letzte Wort hat aber die Bürgerschaft, die am 1. Februar entscheidet.

So könnte das fertig bebaute Areal in Zukunft einmal aussehen (Foto: HHVISION)

Zu Beginn der Debatte hatte Oberbürgermeister Dieter Salomon dargelegt, warum der SC Freiburg ein neues Stadion braucht, ein Umbau am alten Standort ausscheidet, der Wolfswinkel als einziger Standort in Frage kommt und wie das neue Stadion finanziert werden soll. Salomon verwies auf die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga: Das heutige Spielfeld ist 4 Meter zu kurz und weist ein Gefälle von einem Meter auf. Außerdem fehlt der Platz für ausreichende Rettungswege. Dazu fehlen Logen und VIP-Plätze, was die Vermarktungsmöglichkeiten verschlechtert. Technisch wäre ein Umbau zwar machbar, aber nicht juristisch. Ein Vergleich mit Anwohnern limitiert die Platzzahl auf maximal 25 000, so dass keine ausreichenden Mehreinnahmen zu erzielen wären. Und: Weil für einen Umbau eine neue Baugenehmigung erforderlich sei, würde das Projekt schon allein aus Lärmschutzgründen scheitern.

Bei der Suche nach einem neuen Standort war von 24 Alternativen nur der Wolfswinkel übrig geblieben. Nirgendwo sonst seien die städtischen Vorgaben – insbesondere hinsichtlich der Verkehrsanbindung, aber auch was die Verfügbarkeit der Fläche angeht – so günstig wie am Flugplatz. Der Flugbetrieb könne ohne Einschränkung – auch bei den Organtransporten – aufrecht erhalten werden, lediglich für Segelflieger und Fallschirmspringer müsse man eine neue Heimat finden.

„Sind Sie dafür, dass die Stadt Freiburg den SC Freiburg bei der Realisierung eines Fußballstadions im Wolfswinkel gemäß des vom Gemeinderat befürworteten Organisations-, Investitions- und Finanzierungskonzepts unterstützt?“ So wird die Frage lauten, über die Freiburgs Bürgerinnen und Bürger am 1. Februar 2015 zu entscheiden haben.

Ausführlich erläuterte der OB das Finanzierungskonzept. Den voraussichtlich rund 70 Millionen Euro teuren Stadionbau wird der Sportclub über die nach Spielklasse gestaffelten Pachtzahlungen selbst finanzieren. Außerdem bringt der SC bis zu 20 Millionen Euro als Einlage mit ein; weitere 11 Millionen werden als Zuschuss vom Land erwartet. Den Rest muss die noch zu gründende Stadiongesellschaft über günstige Kommunalkredite aufbringen, die zu 80 Prozent von der Stadt verbürgt werden. Dieses Risiko hält Salomon für überschaubar. Erst bei einem Abstieg und mehrjährigem Verbleib in der dritten Liga reiche die Pacht nicht mehr aus, um den Kredit zu bedienen.

Die Infrastruktur rund um das Stadion – Straßen und Wege, die Entsorgung von Deponiematerial sowie Ausgleichsmaßnahmen für Natur- und Artenschutz – werden einschließlich eines 10-prozentigen Risikozuschlags auf 38 Millionen Euro geschätzt und sollen ausschließlich von der Stadt finanziert werden. Bedenken, dass dadurch andere Projekte gefährdet seien, trat der OB entgegen: „Alle wichtigen Projekte werden realisiert, es sind keine Kürzungsrunden geplant.“ Salomon verwies auf den Abbau von Schulden in den letzten Jahren, womit die Zinsbelastung von 4,7 Prozent des Haushalts im Jahr 1998 auf aktuell nur noch 0,7 Prozent gesunken sei. Damit sei die Stadt nun in der Lage, kräftig wie nie zu investieren. Außerdem schaffe die Stadt rund ums Stadion neues städtisches Vermögen.

Die gemeinderätliche Aussprache eröffnete Grünen-Fraktionschefin Maria Viethen. Ein Umzug in den Wolfswinkel sei nach den Erfahrungen im Freiburger Osten kein Grund für Ängste: „Es ist es nicht laut, man wird nicht eingesperrt, die Fans trampeln nicht durch Vorgärten und die Immobilienpreise sinken nicht – im Gegenteil.“

CDU-Frontmann Wendelin Graf von Kageneck betonte die wichtige, auch emotionale Bedeutung des Sportclubs für Freiburg. „Der SC muss in Freiburg bleiben!“ Am neuen Standort geben es viele Synergieeffekte für die Universität und die umliegenden Quartiere. Für das bisherige Stadion forderte Kageneck, dass die Sportspange an der Schwarzwaldstraße erhalten bleibt. Genau wie die Grünen votierte die CDU einstimmig für den Stadionneubau.

Bei der SPD gab es sowohl Befürworter wie Gegner des Projekts. Für die Ja-Fraktion machte Fraktionschefin Renate Buchen deutlich, dass ein Ausbau am alten Standort baulich-rechtlich ein „No-Go“ sei. Die ablehnende Haltung begründete Stefan Schillinger: „Natürlich gibt es verkehrliche Auswirkungen“; außerdem fürchtet er Kostensteigerungen.

Die UL-Fraktion unterstützte das Stadionprojekt mehrheitlich, forderte jedoch Nachbesserungen beim Finanzierungskonzept. Fraktionsvorsitzender Michael Moos forderte dazu auf, vor allem die positiven Effekte eines neuen Stadions in den Blick zu nehmen. Gute Ansätze dafür gebe es beispielsweise in Zürich zu sehen. Pro Stadion, aber contra Finanzierungskonzept stimmte Hendrijk Guzzoni, der die geplanten Infrastrukturkosten von 38 Millionen Euro für nicht vertretbar hielt.

Kurz und bündig brachte es Sergio Schmidt von der Fraktion JPG auf den Punkt: „Das Stadion ist keine Ausgabe, sondern ein Gewinn.“ Stümperhafte Notlösungen am alten Stadion lehnte er ebenso ab wie ein Stadion außerhalb. Coinneach McCabe hingegen stimmte mit „Nein“, weil es wichtigere Prioritäten gebe, zum Beispiel die Wohnungen.

Für die Fraktion FL/FF warf Vorsitzender Wolf-Dieter Winkler der Verwaltung eine „erheblich geschönte Vorlage“ vor. Bei der Kostenaufstellung fehlten seiner Ansicht wichtige Positionen, außerdem sei die Entsorgung der Deponie-Altlasten zu gering kalkuliert. Sein Fraktionskollege Karl-Heinz Krawczyk prognostizierte, dass der Standort Wolfswinkel vor Gericht nicht standhalten werde.

Johannes Gröger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, nannte den Stadionneubau dagegen „einen Gewinn für alle und gut angelegtes Geld“. Vor allem lobte er, dass die Nähe zu Messe, Uni und Flugplatz umfangreiche Mantelnutzungen ermögliche.

FDP-Stadtrat Patrick Evers unterstützte die wirtschaftliche Bedeutung des SC und den Standort Wolfswinkel, der nach heutigem Wissensstand richtig sei. Das Finanzierungskonzept hingegen sei „nicht schlüssig und nicht transparent“, der Anteil von Land und SC zu niedrig.

Einhellig begrüßt wurde der geplante Bürgerentscheid. Mehrere Fraktionen kündigten an, dass man das Votum der Bürgerschaft akzeptieren wolle – die UL sogar dann, wenn das Quorum nicht erreicht wird.

Amtsblatt-Beilage und Infoabend am 4. Dezember​

Am Donnerstag, 4. Dezember, informiert die Stadt in der Rothaus-Arena (Messe) über die Stadionplanung und den Bürgerentscheid. Ab 16 Uhr sind im Foyer der Messe Informationsstände der Verwaltung, der Bürgerinitiativen und des SC geöffnet; in den Tagungsräumen der Rothaus-Arena gibt es zwischen 16.15 Uhr und 18.30 Kurzvorträge zu Themen wie Standortalternativen, Verkehr oder Finanzierung.
 
Um 19 Uhr startet in der Halle ein moderiertes Podium zur Information mit Statements des Oberbürgermeisters und der Gemeinderatsfraktionen für die Gemeindeorgane, sowie von Finanzbürgermeister Neideck und Bau-Bürgermeister Prof. Haag. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
 
Zu diesem Anlass erscheint auch eine Sonderbeilage des Amtsblatts mit Stellungnahmen der Verwaltung und der Fraktionen sowie einer vollständigen Darstellung des Organisations-, Investitions- und Finanzierungskonzepts. Die Sonderbeilage wird außerdem mit dem Amtsblatt am 5. Dezember haushaltsdeckend verteilt.

Weitere Infos, wie Gutachten und Drucksachen, finden Sie unter freiburg.de/scstadion

Veröffentlicht am 19. November 2014

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