Bildung, Kultur und Begegnung

Stadtbibliothek zieht Bilanz

Die Bibliothek besuchen, auch wenn kein Personal da ist, neben Büchern auch mal Schlagbohrer oder Slackline ausleihen und an Workshops oder Gaming-Treffs teilnehmen – all das geht in der Stadtbibliothek Freiburg. Diese zog kürzlich eine positive Bilanz des Jahres 2025: mit mehr als 1,6 Millionen Ausleihen und einem Besucherplus von sechs Prozent.

477.000 Besuche verzeich neten die vier Standorte – die Hauptstelle am Münsterplatz sowie die Stadtteilbibliotheken in Haslach, im Rieselfeld und im Mooswald – samt der Fahrbibliothek im vergangenen Jahr. Statistisch gesehen hat so jede*r Freiburger*in die Bibliothek zweimal im Jahr besucht. „Mit dieser Bilanz hat die Stadtbibliothek erneut unter Beweis gestellt, dass sie ein zentraler Ort der Bildung, Kultur und Begegnung ist“, sagte Kulturbürgermeister Roland Meder auf der Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2025.

Viele Nutzer*innen

30.061 Menschen nutzten das Angebot der Stadtbibliothek, das entspricht etwa 13 Prozent der Freiburger Bevölkerung. „Aber viele kommen auch ohne Anmeldung zu uns – einfach um Kaffee zu trinken und in Büchern zu schmökern“, berichtete die Direktorin der Stadtbibliothek, Meike Jäger. „Einen Ausweis braucht man erst, wenn man ein Buch mit nach Hause nehmen möchte.“ Neu sind Ausleihschränke: Dort können sich Besucher*innen die Bücher hinter Glas anschauen, das entsprechende Fach mit ihrem Ausweis öffnen und das Buch dann selbstständig ausleihen.

Von KI bis Sprachcafé

Mit 1101 Veranstaltungen – das entspricht einem Plus von 26 Prozent – hat das Bibliotheksteam das Programm im vergangenen Jahr massiv ausgebaut. Fast 19.000 Menschen nahmen an Workshops, Lesungen und Bildungsangeboten teil; das Spektrum reicht vom KI-Workshop über Bilderbuchkino bis zum Gaming-Treff. Am beliebtesten seien die Sprachcafés, sagte Jäger: „Sie sind unglaublich gut besucht, da sie sehr niederschwellig und nicht mit Pflicht oder Zertifikaten verbunden sind. Es sind kleine geschützte Räume, einfach um ins Sprechen zu kommen.“

Von „Flexi“ bis Boule

Hervorragend aufgegangen ist auch das Konzept der „FlexiBib“ mit erweiterten Öffnungszeiten, zu denen aber kein Fachpersonal anwesend ist. Bislang ist das – für alle ab 18 Jahren mit Bibliotheksausweis – in der Mediothek Rieselfeld und der Stadtteilbilliothek Mooswald möglich. „So können wir unsere Räume auch Menschen zur Verfügung stellen, die zu den normalen Öffnungszeiten keine Zeit haben, weil sie vielleicht Schicht arbeiten“, erläuterte Jäger die Idee.

Zudem wurde im Mai 2025 die „Bibliothek der Dinge“ in Kooperation mit dem städtischen Nachhaltigkeitsmanagement auf alle Standorte ausgeweitet. Seither können in der Stadtbibliothek nicht nur Bücher, sondern auch Alltagsgegenstände ausgeliehen werden. „Das ist unser Beitrag zur Nachhaltigkeit“, so Meike Jäger, „denn das sind Dinge, die man nur ab und an braucht und deshalb nicht besitzen muss.“ 255 sind es insgesamt, darunter eine Schlagbohrmaschine und eine Konzertgitarre ebenso wie eine Kabeltrommel und ein Boule-Set. Den Sommer über seien Stand-up-Paddle-Boards am begehrtesten gewesen sowie, für Kindergeburtstage, der Sternenhimmelprojektor; kaum nachgefragt hingegen waren die Strommessgeräte.

Im September 2025 bezog die Stadtteilbibliothek Haslach neue, freundliche Räume im Neubau der Staudinger Gesamtschule. Neben einer modernen Zeitschriftenlounge und einem Gaming-Raum lädt die Bibliothek nun zum Verweilen bei einem Kaffee ein.

Was bringt die Zukunft?

In naher Zukunft steht bei der Stadtbibliothek erst mal ein runder Geburtstag an: 2026 wird sie 125 Jahre alt und feiert das vom 25. bis 28. Juni auf dem Münsterplatz – zeitgleich mit der Aktion „StadtLesen“ und einer Lesung aus der Reihe „Freiburger Andruck“.

Doch sowohl Kulturbürgermeister Meder als auch Bibliotheksleiterin Jäger denken schon viel weiter: „Zukunftsstrategie 2030“ heißt das Konzept, mit dem sie die in Freiburg liebevoll „Stabi“ genannte Einrichtung fit für die Zukunft machen wollen. Entwickelt wurde es gemeinsam mit den 121 Mitarbeitenden bei einem Workshop im vergangenen Jahr. 

Die Essenz davon: „Wir wollen Menschen miteinander in Kontakt und Austausch bringen. Und wir möchten ein dritter Ort sein, der alle Bürger*innen einlädt“, fasst Jäger zusammen. Mit „dritter Ort“ ist ein weiterer Aufenhaltsort neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz gemeint – quasi ein öffentliches Wohnzimmer, in dem die Freiburger*innen lesen, arbeiten, Kaffee trinken und sich austauschen können. Dafür  soll auch die Hauptstelle am Münsterplatz langfristig zu einer FlexiBib werden. Sie wie im Rieselfeld oder Mooswald per Kameras zu überwachen, sei allerdings nicht ganz einfach, sagte Jäger. „Das wird also nicht morgen oder übermorgen sein.“

Auf dem Weg

Auch Roland Meder sprach von einem langen Prozess. „Die Strategie ist unser Kompass, und wir machen uns jetzt auf den Weg.“ Klar sei: „Die Stadt braucht Orte, wo Menschen konsumfrei zusammenkommen und sich aufhalten können.“ Auf jeden Fall habe die Bibliothek am Münsterplatz mit ungenutzten Flächen im Dach- und im zweiten Untergeschoss großes Potenzial, um neue Räume und Angebote zu schaffen: etwa Studios für Musik- und Podcast-Aufnahmen, Orte für gemütliches Lesen mit Kaffeehausatmosphäre oder eine größere und schönere Kinderbibliothek. Aber, so Meder: „Das ist erst der zweite Schritt, wenn wir wissen, was wir wollen und was wir uns leisten können. Wichtig ist zu wissen, wo wir in 10 oder 20 Jahren stehen wollen, um uns dann auf die Reise zu begeben.“

Weitere Infos: stadtbibliothek.freiburg.de

Dieser Artikel erschien in der Amtsblatt-Ausgabe 911 vom 23. Mai 2026.

Veröffentlicht am 22. Mai 2026