Tipps zum Schulstart

Radfahren mit Kindern

Es ist ein Teufelskreis: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil der Schulweg immer unsicherer wird, weil immer mehr Eltern... Dabei ist es ganz einfach, diesen Kreislauf zu durchbrechen: Schon ab dem Säuglingsalter ist es möglich, Kinder sicher und komfortabel mit dem Fahrrad zu transportieren. Und etwas größere Kinder können in Begleitung ihrer Eltern auch schon selbst fahren. Im Folgenden geben wir Tipps, was beim Radfahren mit Kindern zu beachten ist.

Vorbildlich: Das Kind fährt im direkten Blickfeld des Vaters auf dem Gehweg voraus. Weitere Kinder sind sicher und vergnügt im Anhänger untergebracht (Foto: P. Seeger)

Das Rechtliche vorweg: Bis acht ist der Gehweg Pflicht

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass Personen, die ein Kind auf dem Fahrrad transportieren, mindestens 16 Jahre alt sein müssen und das transportierte Kind höchstens sechs Jahre. Fahren die Kinder schon selbst, müssen sie bis zum achten Geburtstag auf dem Gehweg fahren – bis zehn dürfen sie das. Anders als früher dürfen sie dabei von einer Person ab 16 Jahren begleitet werden. Zum Überqueren einer Straße müssen Kinder, die auf dem Gehweg radeln, absteigen und schieben.

Sehr geringes Unfallrisiko beim Fahrradtransport

Viele Eltern halten den Fahrradtransport für gefährlich und geben dem Auto aus Sicherheitsgründen den Vorzug. Statistisch gesehen ist das aber eine schlechte Wahl: Noch immer ist die Mehrzahl verletzter Kinder als Mitfahrer in Autos unterwegs. 2019 ist in ganz Deutschland kein Kind unter zehn Jahren als "Fahrer oder Mitfahrer von Fahrrädern" ums Leben gekommen. Kurzum: Mit Gurt und Helm sind auch kleine Kinder sicher unterwegs.

Platz satt im Anhänger oder Lastenrad

Alle Transportmöglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Die Vorzüge von Fahrradanhängern und Lastenrädern sind offensichtlich: Sie bieten Platz für bis zu zwei Kinder, die unterwegs schlafen oder spielen können, schützen vor Wind und Wetter, und die Einkäufe passen meist auch noch rein. In vielen Fällen können Anhänger oder Lastenräder also tatsächlich ein Auto ersetzen. Die Nachteile: Ohne Elektroantrieb ist die Zusatzlast schon bei milden Steigungen deutlich spürbar, an Engstellen kann es sprichwörtlich eng werden, der Platzbedarf beim Parken ist groß, und die Preise sind relativ hoch: Ein gut ausgestattetes Elektro-Lastenrad kann durchaus so viel wie ein gebrauchter Kleinstwagen kosten, bietet aber auch fast dessen Platzverhältnisse.

Fahrradsitz: die leichte und günstige Alternative

Die Nachteile von Lastenrad und Hänger sind – mit umgekehrten Vorzeichen – die Vorteile des Fahrradsitzes: Er ist leicht, schmal und günstig. Wetterschutz bietet er dagegen gar keinen, außerdem verschlechtern sich durch den höheren Schwerpunkt die Fahreigenschaften des Fahrrads. Nicht zu vergessen: Der Kindersitz ist erst für Kinder geeignet, die schon sicher und stabil sitzen können, also etwa ein Jahr alt sind. Und ab dem zweiten Kind wird der Transport in Kindersitzen zur Jongleursnummer.

Gurt und Helm sind für Kinder ein Muss

Bei allen Transportarten ist auf die sichere Unterbringung zu achten. Wie aktuell ein Crashtest des ADAC belegt, gehören dazu auf jeden Fall Gurte und ein Helm. Beim Hänger sollte man außerdem das Verdeck schließen, um die Kleinen vor Insekten und aufgewirbelten Steinchen zu schützen. Auf dem Kindersitz muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass die Füße nicht in die Speichen geraten können. Nicht zuletzt ist zum sicheren Abstellen ein äußerst stabiler Ständer am Fahrrad erforderlich.

Alle Sinne am Anschlag: Fahren mit Kindern

Der Transport von Kindern stellt keine besonderen Anforderungen an den "Chauffeur". Wer sich an die Verkehrsregeln hält, sich seiner Vorbildfunktion bewusst ist und auf die wertvolle "Fracht" Rücksicht nimmt, kommt problemlos durch den Verkehr. Ganz anders sieht es aus, sobald die Kinder auf dem eigenen Zweirad unterwegs sind. Jetzt sollten alle Sinne auf höchste Empfindlichkeit justiert werden. Da Kinder bis weit ins Grundschulalter hinein nur sehr eingeschränkt in der Lage sind, den komplexen Anforderungen des Straßenverkehrs gerecht zu werden, müssen die begleitenden Erwachsenen für das Kind mitsehen, -hören und -denken.

Immer im Blick: Kinder fahren vorne

Auf gemeinsam genutzten Wegen sollten Eltern und Kind hintereinander fahren, und zwar grundsätzlich so, dass das Kind vorne fährt. Nur so hat es der begleitende Erwachsene im Blick, kann Anweisungen geben oder vor Gefahren warnen. Allzu oft sieht man es leider, dass die Begleitperson voraus fährt – weil sie Vorbild sein oder schlicht das Tempo vorgeben will. Doch diese Reihenfolge ist brandgefährlich, weil das Kind so absolut unbeobachtet ist, nicht selten "Quatsch" macht oder eine riesige Lücke lässt. Leichter wird es bei zwei Begleitungen: Dann fährt das Kind in der Mitte.

Übung macht fit – nicht nur für den Straßenverkehr

Manchem erscheint das Fahren mit Kindern vielleicht als zu riskant. Doch keine Sorge: Wenn ein Kind die Grundtechniken beherrscht und zuverlässig auf Anweisungen wie "Stopp!" oder "Fahr am Rand!" reagiert, kann man die ersten kleinen Ausflüge oder den Weg in den Kindergarten wagen. Schließlich führt nur Übung zur Meisterschaft – und als Passagier im Autofonds lernen Kinder das richtige Verhalten im Straßenverkehr sicher nicht. Radfahren dagegen fördert schon früh Selbstständigkeit und Motorik und legt den Grundstein für eine umweltbewusste Mobilität.

Immer ein Zeitpolster einplanen

Ganz klar ist aber auch: Wenn Kinder selbst fahren, muss man viel Zeit einplanen – für eine möglichst sichere Route, für jede Straßenüberquerung, für etwaige Pausen unterwegs und natürlich für das anfangs sehr geringe Tempo. Hektik, Zeitdruck und Ungeduld sind hierbei ganz schlechte Begleiter.

Kinder allein unterwegs – eine Frage des Alters

Ab wann Kinder ohne Begleitung Erwachsener unterwegs sein können, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Verkehrserziehung der Polizei empfiehlt, Kinder erst nach bestandener Radfahrprüfung in der 4. Klasse allein fahren zu lassen. Bei sehr günstigen Rahmenbedingungen (guter individueller Entwicklungsstand und eine gefahrlose, bestens vertraute Strecke) kann vielleicht aber auch schon ein jüngeres Kind allein unterwegs sein. Dagegen kann der dichte Innenstadtverkehr selbst für ein zehn- bis zwölfjähriges Kind noch zu komplex sein. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, liegt somit im Ermessen der Eltern.

Das erste Kinderfahrrad – am liebsten leicht

Ideale Einstiegsgefährte zum Radfahren sind das Dreirad (zum Einüben der Tretbewegung) sowie Roller und Laufrad, die den Gleichgewichtssinn trainieren und auf die höheren Geschwindigkeiten vorbereiten. Zum Fahrradfahrenlernen sind Zwölf-Zoll-Räder ideal, die den meisten Kindern allerdings sehr schnell zu klein sind. Also lieber ein günstiges Gebrauchtes kaufen oder bei Freunden ausleihen. Sparen sollte man sich auch Stützräder, da sie das Lernen eher verzögern und das Kind in einer Scheinsicherheit wiegen. Auch Federgabel und Kettenschaltungen sind nur unnötiger Ballast; viel wichtiger sind kindgerechte Griffe und Bremshebel sowie die passende Rahmengröße – in der Höhe genau wie in der Länge. Auch auf das Gewicht sollte man achten: Ein schweres Fahrrad macht schlicht keinen Spaß. Eine Beratung hierzu im Fachgeschäft lohnt sich.

Rücksichtsvoll und vorbildlich ist für alle Pflicht

Auch wer selbst keine Kinder hat, muss sich mit dem Thema kindliche Mobilität auseinandersetzen: Schließlich sind laut Straßenverkehrsordnung alle Verkehrsteilnehmer dazu verpflichtet, auf Kinder besondere Rücksicht zu nehmen. Und auch hier gilt: Immer Vorbild sein! Nur wer Rücksicht vorlebt, kann rücksichtsvolles Verhalten von anderen erwarten.

Was Kinder können – und was nicht

Erwachsene müssen für Kinder mitdenken

Irgendwann zwischen dem 4. und dem 6. Lebensjahr lernen fast alle Kinder Radfahren. Meist dauert es nur wenige Tage oder Wochen, bis sie die Grundtechniken halbwegs sicher beherrschen. Dem entgegen entwickeln sich die wichtigsten Fähigkeiten zu einer sicheren, eigenständigen Verkehrsteilnahme zum Teil erst viel später.

Im Folgenden haben wir zusammengestellt, über welche Fähigkeiten Kinder in welchem Alter verfügen. Die Altersangaben sind jedoch nur eine grobe Richtschnur. Den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes können die Eltern oder beispielsweise auch der Kinderarzt natürlich besser beurteilen.

Kinder können Tempo nicht richtig abschätzen

Wie weit ein Auto entfernt ist oder wie schnell es fährt, können Kinder nur sehr schlecht abschätzen. Fatalerweise verstehen Kinder bis etwa sechs Jahre auch nicht, warum sie selbst als Fußgänger jederzeit stehen bleiben können, ein Auto aber einen Bremsweg benötigt.

Kinder sehen und hören anders

Nicht nur aufgrund der Körpergröße haben Kinder ein kleineres Sichtfeld – und werden von anderen viel schlechter und später gesehen. Anders als bei Erwachsenen nehmen sie Dinge, die seitlich von ihnen sind, nur sehr eingeschränkt wahr. Ähnlich verhält es sich bei Geräuschen: Etwa bis sieben Jahre können Kinder die Richtung von Geräuschen noch schlecht orten. So kann ein Kind ganz gebannt nach links schauen, obwohl das Autos eindeutig von rechts kommt.

Kinder können sich nur kurz konzentrieren

Sich über längere Zeit zu konzentrieren, gelingt Kindern erst ab etwa acht Jahren. Davor lassen sie sich noch sehr leicht ablenken und sind nicht mehr in der Lage, das Verkehrsgeschehen aufmerksam zu verfolgen. Erst mit etwa 14 Jahren erlangen Kinder die volle Konzentrationsfähigkeit und können sich sicher und selbstständig im Straßenverkehr bewegen.

Kinder verhalten sich oft unvorhersehbar

Erst ab dem Teenageralter sind Kinder in der Lage, sich in die Perspektiven anderer hineinzuversetzen. Bis dahin gehen sie davon aus, dass alles, was sie selbst sehen, auch für andere sichtbar ist. Ihr Verhalten im Straßenverkehr ist daher oft irrational und unvorhersehbar. So können Kinder plötzlich stehen bleiben, weil sie eine Fliege im Gesicht haben. Dass der begleitende Erwachsene diese Fliege nicht sehen kann, verstehen sie nicht.

Kinder können kein „Multitasking“

Kinder können sich nicht nur insgesamt schwer, sondern zunächst auch immer nur auf eine Sache konzentrieren. Die Fähigkeit, gleichzeitig mehrere Dinge zu tun („Multitasking“), entwickelt sich nur sehr langsam. Konkret: Wenn am Wegesrand ein Tier zu sehen ist, behält das Kind nur noch das Tier und nicht mehr den Verkehr im Auge.

Kinder sind schnell überfordert

Kinder können zwar schon sehr früh Radfahren, sind aber erst ab etwa zehn Jahren auch in der Lage, sich wenigstens auf bekannten und einfachen Strecken selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen. Bis dahin müssen die begleitenden Erwachsenen und anderen Verkehrsteilnehmer stets für das Kind „mitdenken“ und dabei auch irrationales Verhalten einkalkulieren. Wichtig ist es, Kinder nicht zu überfordern, indem man Dinge von ihnen erwartet, die sie aufgrund ihres Alters einfach (noch) nicht können. Genauso wenig darf man hoffen, dass sich die altersgemäße Entwicklung von alleine einstellt: Nur durch Üben und vorbildliches Verhalten werden Kinder fit gemacht, sich im komplexen Verkehrssituationen richtig und sicher zu verhalten.

Veröffentlicht am 13. September 2021
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