Kein Abriss bis 2029

Kompromiss im Streit um Wohnungen in der Quäkerstraße

Quäkerstraße 1 bis 9: Ursprünglich hatte die Baugenossenschaft Familienheim Freiburg vor, die Gebäude zwischen der Adalbert-Stifter-Straße, der Dreikönigstraße, der Türkenlouisstraße, der Prinz-Eugen-Straße und der Grillparzerstraße abzureißen und anschließend neu zu bauen. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Es ist ein altbekanntes Problem auf dem Wohnungsmarkt: In die Jahre gekommene Wohnungen sollen abgerissen, nachverdichtet oder saniert werden; die Mieterinnen und Mieter fürchten dabei steigende Mietpreise. Im Quartier Quäkerstraße konnte die Stadt jetzt einen Kompromiss mit der Baugenossenschaft Familienheim Freiburg aushandeln.

Der Streit um die Quäkerstraße begann im Herbst 2017: Die Baugenossenschaft Familienheim Freiburg kündigte an, das keilförmige Viertel zu modernisieren: abreißen, neu bauen und nachverdichten waren die Schlagworte – sanieren sei hingegen nicht zukunftsfähig. Daraufhin organisierten sich die Mieterinnen und Mieter in der Wohnungsinitiative "Wiehre für alle" und legten ein eigenes Gutachten vor: Eine Sanierung sei sehr wohl zukunftsfähig. Die Rathausspitze um Oberbürgermeister Martin Horn und der Gemeinderat brachten in der Folge eine soziale Erhaltungssatzung auf den Weg, die einen Abriss von Gebäuden erschweren würde.

Verdrängung verhindern

Allerdings: Die rund 300 Wohnungen, alle zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren errichtet, sind in ihrem ursprünglichen Zustand und entsprechen nicht den energetischen Anforderungen. Für Baubürgermeister Martin Haag ist deshalb klar, dass das Quartier nicht so bleiben kann, wie es ist. Er stellt die zentrale Frage im Pressegespräch: "Wie können wir dabei Verdrängung verhindern?"

Die denkbar einfache Antwort: Kooperation und Kompromiss. Und das sieht folgendermaßen aus: Stadt und Familienheim Freiburg haben sich auf ein Moratorium bis 2029 verständigt. Die Gebäude dürfen nicht abgerissen, lediglich instandgehalten werden. In den nächsten Jahren finden Sanierungen nur bei einem Mieterwechsel statt, erläutert Alexander Ehrlacher, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft.

Familienheim entwickelt Gesamtkonzept

Für Oberbürgermeister Martin Horn sind das erfreuliche Neuigkeiten: "Wir haben eine gute, faire und zukunftsorientierte Lösung gefunden." Auch, weil sich die Familienheim Freiburg dazu bereit erklärt hat, bis 2029 gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Gesamtkonzept für das Quartier zu entwickeln.

Vor 2026 starte der externe Moderationsprozess jedoch nicht, erklärte die Vorstandsvorsitzende Anja Dziolloß: "Wir lassen das Projekt Wiehre fünf Jahre ruhen, um in ruhigere Fahrwasser zu kommen." Die Referentin für bezahlbares Wohnen der Stadt Freiburg, Sabine Recker, zeigte sich ebenfalls zufrieden: "Das ist der beste Weg, um günstigen und wichtigen Wohnraum zu erhalten. Gleichzeitig können wir ausloten, wo wir neuen schaffen können."

Gemeinderat entscheidet am 29. Juni

Die jetzt getroffene Vereinbarung ersetzt die geplanten sozialen und städtebaulichen Erhaltungssatzungen. Damit werden die Mieterinnen und Mieter aber nicht benachteiligt, verspricht Baubürgermeister Haag: "Die Vereinbarung ist ein sehr, sehr guter Weg. Das bringt im Endeffekt mehr als die Erhaltungssatzungen." Diese müssten nach fünf Jahren erneuert werden, das Moratorium gelte immerhin achteinhalb Jahre. Auch deshalb rechnet OB Horn mit einer Mehrheit im Gemeinderat, der am 29. Juni darüber entscheidet. Von "Wiehre für alle" gebe es allerdings noch keine offizielle Rückmeldung: "Das Erreichte wird aber wertgeschätzt. Das Zwischenfazit ist positiv."

Veröffentlicht am 02. Juni 2021
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