Nach der Pilotphase geht das Projekt der Lolli-Pool-Tests seit dieser Woche in die Fläche

Das System funktioniert auch im großen Maßstab: Tausende Kinder werden in 29 Grundschulen und sechs SBBZ per PCR-Pooltests auf Corona getestet

Extra für Freiburg entwickelte digitale Infrastruktur ermöglicht flächendeckendes Corona-Screening

Uniklinik wertet Daten aus – bedeutende Analyse, um fundierte Aussagen über das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas zutreffen

Die Teststrategie soll auch auf alle Kitas der Stadt ausgeweitet werden

Seit Montag läuft die neue Freiburger Teststrategie an 29 Grundschulen und fünf Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) der Stadt. Rund 10.000 Kinder und Jugendliche sowie Lehrerinnen und Lehrer können damit zwei Mal in der Woche mit einem PCR-Pooling-Verfahren auf das Coronavirus getestet werden. Innerhalb von wenigen Wochen ist damit ein innovatives System aufgebaut worden, das mehr Sicherheit für Schülerinnen und Schüler und deren Familien bringt, sowie für alle Menschen, die an den Schulen arbeiten.

„Der Start hat gezeigt: unser System funktioniert auch in der Fläche. Im März war das Projekt mit einigen ausgesuchten Schulen als Pilot gestartet. Jetzt wird es auf mehr als 30 Schulen ausgerollt – und das soll erst der Anfang sein. Wir haben eine Logistik und automatisierte Prozesse aufgebaut, die ein dauerhaftes PCR-Screening für Tausende Menschen an den Schulen möglich machen. Gerade die Kinder und Jugendliche verdienen mehr Sicherheit, da sie besonders unter der Pandemie und einer mangelnder Perspektive leiden. Dafür haben wir eine in Deutschland wohl aktuell einzigartige digitale Infrastruktur entwickelt. Dieses muss sich nun im Praxiseinsatz beweisen – anschließend geben wir es gerne an die Kommunen weiter, die uns bereits angefragt haben“, sagt Oberbürgermeister Martin Horn.

Das Pilotprojekt wurde bis zur vergangenen Woche schrittweise um einzelne Einrichtungen erweitert. Bis zum Ende der vergangenen Woche waren zwei Gymnasien, zwei Grundschulen, zwei SBBZ, eine Realschule und eine Kita beteiligt. Am Montag folgte dann der große Schritt: In dieser Woche wird das Lolli-System ausgerollt an insgesamt 29 Grundschulen, sechs SBBZ, einer Werkrealschule drei Schulkindergärten, zwei Gymnasien, eine Realschule und einer Kita (Weiterführende Schulen, die an dem Pilotprojekt teilgenommen haben, könne weiter dabei sein). Damit werden rund 10.000 Kinder und Jugendliche mit dem innovativen Pool-Verfahren getestet. In der Pilotphase wurden bereits mehrere Infektionsketten unterbrochen. Vier Pools waren positiv, die Nachtestungen ergaben, dass fünf Kinder mit dem Virus infiziert waren. Ganz aktuell, am gestrigen Dienstag, waren zwei Pools positiv. Die Ergebnisse der Einzel-Nachtestungen stehen noch aus.

Das Projekt, das die Stadt zusammen mit dem Universitätsklinikum Freiburg und dem Gesundheitsamt auf den Weg gebracht hat, stößt landes- und bundesweit auf großes Interesse. Viele andere Städte haben bereits nach der Freiburger Pool-Lösung gefragt. Zudem gibt es Kontakte zu den Ministerien des Landes und bis ins Bundeskanzleramt. Hier wird das Potential der Lolli-Tests und besonders unserer digitalen Infrastruktur gesehen. Denn Lolli-Tests und PCR-Pool-Verfahren gibt es inzwischen in mehreren Städten Deutschlands. Freiburg hat das System auch nicht erfunden, das Konzept stammt aus Köln. Doch in Freiburg wurde das Verfahren entscheidend weiterentwickelt.

Hier wurde eine digitale Infrastruktur aufgebaut, die es so bislang anderswo noch nicht gibt. Sie bedeutet das Ende der Zettelwirtschaft und eine enorme Reduzierung von Anwenderfehlern. Bis auf das Lutschen an den Wattestäbchen und den Transport in das Labor laufen so gut wie alle Prozesse digitalisiert. Eltern und Schulen werden automatisiert und datenschutzkonform über die Testergebnisse informiert werden. Wenn ein Test positiv ausfällt, bekommen Eltern eine Anleitung übermittelt, was zu tun ist. Am Testzentrum der Neuen Messe gibt es eine eigene Teststraße, an der Schülerinnen und Schüler die Einzeltests angehen können, um zu erfahren, ob sie infiziert sind oder nicht. Auch das Testzentrum erfährt automatisch davon, wer sich testen lassen kann. Die Teststraße für die Schülerinnen und Schüler wird von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben.

Um das System an einer Schule ins Laufen zu bringen, braucht es anfangs etwas mehr Arbeit, um alle Daten einzupflegen. Doch steht die Datengrundlage, wird den Schulen dadurch sehr viel Aufwand abgenommen. Das Programm, mit dem gearbeitet wird, hat inzwischen einen auch Namen: Poolie, die Software für sichere Schulen.

Die Tests sollen dazu beitragen, die Schulen auch zu Zeiten von Corona offen zu halten. Doch die Daten sollen auch helfen zu verstehen, welche Rollen Schulen in der Pandemie spielen.
"Dank unserer Expertise in Sachen Digitalisierung können wir die Daten wissenschaftlich auswerten. Dies ist über Freiburg hinaus von großer Bedeutung, um endlich wissenschaftlich fundierte Aussagen über das Infektionsgeschehen in Schulen treffen zu können", sagt Prof. Dr. Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg.

Das System hat neben der wissenschaftlichen Begleitung noch viele weitere Vorteile: die Ergebnisse sind zuverlässig, die Pools günstiger als Einzeltests und die Anwendung ist kindgerecht.

„Auch die jüngsten Freiburgerinnen und Freiburger sollen ihren Alltag in einer sicheren Umgebung gut und verlässlich betreut verbringen können. Daher freue ich mich, dass wir in der nächsten Stufe das System der Lolli-Tests schrittweise auf die Kitas ausweiten. Denn dieses Testverfahren ist gerade für kleine Kinder besonders gut geeignet“, sagt Schul- und Jugendbürgermeisterin Christine Buchheit.

Wenn sich das Lolli-Test-System an den Grundschulen und SBBZ eingespielt hat, soll es ab Mitte Mai auch in den 244 Kindergärten und Kitas für die Kinder ab einem Alter von einem Jahr eingeführt werden.
Damit würde eine weitere große Stufe genommen, wieder würden tausende Kinder mehr mit der zuverlässigen PCR-Methode getestet werden. Zusammengerechnet könnten in den Grundschulen, den SBBZ und den Kitas dann mehr als 20.000 Kinder regelmäßig getestet werden. In der Zwischenzeit bietet die Stadt Spucktests für die freiwillige Testung der Kleinsten an.

Hintergrund: der Lolli-Test

Das Prinzip des Lolli-Tests ist einfach und effektiv: In Pooltests werden ganze Klassen gemeinsam getestet. Wattestäbchen werden dabei wie Lollis gelutscht und anschließend gemeinsam ins Labor für die PCR-Untersuchung gegeben. Eine Klasse bildet einen Pool, nur wenn ein Pool positiv ist, müssen Schülerinnen und Schüler einzeln getestet werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit Uniklinik Freiburg und dem Gesundheitsamt entwickelt und ist ein sicheres, günstiges sowie einfach anzuwendendes System, das  wissenschaftlich eng von der Uniklinik begleitet wird.

Veröffentlicht am 28. April 2021

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